Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Stürme, Dürren, Ungeziefer: „Der Wald braucht unsere Hilfe“
Nachrichten Norddeutschland Stürme, Dürren, Ungeziefer: „Der Wald braucht unsere Hilfe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 22.09.2019
Der Stamm einer toten Fichte: Viele der Nadelbäume fielen dem Borkenkäfer zum Opfer. Bei warmer Witterung mit wenig Regen kann sich der Borkenkäfer stark ausbreiten. Quelle: dpa
Kiel

Die Sorge um das Wohlergehen der Wälder beschäftigt auch die Umweltexperten in Schleswig-Holstein. Extreme Klimabedingungen und Schädlingsbefälle haben die Natur in den letzten Jahren immer wieder belastet. Pflanzensterben und brachliegende Flächen sind noch immer die Folge.

Caspar Graf zu Rantzau, Chef des Verbandes der Waldbesitzer im Norden, hält Schlagzeilen über ein drohendes „Waldsterben in Schleswig-Holstein“ dennoch für „nicht angemessen“. Die Wälder des Landes seien, verglichen mit denen anderer Bundesländer, bislang noch vergleichsweise glimpflich mit den Wetterextremen zurecht gekommen. Aber eine „Insel der Glückseligen“ sei man im Land zwischen den Meeren wiederum auch nicht.

Ministerium rechnet mit 130 000 Festmeter Schadholz

Stürme, wie das Orkantief Friederike im Januar 2018, zwei Dürresommer und die extreme Vermehrung von Schadinsekten – etwa dem Borkenkäfer, dem Kiefernspinner und der Nonne – haben vielen Wäldern heftig zugesetzt. Die finanziellen Verluste, vor allem durch den Borkenkäfer, werden auf anderthalb bis zwei Millionen Euro geschätzt. Und allein für dieses Jahr rechnet man im Kieler Landwirtschaftsministerium mit 130 000 Festmeter sogenannten Schadholzes. Dazu gehörten vor allem abgestorbene Nadelbäume, die durch den Borkenkäfer befallen wurden.

Lesen Sie auch: Streit um Borkenkäferbekämpfung geht weiter

Zudem hätten Trockenheit und Hitze dazu geführt, dass der Grundwasserspiegel stark abgesunken sei. Viele Bäume kämen mit ihren Wurzeln nicht mehr an das lebensnotwendige Nass heran und vertrockneten langfristig. Vor allem die Wälder auf der schleswig-holsteinischen Geest seien davon betroffen, erklärt Graf zu Rantzau besorgt. Noch könne man nicht sagen, wie stark auch die Buche, eigentlich der Laubbaum Nummer eins im Norden, betroffen sei. Es mehrten sich jedoch die Anzeichen, dass auch diese Baumart nicht widerstandsfähig genug gegen die Wetterextreme und den Klimawandel sei.

Lesen Sie auch: Waldsterben in Deutschland - das sind die wahren Probleme

Diese Spuren hinterlassen extreme Wetterverhältnisse und Ungeziefer in den Wäldern.

Experten raten zur Pflanzung resistenterer Arten

Für die Wälder der Zukunft müssten deshalb heute gegen Trockenheit und Hitze resistentere Arten gepflanzt werden, etwa Küstentanne, Douglasie, Roteiche, polnische oder orientalische Buche. Die Mischung mache es. Dabei müsse jeder Standort einzeln betrachtet werden, raten Forstexperten. An der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt etwa werde untersucht, welche Baumarten für welchen Standort sinnvoll sein können.

Sorgt sich um den Wald: Caspar Graf zu Rantzau. Quelle: Petra Dreu

Das Problem wurde im Norden noch dadurch verschärft, dass die Trockenheit in diesem Jahr vielen Jungpflanzen aus dem Jahr 2018 schadete und vertrocknen ließ. Auf rund 300 Hektar müsse deshalb nachgepflanzt werden. Graf von Rantzau plädiert nun dafür, dass erstens das Schadholz so rasch wie möglich aus den Wäldern beräumt und schnell nachgepflanzt wird. Zweitens müssten die Leistungen der „grünen Lungen“ für unser Ökosystem besser honoriert werden, sagt er mit Blick auf die Beschlüsse des Klimagipfels vom Freitag sowie auf den „Waldgipfel“, der am Mittwoch im Bundeslandwirtschaftsministerium stattfinden wird.

