Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Notärzte fordern bessere Steuerung von Notfallpatienten
Nachrichten Norddeutschland Notärzte fordern bessere Steuerung von Notfallpatienten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 28.03.2019
Immer mehr Einsätze: Die notfallmedizinische Versorgung steht vor großen Herausforderungen. Quelle: Nicolas Armer/dpa
Anzeige
Lübeck

Notärzte warnen: Volle Notaufnahmen in Krankenhäusern und steigende Einsatzzahlen des Rettungsdienstes erschweren zunehmend die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung. Sie fordern eine bessere Patientensteuerung. Das erklärte Dr. Sebastian Wirtz, Leiter der Arbeitsgemeinschaft in Norddeutschland tätiger Notärzte (AGNN) am Donnerstag zum Auftakt des 12. Notfallsymposiums in Lübeck-Travemünde. Noch bis Sonnabend tagen dort mehr als 800 Notärzte sowie Rettungsfachpersonal aus Norddeutschland. „Der Zuspruch ist sehr groß. Wir merken, dass die Themen brennender werden.“ Der Kongress sei ein wichtiges Forum zum Austausch und zur Verbesserung der Notfallmedizin.

Patienten den Versorgungsebenen zuweisen

Ziel müsse ein System sein, bei dem ein kompetenter Ansprechpartner die Patienten in einer telefonischen Ersteinschätzung der richtigen Versorgungsebene zuweise, sagte Wirtz, zugleich Chefarzt und Leitender Notarzt in Hamburg. „Patienten erwarten von uns im Notfall sofortige Hilfe und Versorgung durch Fachleute und sie suchen sich ihren Weg. Da kann man mit Verboten nicht viel ausrichten“, sagte Wirtz mit Blick auf die oft überfüllten Notfallambulanzen in den Krankenhäusern. „Stattdessen müssen wir ein angemessenes Angebot für die Bedürfnisse der Patienten schaffen“, sagte er. Dazu müsse jedoch die starre Kostentrennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung gelockert werden.

Anzeige

Fachkräftemangel belastet die Notärzte

Auch der Fachkräftemangel setzt den Notärzten zu. Viele Intensivstationen hätten die Bettenzahl reduzieren müssen. „Es kommt immer wieder vor, dass wir mit Patienten an Bord von ein bis zwei Kliniken abgewiesen werden“, berichtet Wirtz. „Das verlängert den Transport und belastet den Rettungsdienst.“

VR-Brillen zum Training eingesetzt

Zum Training von Rettungskräften für sogenannte Großschadenslagen sollen erstmals Virtual-Reality-Brillen zum Einsatz kommen. Sie ermöglichen es, dass die Teilnehmer ihre Einsatzorganisation in der künstlichen Welt überprüfen können. In den Seminaren geht es auch um kritische Situationen in der Kinder-Notfallmedizin, um Gewalt gegen Rettungskräfte und belastende Einsätze.

In der AGNN sind den Angaben zufolge mehr als 2000 Notärzte aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen organisiert.

Julia Paulat