Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Treckerdemo in Schleswig-Holstein: Sternfahrt nach Rendsburg
Nachrichten Norddeutschland Treckerdemo in Schleswig-Holstein: Sternfahrt nach Rendsburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:35 22.10.2019
Landwirte demonstrieren in Rendsburg mit ihren Traktoren. Bundesweit protestieren Landwirte gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Rendsburg

Schleswig-Holsteins Landwirte haben am Dienstag mit einer großen Sternfahrt nach Rendsburg gegen die Agrarpläne der Bundesregierung protestiert. Nach Angaben der Polizei fuhren rund 1700 Fahrzeuge von insgesamt 14 Startpunkten los. Der längste Konvoi erreichte eine Länge von rund zehn Kilometern. Die meisten Traktoren fuhren zum Versammlungsort in der Rendsburger Innenstadt. Ausweichflächen im ganzen Stadtgebiet waren den Angaben zufolge überlastet. Drei weitere Konvois mit rund 400 Fahrzeugen starteten von Schleswig-Holstein aus nach Hamburg.

Landwirte aus Schleswig-Holstein treffen sich in Rendsburg, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren.

Erhebliche Verkehrsbehinderungen wegen Traktor-Demo

Durch die Demo kam es teilweise zu erheblichen Verkehrsbehinderungen insbesondere im Großraum Rendsburg aber auch auf den Routen der Sternfahrten – wie etwa auf der B 205 zwischen Bad Segeberg und Neumünster. In Hamburg waren die schweren Trecker zwischenzeitlich auch auf der Mönckebergstraße unterwegs. Unterhalb der Einkaufsstraße verläuft das Tunnelnetz der U-Bahn-Linie 3. Da das Gewicht von hunderten Traktoren nicht hinreichend eingeschätzt werden konnte, stellten die Fahrzeuge ein Sicherheitsrisiko dar, so die Hamburger Hochbahn. Ingenieure der Hochbahn befürchteten zwar keinen Einsturz, doch wollte die Hochbahn das Risiko von Rissen nicht eingehen. Aus diesem Grund wurde die gesamte Straße freigeräumt, wie die Polizei erklärte. Der Fahrbetrieb zwischen Berliner Tor und Rathaus wurde deshalb für mehr als eine Stunde ausgesetzt – Schäden gab es aber keine.

Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung

Aufgerufen zu der bundesweiten Treckerdemo hat die Bewegung „Land schafft Verbindung - Wir rufen zu Tisch“. Hintergrund der Treckerdemo ist unter anderem das sogenannte Agrarpaket. Es gefährde landwirtschaftliche Betriebe, heißt es bei den Organisatoren der Aktion. So könne die Verschärfung der Düngeverordnung zu Unterdüngung führen. In bestimmten Regionen „schadet das dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt.“

Bauern als „Buhmann der Politik“

Gleichzeitig sehen sich die Bauern als Buhmann der Politik. „Die permanente negative Stimmungsmache, das ,Bauernbashing’, führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung.“ Letztendlich sehen viele Landwirte das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Latein- und Südamerika als Bedrohung. Der Protest in Schleswig-Holstein ist ein Ableger einer Großdemonstration der Landwirte in Bonn. Zu dieser Kundgebung waren unter anderem die Bundesministerinnen Julia Klöckner (CDU) und Svenja Schulz (SPD) geladen.

Landwirtschaftsminister: „Bauern-Bashing ist ein No-Go!“

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat angesichts der Proteste von Landwirten zu einer sachlichen Debatte und mehr Unterstützung für Landwirte im Land aufgerufen: „Wer täglich auf dem Feld oder im Stall einen solch wichtigen Dienst für die Gesellschaft leistet, darf nicht öffentlich diffamiert und an den Pranger gestellt werden. Was hier insbesondere in sozialen Medien passiert, ist unerträglich. Pauschales ,Bauern-Bashing´ ist ein No-Go! Was wir brauchen, ist ein sachlicher und offener Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen im Agrar-, Umwelt- und Klimabereich.“

Albrecht verwies vor diesem Hintergrund auf den laufenden Dialogprozess „Zukunft der Landwirtschaft“ in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit den Landwirten werden dabei Lösungen erarbeitet – beispielsweise zu den Themen Klimawandel und Wertschöpfungskette. „Im Land ist schon viel in Bewegung, der Bund darf sich daran gern einmal ein Beispiel nehmen“, sagte Albrecht.

CDU: Bauern dürfen nicht „Prügelknabe der Nation“ sein

Schleswig-Holsteins CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch hat angesichts der Bauernproteste für mehr Sachlichkeit in der Agrardebatte geworben. „Wer glaubt, Entscheidungen ohne die Betroffenen fällen zu können, gefährdet nicht nur die Existenz der bäuerlichen Betriebe, sondern auch den sozialen Frieden im Land“, sagt Koch.

Ziel sei es, die gewachsenen Strukturen im Agrarbereich zu erhalten und die Existenz der Familienbetriebe zu sichern. Die Bauern seien angesichts des von der Bundesregierung geplanten Tierwohllabels für Fleisch, dem Umweltschutz und dem Glyphosatverbot erheblichen Belastungen ausgesetzt. Die Landwirtschaft dürfe nicht der „Prügelknabe der Nation“ sein. Auch andere Unionspolitiker beklagen die „gesellschaftliche Ächtung“ von Landwirten.

Junge Union fordert Respekt für Landwirte

Auch von der Jungen Union Schleswig-Holstein kommen verständnisvolle Worte für die Landwirte. „Effektiv erzeugen unsere Landwirte mit moderner Technik hochwertige Lebensmittel, welche weltweit gefragt sind“, sagt Vorsitzende Birte Glißmann. „Seit Jahrhunderten prägen sie nachhaltig unsere Kulturlandschaft, sie arbeiten 365 Tage im Jahr und das oft täglich mehr als 8 Stunden. Es ist unerträglich, wie Teile der Gesellschaft diesen ganzen Berufsstand verächtlich machen.“

Um den Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht werden zu können, müssen laut Glißmann Landwirte und Konsumenten miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. „Wir brauchen eine andere Debattenkultur zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.“

Von han

Starb sie bei einem Sturz im Badezimmer oder wurde sie Opfer eines Verbrechens? Nach dem Tod einer deutschen Rentnerin (77) in Thailand gibt es eine Festnahme. Der 52-jährige Tatverdächtige hatte seinen letzten deutschen Wohnsitz in Timmendorfer Strand und wird in Deutschland mit Haftbefehl gesucht. 

22.10.2019

Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen registriert in diesem Herbst eine deutliche Zunahme der Notrufe wegen Pilzvergiftungen. Besonders Kinder unter zehn Jahren sind betroffen.

21.10.2019

Nach dem Vorfall mit einer Softair-Waffe in Herrnburg (Nordwestmecklenburg) bei Lübeck warnt das Kieler Innenministerium vor dem leichtfertigen Umgang mit Luftdruckwaffen.

21.10.2019