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Norddeutschland Trasse zum Belttunnel: Wird beim Lärmschutz gespart?
Nachrichten Norddeutschland Trasse zum Belttunnel: Wird beim Lärmschutz gespart?
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06:00 28.06.2019
Über die Hinterlandanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung wird schon lange gestritten. Nun gibt es neuen Ärger. Quelle: Irene Burow
Berlin/Lübeck

Der jüngste Bericht aus dem Bundesverkehrsministerium zur Schienen-Hinterlandanbindung des geplanten Fehrmarnbelt-Tunnels (liegt den LN vor) könnte Öl ins Feuer der Debatte um die neue Bahntrasse in Ostholstein gießen. Und dies nicht nur, weil die Kosten für das Großprojekt nach der aktuellen „Gesamtwertprognose“ der Deutschen Bahn (DB) mit nunmehr 2,8 Milliarden Euro beträchtlich nach oben korrigiert wurden – anfangs war man von 840 Millionen Euro ausgegangen –, sondern auch, weil die DB in zahlreichen Fällen offenbar Abstriche beim übergesetzlichen Lärmschutz plant.

87 Millionen Euro für aktive Schutzmaßnahmen

Die DB Netz AG verweist darauf, dass in 91 Prozent der Fälle, wo Wohngebiete, touristische Einrichtungen, Campingplätze, Strandgebiete, Sportboothäfen und anderes vor Bahnlärm geschützt werden sollen, sogenannte „aktive Schutzmaßnahmen“, also Schallschutzwände, realisiert würden. Für deren Bau würden 87 Millionen Euro investiert. Für die weiteren 288 Schutzfälle müssten passive Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden. Für den in der Region geforderten „Vollschutz“ würden allerdings Investitionen von 183 Millionen Euro benötigt, meinen Kritiker.

Einige Tunnel- und Troglösungen seien „nicht begründbar“

Allerdings weist die DB Netz AG darauf hin, dass sie etwa für die Lärmvorsorge auf der Strecke Hauptgüterbahnhof LübeckBad Schwartau „keine wesentliche Änderung als Auslösemerkmal für Lärmvorsorge“ erkennen könne. Allein die für Lübeck geforderten Lärmschutzmaßnahmen würden Mehrkosten von 34,8 Millionen Euro verursachen. Und weiter heißt es im Bericht: „Die geforderten Tunnel- und Troglösungen in den Gemeinden Bad Schwartau und Sierksdorf sind zuwendungsrechtlich nicht begründbar.“ Die von Bad Schwartau geforderte Troglösung für die Trasse stelle „weder hinsichtlich der verbleibenden Schutzfälle, noch hinsichtlich der Kosten eine vorzugswürdige Variante dar“. Die DB spricht von Mehrkosten von 50 Millionen Euro.

Bundestagsabgeordnete Hagedorn spricht von Affront

Der Zwischenbericht des Berliner Ministeriums löste heftige Kritik aus. Die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn(SPD) sagte den LN, dass das Verkehrsministerium keinen zusätzlichen Lärmschutz empfehle, sei „ein ultimativer Affront gegenüber dem einstimmigen Bundestagsbeschluss vom Januar 2016“, der übergesetzlichen Lärmschutz festgelegt hatte. Auch sei dies ein „Schlag ins Gesicht der fast siebenjährigen Arbeit des Dialogforums in Ostholstein“, meinte die Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium.

Von Notz kritisiert „Lärmschutz light“

Der Möllner Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz warnte: „Nach heutigem Stand und den Planungen von Bahn und Bundesverkehrsministerium werden die Forderungen der Region nicht erfüllt, sondern nur ein ,Lärmschutz-Light‘ realisiert.“ Von Notz verwies ebenso darauf, dass die nun prognostizierten Kosten für die Schienentrasse schon heute über der „magischen Grenze von drei Milliarden Euro“ lägen, wenn man die Investition für eine neue Sundbrücke von etwa 800 Millionen Euro einbeziehe. Das entspreche einer Kostensteigerung gegenüber den ursprünglichen Planungen von rund 400 Prozent. Tunnelgegner fordern ebenso wie der Bundersrechnungshof seit langem eine realistische Kostenabschätzung für die Hinterlandanbindung.

Tunnel soll 2028 fertig sein

Die rund 88 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden soll zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und mit digitaler Sicherheitstechnik (ETCS) ausgestattet werden. Nach der geplanten Fertigstellung der neuen Trasse, angepeilt wird das Jahr 2026, sollen Züge mit bis zu 200 Stundenkilometer verkehren können. Wenn der von Dänemark errichtete Fehmarnbelt-Tunnel fertig gestellt sein wird – bislang wird von Kopenhagen das Jahr 2028 angegeben – könnte sich die Reisezeit von Hamburg in die dänische Hauptstadt auf 150 Minuten verringern. Für die Fahrt von Berlin nach Kopenhagen werden dann weniger als vier Stunden veranschlagt. Mit dem Schienengroßprojekt sollen zudem die Tourismusgebiete in Ostholstein besser erreichbar sein. Ebenso sollen Pendler von den verringerten Fahrzeiten profitieren.

Kieler Verkehrsminister optimistisch

Der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) kündigte unterdessen an, er werde sich dafür einsetzen, „dass so viele übergesetzliche Maßnahmen wie möglich vom Bundestag beschlossen werden“. Er zeigte sich „optimistisch“, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis auch bei Realisierung einer Großzahl von Schutzmaßnahmen „immer noch leicht positiv“ sei. Zur vorgeschlagenen Troglösung in Bad Schwarteu meinte Buchholz, dass damit 267 Millionen Euro an Mehrkosten verbunden wären. Er hoffe, dass der Mediationsvorschlag - mit Mehrkosten von 50 Millionen Euro - von Landrat Reinhard Sager sowie dem Sprecher des Dialogforums Christoph Jessen eine Chance habe.

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Reinhard Zweigler

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