Schulze will Waldbesitzer für Maßnahmen zum Klimaschutz belohnen

Graf zu Rantzau: „Der Wald braucht unsere Hilfe“

Die rund 18 000 privaten Waldbesitzer im Norden dürften mit dem riesigen Problem nicht allein gelassen werden. „Der Wald braucht unsere Hilfe“, meint Graf zu Rantzau. Der Waldbesitzerverband fordert deshalb eine angemessene Berücksichtigung der Leistungen der Wälder für das Ökosystem. Neben der CO2-Speicherung sind das der Erhalt vieler Pflanzen- und Tierarten, Wasserspeicherung, Sauerstoffproduktion und nicht zu vergessen der Erholungsfaktor. Durch den jährlichen Zuwachs an Biomasse speichere ein Hektar Wald pro Jahr rund fünf Tonnen des Klimagases. Aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten sollten je Hektar Wald rund 125 Euro zur Verfügung gestellt werden, verlangt er.

Lesen Sie auch:
Förster über Klimaschutz: Es fehlt das Geld zur Rettung des Waldes

Bundesfreiwilligendienst soll bei Bepflanzung helfen

Ebenfalls für „durchaus sinnvoll“ hält der Verbandschef den Vorschlag, Freiwillige im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes für Hilfen in den Wäldern einzusetzen. „Bäume pflanzen ist schnell gelernt. Und jeder und jede, der oder die das tut, hat die Gewissheit, etwas für unser Klima, und für nachfolgende Generationen zu tun“, meint auch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände (AGDW), Hans-Georg von der Marwitz. Verheerend wäre es dagegen, wenn jetzt Waldbesitzer aufgäben und den Wald einfach sich selbst überließen. Genau das werde zwar von einigen „Waldexperten“ gefordert, doch das sei in unseren Kulturwäldern „völlig kontraproduktiv“.

Lesen Sie auch:
Alarm in deutschen Forsten – aber Lübecks Wald geht’s gut

Zudem würden bei der Zersetzung der Bäume in großem Ausmaß Klimagase freigesetzt. Wald, vor allem heranwachsender Jungwald, sei jedoch ein riesiger CO2-Speicher. Und der nachwachsende, klimafreundliche Rohstoff Holz müsse viel stärker in der Wirtschaft, etwa beim Wohnungsbau, eingesetzt werden. Holz könne in vielen Fällen Stahl und Beton ersetzen, ist Graf zu Rantzau überzeugt. Er hofft nun darauf, dass es im Herbst und Winter ausgiebige Niederschläge gibt, damit sich die Grundwasserspeicher füllen können. Damit sich die Wälder erholen können.

Kiel buddelt für die Einheit

Zum Tag der deutschen Einheit, der in diesem Jahr mit den zentralen Veranstaltungen in Kiel begangen wird, wurde die große Pflanzaktion „Einheitsbuddeln“ ins Leben gerufen. Jede Frau, jeder Mann kann auf dem eigenen Grundstück einen Baum pflanzen, man/frau kann Pflanzpartys organisieren, für Setzlinge Geld spenden und gepflanzte Bäume in Pflege nehmen. Alle Infos gibt es unter: Einheitsbuddeln.de

Schleswig-Holstein ist mit rund 173 000 Hektar Wald eines der waldärmsten Flächenländer der Bundesrepublik. Der Waldanteil soll nun auf zwölf Prozent erhöht werden. Dazu müssen jährlich rund 1 500 Hektar neuer Wald angepflanzt werden.

Von Reinhard Zweigler

Die Länder ringen um die Neuordnung des Glücksspiel-Staatsvertrags. Schleswig-Holstein will Online-Casinospiele und Internet-Sportwetten weiter zulassen. Erste Länder wollen sich anschließen.

22.09.2019

Unternehmer Ralf Dümmel ist durch die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ deutschlandweit bekannt geworden. Im LN-Interview erklärt er, warum er kein Chef sein will, es ihn nicht stört von Fans auf der Straße angesprochen zu werden und warum er mitten im Interview einen Gänsehautmoment erlebt.

22.09.2019

Interview mit dem Kieler Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif (65) vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

22.09.2019