Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Todesschuss - Frau belastet ihren Ex
Nachrichten Norddeutschland Todesschuss - Frau belastet ihren Ex
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:59 21.11.2019
Ex-Lebensgefährtin belastet Hauptangeklagten vor dem Kieler Landgericht. (Symbolbild) Quelle: Frank May/dpa
Kiel

Sieben Jahre nach einem tödlichen Kopfschuss hat die ehemalige Lebensgefährtin des Hauptangeklagten vor dem Kieler Landgericht ihr Schweigen gebrochen und ihn belastet: «In der Nacht kam er nach Hause und hat mir erzählt, dass er ihn erschossen hat», sagte die 38-Jährige am Donnerstag. 

Ihr Ex-Verlobter sei stark alkoholisiert gewesen, «so wie immer». Er habe ihr erzählt, dass er mit einem Kumpel zur Wohnung des Opfers in Neumünster gegangen sei. «Er sagte, er stand im Hausflur und habe geschossen, ins Gesicht», berichtete die Zeugin. Die Angaben der Frau decken sich mit der Anklage. Beide Männer müssen sich wegen des Mordes im Juni 2012 verantworten.

38-Jährige schwieg jahrelang

Die Tatwaffe habe ihr Ex-Partner zunächst nicht bei sich gehabt, berichtete die Frau. Seine Kleidung sei in die Waschmaschine gekommen, er sei erst mal weggefahren. Später habe er nach der Waffe gesucht und sie gefunden. Er habe gesagt, er habe sie «weggeschafft, wo, sagte er nicht». Die Waffe wurde bis heute nicht gefunden.

Die 38-Jährige wurde im Februar 2018 zur Kronzeugin der Anklage. Zuvor schwieg sie jahrelang - vor allem wegen der Kinder, wie sie sagte. Im März 2017 während einer Mutter-Kind-Kur auf Norderney offenbarte sie sich dann erstmals einer Seelsorgerin der Caritas. Ein Jahr später, nach dem Gespräch mit einer zweiten Caritas-Mitarbeiterin, ging sie zur Polizei.

«Belastend, das Geheimnis für sich zu behalten»

«Es hat sie belastet, das Geheimnis der Tat für sich zu behalten», beschrieben die beiden Frauen vor Gericht die Gemütslage der Kronzeugin. Ihre Aussage war wegen einer Risikoschwangerschaft verschoben worden. Die Ermittler hatten zuvor jahrelang nach dem Täter gesucht. Sie hatten dabei auch die Frau befragt, die ihren Ex-Verlobten aber damals noch deckte.

Das Opfer und die beiden Angeklagten stammen aus Polen. Die Angeklagten sind deutsche Staatsbürger. Sie schweigen vor Gericht. Das Urteil könnte Mitte Januar fallen, das Gericht hat nachterminiert.

Lesen Sie auch:

Attentat in Lübeck: Mutiger Busfahrer Peter Spoth geehrt

Tödlicher Angriff auf Weizsäcker: Ermittler geben Motiv bekannt

Von RND/dpa