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Norddeutschland Streit um tote Vögel: Minister ermahnt Kreis Ostholstein
Nachrichten Norddeutschland Streit um tote Vögel: Minister ermahnt Kreis Ostholstein
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22:21 13.02.2017
Quelle: dpa
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Eutin/Kiel

Diesen Verdacht hegt man jetzt offenbar im Kieler Umweltministerium. In einem geharnischten Brief fordert Grünen-Minister Robert Habeck CDU-Landrat Reinhard Sager zum Umsteuern auf. Anderenfalls werde der Kreis künftig ohne Landesunterstützung bei der Bekämpfung der Seuche zurecht kommen müssen.
Tatsächlich hatte die Sprecherin der Kreisverwaltung erst Anfang Januar erklärt, es gebe in Ostholstein keinen Nachweis des H5N8- Erregers. In Habecks Schreiben, das den LN vorliegt, heißt es jetzt allerdings, dass in den letzten Monaten aus dem Kreis Ostholstein auch überhaupt keine Proben ans Landeslabor geschickt worden seien. Aus den anderen Kreisen und kreisfreien Städten seien dort im selben Zeitraum hingegen rund 600 Proben eingegangen. Damit verstoße Eutin gleich gegen zwei Erlasse des Ministeriums, wird in dem Brief ausgeführt. Denn dass ausgerechnet in Ostholstein keine toten Wildvögel gefunden worden sein sollen, hält man in Kiel für wenig glaubhaft. Schließlich sei der direkt angrenzende Kreis Plön besonders stark von der Vogelgrippe betroffen. Wenn man in Kiel als Folge fehlender Beprobung aber keinen Überblick über das Geflügelpest- Geschehen in Ostholstein habe, könne man auch keine Verantwortung mehr dafür übernehmen, den Geflügelhaltern Schutzmaßnahmen vorzuschreiben, so der Tenor des Schreibens. Dann solle der Kreis das eben selber machen.
Rechtlich möglich wäre das. In Niedersachsen zum Beispiel sind generell die Kreise für die Bekämpfung der Seuche zuständig. In Schleswig-Holstein allerdings hätten die Kreise und kreisfreien Städte das Land selber darum gebeten, die Federführung zu übernehmen und für einheitlich abgestimmte Maßnahmen zu sorgen. Über Verbesserungsvorschläge dazu könne man gerne auf Fachebene diskutieren, heißt es in dem Schreiben weiter, aber bitte erst nach dem Ende des aktuellen Seuchenzugs. In der gegenwärtigen „besonderen Situation“ sei erstmal „ein abgestimmtes Vorgehen sowie ein fachlicher und politischer Schulterschluss von besonderer Bedeutung“. Das Vorgehen Ostholsteins verunsichere Tierhalter und Bevölkerung.
Gestern am späten Nachmittag lenkte der Kreis ein. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass Proben nur notwendig seien, wenn es eine auffällige Häufung von Totfunden gebe, sagte Kreisveterinär Wolf Vogelreuter auf LN-Anfrage. In einer Telefonkonferenz mit dem Kreis Ende Januar habe das Ministerium das bereits richtiggestellt – aber er selber habe dann leider vergessen, die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden darüber zu informieren. Der nächste Totfund in Ostholstein werde dann aber ganz sicher genauer untersucht.