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Norddeutschland TomTom kürt Hamburg zur Stauhauptstadt
Nachrichten Norddeutschland TomTom kürt Hamburg zur Stauhauptstadt
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16:36 04.06.2019
Hamburg ist ein Nadelöhr – nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch im innerstädtischen Verkehr. Quelle: Axel Heimken/dpa
Hamburg

Nirgendwo sonst in Deutschland müssen Autofahrer laut einer Analyse des Navigationsgeräteherstellers TomTom wegen Verkehrsbehinderungen mehr Zeit einplanen als in Hamburg. Laut einem von dem Unternehmen für weltweit 403 Städte ermittelten „Stau-Level“ benötigen sie in der Hansestadt für eine Fahrt durchschnittlich 33 Prozent mehr Zeit als bei störungsfreiem Verlauf. Damit liege Hamburg als deutsche Stauhauptstadt vor Berlin (31 Prozent), Nürnberg, Bremen, Stuttgart und München (alle 30).

Bis zu 59 Prozent längere Fahrzeit

Während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Nachmittag liegen die Werte in Hamburg demnach sogar bei 54 beziehungsweise 59 Prozent. Für eine normalerweise halbstündige Fahrt bedeutete dies einen Mehraufwand von 16 beziehungsweise 18 Minuten. Bereits im Januar hatte der ADAC Hamburg in seiner Staubilanz 2018 als Bundesland mit den meisten Staus pro Kilometer Autobahn ermittelt - knapp vor Berlin.

„Hamburg versinkt im Stau und ist nun sogar Stauhauptstadt Deutschlands. Dieser niederschmetternde Befund muss im Senat endlich zu einem Umdenken führen“, sagte der Verkehrsexperte der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Thering, am Dienstag. Das Stauproblem könne nur gelöst werden, indem mehr Pendler durch bessere Angebote schon weit vor der Innenstadt zum Umstieg auf Busse und Bahnen motiviert werden. „Die mobilitätsfeindlichen P+R-Gebühren müssen unverzüglich abgeschafft und eine Koordinierungsstelle für sämtliche Straßenbaumaßnahmen in und um Hamburg eingerichtet werden.“

FDP will höhere Priorität für Autos

Auch die FDP nahm die neuen Zahlen zum Anlass für Kritik. „Der Senat muss seine ideologisch basierten Prioritäten ändern und wegkommen vom Traum einer ,Fahrradstadt Hamburg’“, sagte der Verkehrsexperte der Fraktion, Ewald Aukes. Es sei unrealistisch, den motorisierten Individualverkehr aus ideologischen Gründen zurückzudrängen und den ÖPNV als Mittel der Wahl zu preisen. „Hamburgs ÖPNV hätte gar nicht die Kapazitäten, alle Autofahrer aufzunehmen.“

Unter dem Motto „Auch Hamburgs Retter stehen im Stau: Baustellen endlich wirksam koordinieren“ ist die Verkehrspolitik auf FDP-Antrag am Mittwoch auch Thema in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft. Der Sprecher der Feuerwehr Hamburg hatte am Montag geklagt, dass das selbstgesteckte Ziel, innerhalb von acht Minuten einen Brandort zu erreichen, auch wegen Staus und Baustellen nur noch in 62 Prozent der Fälle erreicht werden könne.

Auszeichnung der Omnibusunternehmer

Ungeachtet der Verkehrsprobleme wurde Hamburg am Dienstag in Berlin als eine von vier Siegerstädten im Wettbewerb „Mobilitätsknoten des Jahres“ des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer ausgezeichnet. Alle ausgezeichneten Orte verknüpften hervorragend verschiedene Mobilitätsangebote miteinander und machten es somit möglich, die private Pkw-Nutzung durch umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen, hieß es in der Begründung der Fachjury. Die anderen Preise gingen an Oldenburg, Jena und Saalfeld/Saale.

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dpa/LN