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Norddeutschland Tief „Bennet“ schüttelt den Norden durch
Nachrichten Norddeutschland Tief „Bennet“ schüttelt den Norden durch
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22:03 04.03.2019
In der Lübecker Wahmstraße rückte die Feuerwehr mit der Drehleiter an, um Metallplatten und Dachpfannen zu sichern. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Zum Wochenstart wird es ungemütlich in Schleswig-Holstein. Der DWD: Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erwarten viele Wolken, Regenschauer und vor allem stürmisches Wetter. Eine Warnung vor Sturmböen wurde am Sonntag ausgesprochen. Sie gilt von Montag, 8 Uhr, bis Dienstag, 3 Uhr.  

Sturmböen bis 100 km/h in Schauernähe

Die Front von Tief "Bennet" über der Nordsee sorgt mit einer teils böigen Südwestströmung für feucht-milde Luft über Norddeutschland. Ab Montag treten deshalb in Schleswig-Holstein Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 70 km/h (20m/s, 38kn, Bft 8) und 85 km/h (24m/s, 47kn, Bft 9) anfangs aus südwestlicher, später aus westlicher Richtung auf. In Schauernähe muss mit schweren Sturmböen bis 100 km/h (28m/s, 55kn, Bft 10) gerechnet werden.

Umgestürzter Baum blockiert Bahnverkehr

Am Vormittag legt „Bennet“ den Bahnverkehr auf der Vogelfluglinie lahm. Grund war ein Baum, der zwischen Haffkrug und Scharbeutz im Kreis Ostholstein auf die Gleise gestürzt war, sagte eine Bahnsprecherin. Dadurch ist auch die Bahnstrecke nach Puttgarden blockiert. Fernreisende müssen auf Busse umsteigen. Auch zwischen Timmendorfer Strand und Haffkrug ist zwischenzeitlich ein Busersatzverkehr eingerichtet worden. Diese Strecke kann jedoch bereits am frühen Nachmittag wieder freigegeben werden.

Lübeck: Bäume, Dachpfannen und Bauzäune

Im Lübecker Stadtgebiet verzeichnet die Polizei für den Zeitraum zwischen 6.30 und etwa 15 Uhr rund zehn Einsätze. Besonders heftig ist es zwischen 10 und 11.30 Uhr. Da fegt der Wind aus West mit Stärke 9 bis 10, in Böen auch 11, über die Hansestadt. Den personalaufwendigsten Einsatz fährt die Berufsfeuerwehr gegen 10.45 Uhr: Vom Dach des „Café Mocca“ in der Wahmstraße fallen Dachziegel und Metallteile der Einfassung. „Wir haben die Straße halbseitig gesperrt“, Henning Witten vom Einsatzleitdienst. Elf Mann sind hier im Einsatz, Kollegen gehen mit der Drehleiter und gesichert aufs Dach, um eventuell lose Teile zu sichern.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder zu sehen, welche Schäden Sturm „Bennet“ am Montag im Norden verursacht hat.

Am Abend wurde die Einsiedelstraße für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Der Grund: Hier lösten sich Blechplatten von einem Silo und schlugen auf der Fahrbahn auf.

In der Ratzeburger Allee, stadteinwärts auf Höhe der Einmündung Neptunstraße, blockiert ein umgestürzter Baum die Fahrbahn, ebenso in der Schwartauer Landstraße. „Außerdem“, sagt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach, „drohte ein Bauzaun in der Artlenburger Straße umzukippen“. Hinzu kommt eine Baustellen-Einzäunung in der Ratzeburger Allee. „Zu den meisten Einsätzen fahren wir mit einem Fahrzeug und vier Leuten, bei Bedarf ordern wir nach“, so Henning Witten von der Feuerwehr.

Am Nachmittag gegen 14.36 Uhr wird es noch einmal eng im Buntekuhweg: Ein Baum auf dem Gelände Koggenweg 3 droht auf den stark befahrenen Buntekuhweg zu stürzen, die Straße wird kurzzeitig gesperrt, die Feuerwehr nimmt den Baum Stück für Stück mit der Kettensäge ab.

