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Norddeutschland Totgeglaubte Stralsunderin in Schleswig-Holstein aufgetaucht
Nachrichten Norddeutschland Totgeglaubte Stralsunderin in Schleswig-Holstein aufgetaucht
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22:26 03.12.2014
Diana Ferch wird seit mehr als drei Jahren vermisst. Die Ermittler vermuten, dass sie sich an der Nordseeküste aufhält. Quelle: Polizei/privat
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Husum/Stralsund

Hoffnung im Fall der seit mehr als drei Jahren vermissten Diana Ferch: Die damals 26-jährige Stralsunderin ist womöglich doch nicht das Opfer eines Verbrechens geworden. „Ich persönlich gehe davon aus, dass sie noch am Leben ist“, erklärte der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Roland Malik gegenüber den LN.

Grund dafür geben Zeugen, die sich nach einem Bericht über den Fall in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ im März gemeldet hätten. So berichtet ein Ehepaar, die kleine (1,52 Meter), zierliche Frau im Januar 2013 in Niebüll in Schleswig-Holstein gesehen zu haben. Über eine weitere Begegnung berichtete eine Frau in Friedrichstadt bei Husum. Demnach könnte die Zeugin Diana Ferch im Mai 2013 an einem Flussufer getroffen haben. Sie habe dabei das Kinderlied „Alle Vögel sind schon da“ gesungen – nach Angaben der Mutter das Lieblingslied der Vermissten, erzählt der Ermittler. Auch weitere Details in den Aussagen der Zeugen würden nahelegen, dass es sich wirklich um die Vermisste handelte. Unter anderem soll die Frau über ihren Sohn gesprochen haben. Der Junge war sechs Jahre alt, als Diana Ferch im Juni 2011 allein zu der Wanderung aufbrach, von der sie nicht zurückkehrte.

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„Der entscheidende Hinweis, dass sich Diana Ferch noch immer im Norden aufhält, fehlt leider noch“, sagt Malik. Doch er hoffe, dass sich nun weitere Zeugen melden. „Diana Ferch muss in dieser Zeit irgendwo gewohnt haben, muss irgendwoher Geld bekommen haben“, vermutet der Ermittler. Die Zeugen hätten ausdrücklich gesagt, dass sie zwar abgemagert, aber nicht verwahrlost ausgesehen habe. Doch auch diese Beschreibung ist nun wieder anderthalb Jahre alt.

Alles Weitere seien Spekulationen. Der Ermittler glaubt aber auch nicht, dass Diana Ferch in der Zwischenzeit gestorben ist. „Wenn es irgendwo eine passende Leiche gegeben hätte, hätten wir davon erfahren“, sagt Malik.

Anfang des Jahres war die Polizei nach einer operativen Fallanalyse noch davon ausgegangen, dass Diana Ferch einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch auch Angehörige und Bekannte würden laut Malik jetzt immer stärker an die Aussteiger-Theorie glauben.

Die auf Rügen lebende Mutter, Regina Ferch, fühlt sich in ihrer Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Tochter bestärkt. „Ich bin froh, dass sie noch da ist“, sagt Regina Ferch. „Allerdings ist sie am Boden zerstört. Sie ist in einem psychischen Zustand, in dem sie sich selbst für ein absolutes Nichts hält. Und wer so fühlt, der will in sein altes Leben nicht wieder zurück.“ Deshalb versucht Regina Ferch ihrer Tochter einen Neuanfang zu ebnen, indem sie deren Roman „Jaden Page und das Geheimnis der Traumreisen“ veröffentlichte und zu einem Bestseller machen will. „Wenn sie mitbekommt, dass ihr Buch beliebt ist, wird sie ihren Traum – Autorin zu sein – erfüllt sehen. Dann kann sie für sich sagen: „Jetzt bin ich doch wer.“

Im März werde Diana 30, sagt Regina Ferch. Und sie wünscht sich, dass ihre Tochter erneut gut über den Winter kommen möge. „Leute, die auf der Straße leben, helfen sich gegenseitig“, meint die Rüganerin. „Vielleicht kommt Diana über längere Zeit auch bei jemandem unter.“ Auf jeden Fall wünscht sich die besorgte Frau, dass Leute, die ihrer Tochter begegnen, sich von deren Art nicht abschrecken lassen und Kontakt aufnehmen.

Hinweise nimmt die Stralsunder Polizei entgegen: 038 31/283 02 43 und 038 31/289 00.

Chronik im Fall Diana Ferch

26. Juni 2011: Die 26-jährige Diana Ferch bricht ihre Lehre als Sozialassistentin ab und will sich während einer Wanderung eine Auszeit nehmen. Sie lässt ihren Lebensgefährten und den gemeinsamen Sohn Damien (6) in Stralsund zurück.
11. Juli 2011: Zu einem bei Wesenberg vereinbarten Treffen mit Freunden und Familie erscheint sie nicht.
6. Januar 2013: Einem Ehepaar fällt in Niebüll eine verstört wirkende Frau auf. Die Angaben passen auf Diana.
Mai 2013: In Friedrichstadt bei Husum trifft eine Zeugin eine junge Frau, bei der es sich um Diana handeln könnte.
21. Mai 2014: In der Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ berichten Ermittler und Eltern über den Fall.

Von Elisabeth Wold
und Jens-Uwe Berndt