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Norddeutschland Todesfall am UKSH in Lübeck: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage
Nachrichten Norddeutschland Todesfall am UKSH in Lübeck: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage
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17:00 29.05.2019
Ein Todesfall im UKSH stand im Fokus der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Im Visier der Ermittlungen stehen zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (21 und 24 Jahre alt), mit dem das UKSH zusammenarbeitet, außerdem drei Krankenpflegekräfte (45, 41 und 29), zwei Ärztinnen (33 und 30) sowie fünf an dem Einsatz beteiligte Polizeibeamte (57, 55, 54, 54 und 36).

Patient war aggressiv

Wolfgang H. war im August 2017 eingeliefert worden, nachdem er in Lübeck-Blankensee in einem verwirrt erscheinenden Zustand Fahrzeuge und Mülltonnen beschädigt hatte. Die Polizei brachte den 33-Jährigen, der mutmaßlich unter Drogeneinfluss stand, darauf in das Uniklinikum. Da der Mann hochgradig aggressiv war und sich wehrte, sollte er für die Behandlung auf dem Krankenbett fixiert werden.

Weitere Nachrichten rund ums UKSH in Lübeck lesen Sie hier.

Vorwurf gegen Sicherheitsmitarbeiter

„Es besteht der hinreichende Verdacht, dass der zum Tatzeitpunkt noch 19 Jahre alt gewesene jüngere Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes in diesem Zusammenhang ein Kopfkissen nahm und damit den Kopf des Patienten so zur Seite drückte, dass dessen Atemwege ganz oder teilweise verschlossen und so die Atmung erheblich behindert wurde“, teilte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst jetzt mit. Eineinhalb Jahre war ermittelt worden. Rechtsmedizinische Gutachten wurden eingeholt. „Es handelt sich um ein sehr umfangreiches Verfahren.“ Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ soll es erst der dritte Arbeitstag des damals 19-jährigen Sicherheitsmannes gewesen sein und sein erster Einsatz dieser Art.

Hirnschaden nach Sauerstoffmangel

Irgendwann rührte sich Wolfgang H. nicht mehr. Atemstillstand. Er wurde reanimiert, lag aber im künstlichen Koma. Drei Wochen später starb er nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgrund eines sauerstoffmangelbedingten Hirnschadens. Dieser sei nach Bewertung der Staatsanwaltschaft „zumindest auch auf den Einsatz des Kissens durch den Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes zurückzuführen“. Schon beim Transport und der Fixierung war im Herzkreislaufsystem des Mannes ein Sauerstoffmangel aufgetreten. Den übrigen elf Angeschuldigten wird vorgeworfen, das Vorgehen des Sicherheitsmitarbeiters wahrgenommen zu haben und nicht eingeschritten zu sein, erklärte Hingst.

UKSH verweist auf ärztliche Schweigepflicht

Das UKSH will sich nicht äußern – mit Verweis auf das laufende Verfahren und die ärztliche Schweigepflicht. „Wir gehen aber davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird“, erklärte Sprecher Oliver Grieve. Gegenüber dem „Spiegel“ hatten sich andere Mediziner allerdings irritiert über den Einsatz eines Kissens geäußert. Er habe so etwas noch nie gehört, bekannte etwa Andreas Heinz, Direktor an der Berliner Charité. Zudem sei es ihm unbegreiflich, pflegerisch ungeschultes Wachpersonal auf einen Patienten loszulassen.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet das Landgericht Lübeck in den kommenden Wochen.

Hier diskutieren LN-Leser den Vorfall auf Facebook: 

Es besteht der Verdacht der Körperverletzung mit Todesfolge.

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 29. Mai 2019

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Hamburg: Zwei Todesfälle nach Zwangsfixierungen

In Hamburg hatte es erst vor wenigen Wochen zwei Todesfälle nach Zwangsfixierungen gegeben. Ende April war dort ein 34-Jähriger in der psychiatrischen Abteilung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an Herzversagen gestorben, nachdem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ihn gewaltsam fixiert hatten. Das Landeskriminalamt Hamburg ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge. Zehn Tage später hatte ein mutmaßlich psychisch kranker 27-Jähriger, der nach einem Angriff auf eine Polizistin fixiert wurde, in der Folge einen Herz- und Atemstillstand erlitten. Nach einem Bericht der „Welt“ wurde bereits in vier Fällen gegen das Sicherheitspersonal des Uniklinikums in Hamburg ermittelt. Zwei Verfahren wurden aber eingestellt.

LN/jup

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