Insgesamt arbeite die Berufsfeuerwehr am Sturmtag mit normaler Schichtstärke von 48 Personen für das gesamte Stadtgebiet, „nur in der Leitstelle haben wir ein wenig aufgestockt.“

Stormarn: Mehrere Bäume in Hammoor umgeweht 

Eine kräftige Windböe hat am Montagvormittag mehrere Bäume in Hammoor gefällt. Die umstürzenden Bäume hatten in der Straße Grünengrase eine Telefonleitung und einen elektrischen Weidezaun gekappt. Weitere umgestürzte Bäume blockierten außerdem den Verbindungsweg nach Tremsbüttel. Menschen wurden nicht verletzt. Glücklicherweise waren zum Unfallzeitpunkt keine Autos oder Spaziergänger unterwegs.

Eine kräftige Windböe hat am Montagvormittag mehrere Bäume in Hammoor gefällt. Die umstürzenden Bäume hatten in der Straße Grünengrase eine Telefonleitung und einen elektrischen Weidezaun gekappt. Weitere umgestürzte Bäume blockierten außerdem den Verbindungsweg nach Tremsbüttel. Quelle: radio tele nord

Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Hammoor beseitigten die umgestürzten Bäume mit Motorsägen und räumten danach die Straßen wieder frei. Bis um die Mittagszeit hatten die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS Süd) für die Kreise Stormarn, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg insgesamt 25 wetterbedingte Einsätze.

In Glinde haben Ausläufer des Sturmtiefs am Abend zwei große Tannen zu Fall gebracht. Die 20 Meter hohen Bäume stürzten direkt auf die Straße.

Ostholstein: Viele Einsätze im Südkreis

Umgestürzte oder beinahe umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und wacklige Baustellen-Absicherungen sorgen im Südkreis von Ostholstein für diverse Feuerwehreinsätze. An einem Schuppen in der Mühlenstraße in Bad Schwartau drohen Dachplatten aus Blech abzureißen. In Timmendorfer Strand und Niendorf fielen Bäume auf Autos und in Vorgärten. Im Vorwerk Ahrensbök und auf der Segeberger Chaussee in Ahrensbök stürzen ebenso Bäume auf die Straße wie in Lensahnerhof und Scharbeutz. Den Vormittag über kommen die Einsätze für die Feuerwehren beinahe im Minutentakt, am Nachmittag entspannt sich die Lage merklich.

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Sturmschäden: Zwei Tannen stürzen in Glinde auf die Straße

Die Polizei musste in Ostholstein 24 Mal wegen Sturmschäden ausrücken. Vielfach wehte Gehölz- und Knickschnitt auf Fahrbahnen, stürzten Bäume um oder brachen Äste ab. Auf der Landesstraße 309 kurz vor Pansdorf knickte eine Tanne um und fiel auf die Fahrbahn. Ein Mitarbeiter einer Landschaftsgärtnerei konnte sich dort mittels einer eigenen Kettensäge selbst helfen, benötigte die Polizei jedoch zum Sperren der Fahrbahn.

Straße bei Siblin bleibt gesperrt

Die Landesstraße 184 zwischen Siblin und Ahrensbök bleibt bis auf Weiteres gesperrt, weil dort Teile eines Scheunendaches auf die Fahrbahn fielen. Die Sperrung soll je nach Wetterlage am Dienstag wieder aufgehoben werden. Aufgrund des starken Windes wehten in Ostholstein auch Mülltonnen auf die Straßen und es kippten Verkehrszeichen um.

In der Hauptstraße in Neumünster ist eine große Birke auf ein Haus gefallen. Die Feuerwehr ist auch hier im Einsatz.

Den Jecken in Schleswig-Holsteins Karnevalshochburg Marne im Kreis Dithmarschen haben die Sturmböen derweil nichts ausgemacht:

Klicken Sie hier, um zahlreiche Fotos vom Faschingsumzug in Marne 2019 zu sehen.

LN/rtn/dpa

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