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Norddeutschland Surfer wartet noch auf Entschädigung
Nachrichten Norddeutschland Surfer wartet noch auf Entschädigung
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14:02 03.04.2017
Mit einer Yacht dieses Typs ist der Surfer im August 2011 vor Pelzerhaken überfahren worden. Quelle: Foto: Sunseeker
Lübeck/Eutin

Für sein verlorenes Bein und die Spätfolgen des schweren Unfalls hatte ihm das Landgericht Hamburg im vergangenen Sommer Schmerzensgeld im unteren sechsstelligen Bereich zugesprochen.

Der Beklagte, ein älterer Geschäftsmann, hat dagegen Berufung eingelegt.

Für den Verletzten, der jetzt in Eutin lebt, ist dieses Verhalten unfassbar. „Das ist nicht mehr zu toppen“, sagt der 67-Jährige erbost. Der Yachteigner sei offenbar „unbelehrbar“. Er zeige auch so lange Zeit nach dem Unfall „nicht den Hauch einer Einsicht“. Der Unfall liegt inzwischen fast sechs Jahre zurück. Damals war der Surfer auf der Ostsee vor Pelzerhaken (Kreis Ostholstein) von der Motoryacht des Geschäftsmannes überfahren worden. Er kämpfte mit dem Tod, musste dreimal wiederbelebt werden, überstand zwölf Operationen, darunter auch die Amputation seines linken Beines. Wegen seiner Prothese muss er bis heute fast jede Woche zum Orthopädietechniker nach Hamburg. „Das ist eine Thematik, die mich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen begleitet.“

Im Juli 2013 war gegen den Bootseigner Strafbefehl erlassen worden. Das Amtsgericht Kiel hatte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung sowie eine Zahlung von 10000 Euro an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger verhängt – wegen fahrlässiger Gefährdung des Schiffsverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung. Das Urteil ist rechtskräftig. Zuvor war eine öffentlich-rechtliche Untersuchung der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) zu dem Schluss gekommen, dass der Yachteigner über 70 Stundenkilometer schnell war, als es zu dem Unfall kam.

„Damit haben wir inzwischen eine Entscheidung eines Strafgerichtes, eines Zivilgerichtes und eine behördliche Untersuchung, die die Schuld bei dem Yachtbesitzer sehen“, argumentiert Ole Hecht, der Anwalt des Geschädigten. Da könne man schon mal darüber nachdenken, warum man weiter dagegen ankämpfe. Statt die Verantwortung einzugestehen, habe der Täter jetzt sogar vorgetragen, dass er sein Verhalten auch nicht geändert hätte, wenn er den Surfer damals auf dem Wasser gesehen hätte. Hecht vermutet, dass die Mannheimer Versicherung AG, die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, dahintersteckt. Die Mannheimer Versicherung AG sage zu allem Nein, um das Verfahren in die Länge zu ziehen und damit das Opfer „zu zermürben“.

Die Versicherung äußert sich im laufenden Verfahren nicht, beruft sich zudem auf den Datenschutz. Sie hatte in den Jahren 2013 und 2014 bereits Vorschusszahlungen geleistet. Die Summe liegt bei etwa der Hälfte des zugesprochenen Schmerzensgeldes und deckt damit, so der Anwalt des Geschädigten, nur einen Bruchteil des entstandenen Schadens. Der Anwalt des Yachtbesitzers will sich nicht äußern.

„Wir warten jetzt darauf, dass das Hanseatische Oberlandesgericht über die nächsten Schritte entscheidet“, erklärt Hecht. Allein das Verfahren vor dem Oberlandesgericht könne zwei Jahre dauern. „Und selbst wenn das Oberlandesgericht zugunsten meines Mandanten entscheidet, geht der Rechtsstreit über die weiteren Schäden weiter.“ Dabei geht es zum Beispiel um den Verdienstausfall.

Der verletzte Eutiner will weiter für eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorboote auf der Lübecker Bucht kämpfen. „Diese Riesenyachten stellen sich bei hohen Geschwindigkeiten am Bug schräg auf.

Wer hinten am Steuer sitzt, sieht nicht, was vor ihm passiert. Das ist Irrsinn“, warnt er. Schließlich sei die Lübecker Bucht ein intensiv besiedeltes Wassersportrevier. Aus Sicht der Wasserschutzpolizei Travemünde ist das Verhalten der Motorbootfahrer „überwiegend angepasst“. „Wir versuchen, das Gebiet sicherer zu machen, indem wir regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchführen“, berichtet Christian Langbehn, stellvertretender Revierleiter der Wasserschutzpolizei Travemünde. Nach Auskunft der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Kiel (GDWS) gibt es im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen überwiegend keine festen Geschwindigkeitsvorgaben. „Alle Fahrzeuge müssen mit einer sicheren Geschwindigkeit fahren“, erklärt Sprecherin Claudia Thoma. Das sei dann der Fall, wenn „geeignete Maßnahmen getroffen werden können, um einen Zusammenstoß zu vermeiden“.

 Julia Paulat