Studie: Schleswig-Holsteiner haben weniger Angst vor Kriminalität
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Studie: Schleswig-Holsteiner haben weniger Angst vor Kriminalität

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13:06 16.11.2020
Ein junger Mann hebt seine geballte Faust.
Ein junger Mann hebt seine geballte Faust. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild
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Kiel

Die Menschen in Schleswig-Holstein fühlen sich laut einer neuen Dunkelfeldstudie sicherer als zwei Jahre zuvor. „Das gilt nicht nur für ihre persönliche Umgebung, sondern auch für die Befürchtung, Opfer von Straftaten zu werden“, sagte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Montag.

Für die Studie hat das Landeskriminalamt 2019 bereits zum dritten Mal 25 000 Menschen angeschrieben. Knapp die Hälfte (43,9 Prozent) nahm an der Umfrage teil.

Rückgang bei Einbrüchen

Nur 9,9 Prozent der Befragten gaben an, eine allgemeine Furcht vor Kriminalität zu haben. 2017 hatte dies noch auf 13,3 Prozent zugetroffen. Auch das persönliche Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, stuften nur noch 8,6 Prozent als eher hoch ein (2017: 11,9 Prozent). Rückläufig war demnach mit 25,7 Prozent auch das Verhalten, bestimmte Straßen, Parks oder Plätze zu meiden (2017: 28,0). Nur 20,7 Prozent gaben an, abends keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen (2017: 24,4).

Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Einbrüchen aus. Nur 14,2 Prozent haben Angst vor einem Einbruch. Zwei Jahre zuvor waren es noch 19,3 Prozent.

Fast jeder Dritte Opfer einer Straftat

Ergebnis der Studie ist aber auch, dass weiterhin fast jeder Dritte im Norden mindestens einmal Opfer einer Straftat wurde. Deren Anteil sank mit 32,5 Prozent aber leicht unter den Wert von 2016 (33,1 Prozent). Zwar werden mehr als zwei Drittel weiterhin nicht zur Anzeige gebracht. Die Anzeigequote stieg jedoch im Vergleich zur vorherigen Studie um 1,2 Prozentpunkte auf 31 Prozent an.

Zugenommen hat die Zahl an Sexualdelikten, darunter vor allem sexuelle Belästigung. „Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine Sensibilisierung“, sagte der Leiter der Kriminologischen Forschungsstelle Lars Riesner. Gegen den Trend sank zugleich die Anzeigequote.

Positives Bild von der Polizei

Positiv fiel den Teilnehmern die Polizei auf. 94,5 Prozent hatten mindestens ein eher positives Bild. 81 Prozent der Menschen, die Kontakt mit der Polizei hatten, beschrieben diesen als eher bis sehr zufriedenstellend. „Mich freut es ganz besonders, dass die Dunkelfeldstudie das hohe Vertrauen in unsere professionelle Arbeit und den respektvollen Umgang mit den Menschen zum Ausdruck bringt“, sagte Landespolizeidirektor Michael Wilksen.

Auffällige Ergebnisse lieferte die Studie zum Vertrauen in den Rechtsstaat. Zwar vertrauten 90,5 Prozent in rechtsstaatliches Handeln. Mehr als ein Viertel der Befragten stimmte jedoch nicht der These zu, „man kann sich auf den Rechtsstaat verlassen“. Bei dieser Frage verließen sich die Menschen aber eher nicht auf eigene Erfahrungen, sondern auf Medienberichte, soziale Medien oder das öffentliche Bild, sagte Riesner.

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Sütterlin-Waack betonte, „das ist ein Punkt, worüber wir nachdenken“. Auch ihr habe nicht jedes Urteil gefallen. Als Beispiel nannte sie ein Urteil über Beschimpfungen der Grünen-Politikerin Renate Künast im Netz. Künast war 2019 mit dem Versuch gescheitert, gegen persönliche Beschimpfungen auf Facebook vorzugehen.

Auf die Entscheidung hätten die Innenministerin viele Menschen angesprochen mit der Frage, „muss man sich wirklich im Netz sowas gefallen lassen, wenn man so beschimpft wird“. Sie wolle dies aber nicht als Richterschelte verstanden wissen.

Von RND/dpa