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Norddeutschland Teurer Tag für den Norden
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18:42 26.04.2018
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Kiel/Hamburg

„Wir müssen jetzt die bittere Schlussrechnung präsentieren – aber immerhin ist es eine Schlussrechnung“, sagte CDU-Ministerpräsident Daniel Günther gestern im Landtag. Der Verkauf an eine private Investorengruppe sei am Ende immer noch die wirtschaftlichste Lösung für das Land. Eine Abwicklung der HSH hätte für den Norden mit mindestens 7,5 Milliarden Euro Verlust zu Buche geschlagen. „Der Verkauf ist die richtige Entscheidung“, betonte daher auch der Finanzexperte der SPD- Opposition, Thomas Rother – auch wenn es sich wohl um das teuerste Kapitel Landesgeschichte handle, das gerade geschrieben werde.

Dickes Minus

Das dicke Minus resultiert aus Verlusten, die die bisherige Landesbank Hamburgs und Schleswig-Holsteins seit der Finanzkrise 2008 eingefahren hat. In den Jahren vorher hatte die Bank Riesensummen in riskante Kreditersatzgeschäfte gepumpt, die dann plötzlich ihren Wert verloren. Auch nach einer mit Landesgeld und Milliarden-Garantien abgesicherten Sanierung ab 2009 schrieb die Bank weiter Verluste, weil auch noch der Schifffahrtsmarkt kriselte, ihr Hauptgeschäftsgebiet. Viele Reeder konnten die von der HSH gewährten Kredite für ihre Schiffe nicht mehr bedienen.

Kaufpreis: 1 Milliarde Euro

Schließlich verlangte auch die EU-Kommission den Verkauf oder die Abwicklung der Bank. In diesem Februar präsentierten die beiden Länder dann ein Käufergruppe um die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus und den ebenfalls US-amerikanischen Investor J. Christopher Flowers. Eine Milliarde Euro zahlen sie als Kaufpreis. Dafür aber muss die Bank altlastenfrei übergeben werden.

Für die FDP betonte Fraktionschef Christopher Vogt, dass die Liberalen schon lange vor der Finanzkrise die Privatisierung der Bank gefordert hätten. Lasse Petersdotter von den Grünen sprach von der Entwicklung der Bank als einer Geschichte „von Arroganz und Gier“. Die HSH sei nicht Opfer, sondern Teil der Finanzkrise gewesen.
Jetzt muss auch die Hamburger Bürgerschaft dem Verkauf noch zustimmen. Mit einem Beschluss wird im Juni gerechnet. Zudem steht die Zustimmung des Sparkassen- und Giroverbandes noch aus, die Einlagensicherung noch für eine längere Zeit zu übernehmen. Auch Bankenaufsicht und EU- Kommission müssen den Verkauf dann noch absegnen.

200 bis 600 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Hoffnung signalisierte Ministerpräsident Daniel Günther für den HSH-Standort Kiel. Es scheine möglich, dort 200 bis 600 der 800 Arbeitsplätze zu erhalten. Christopher Vogt hingegen mahnte, auch an die Arbeitsplätze in Hamburg zu denken. Denn viele Mitarbeiter dort würden im Süden Schleswig-Holsteins wohnen.

Wolfram Hammer

Bilanz mit Verlust

3 Millionen Euro Verlust weist die HSH laut ihrer jetzt vorgelegten Bilanz für 2017 aus. Grund seien Belastungen durch die Privatisierung, sonst hätte man 238 Millionen Euro Gewinn gemacht. So habe sich die Bank noch von Altlasten aus der Abbaubank getrennt. Die neuen Eigner sollen sie quasi besenrein übernehmen können.