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Norddeutschland Studie prognostiziert weniger Fahrzeuge im Belttunnel
Nachrichten Norddeutschland Studie prognostiziert weniger Fahrzeuge im Belttunnel
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18:50 10.05.2019
Eine neue Studie des Landes sagt voraus, das ein Teil des Fahrzeug- und Frachtverkehrs nicht den Tunnel, sondern weiterhin die Fähre nutzen wird. Quelle: Femern AS/dpa
Fehmarn/Berlin

Die von der Landesregierung in Auftrag gegebene Studie komme zu dem Ergebnis, dass vermutlich weitaus weniger Fahrzeuge den Tunnel nutzen würden als angenommen, sagte der Schleswig-Holsteinische Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Grüne) am Freitag. Das habe immense Auswirkungen auf die prognostizierte Rentabilität der Querung, die aus heutiger Sicht mehr und mehr in Frage stehe, sagte er. Von Notz gilt seit Jahren als Gegner der Beltquerung. Er hat das Gutachten auf seiner Homepage veröffentlicht.

Gutachten: Ein Drittel der Fahrzeuge nimmt weiter die Fähre

Die von der Planfeststellungsbehörde des Landes in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Drittel des für die feste Fehmarnbelt-Querung prognostizierten Fahrzeugsverkehrs und bis zu 40 Prozent des Frachtverkehrs auch nach Eröffnung des Tunnels weiterhin die Fähre nutzen werden. „Sollte das so eintreten, würde rund ein Viertel der geplanten Einnahmen für den Tunnelbetreiber wegfallen“, sagte von Notz.

Das Amt für Planfeststellung des Landes Schleswig-Holstein habe das Gutachten im November 2018 in Auftrag gegeben, um zu klären, ob die feste Fehmarnbeltquerung die Reederei Scandlines in ihrer Existenz gefährde, sagte Amtsleiterin Gesa Völkl. Die Reederei hatte schon vor einiger Zeit erklärt, sie werde die Fährverbindung Puttgarden-Rödby auch nach Eröffnung des Tunnels weiter betreiben.

Kieler Wirtschaftsministerium bleibt gelassen

Im Kieler Wirtschaftsministerium beurteilt man die Studie weit weniger dramatisch als von Notz. Dass Scandlines die Fähren parallel zum Tunnel weiter betreiben wolle, sei ja schon lange angekündigt gewesen. Für die Beurteilung der Rentabilität der Tunnels sei die dänische Seite als Bauherr und Finanzier zuständig. Und dort halte man sie ganz offensichtlich immer noch für ganz klar gegeben.

Mehrere Klagen gegen Fehmarnbelt-Tunnel

Der rund 18 Kilometer lange Eisenbahn- und Straßentunnel soll voraussichtlich von 2028 an die deutsche Insel Fehmarn mit Dänemark verbinden. Die Kosten von umgerechnet rund sieben Milliarden Euro (52,6 Milliarden dänische Kronen) trägt Dänemark. Wegen des Projektes haben schon mehrere Betroffene das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig angerufen.

Nach dem Nabu, Bad Schwartau, Fehmarn und dem „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung“ hat am Mittwoch auch die Reederei Scandlines Klage eingereicht. Die Reederei sieht beim Planfeststellungsbeschluss Defizite im Hinblick auf die Sicherheit der Schiffe während des Tunnelbaus. Die Bedenken von Scandlines seien nicht berücksichtigt worden, sagte Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen. Zudem verwies auch Scandlines darauf, dass der Bedarf für die Querung bislang nicht nachgewiesen sei.

Alle Artikel zum Thema Beltquerung finden Sie auf unserer Themenseite LN-Online.de/beltquerung

dpa/LN