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Norddeutschland UKSH Lübeck: Neue Mängel aufgedeckt
Nachrichten Norddeutschland UKSH Lübeck: Neue Mängel aufgedeckt
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10:50 03.09.2016
Die Gesundheitsministerin fordert das UKSH auf, die gefundenen Mängel bei der Besteck-Sterilisation sofort zu beseitigen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Alheit forderte die Klinikleitung auf, umgehend zu handeln. „Ich erwarte von der Klinikleitung, dass alle bei der Überprüfung festgestellten Schwachstellen zeitnah beseitigt und die von uns erteilten Auflagen umgesetzt werden.“

Die Probleme in der Zentralen Sterilgutversorgung (ZSVA) des UKSH sind offenbar größer als gedacht. Bei einer Begehung am Donnerstagabend war unter anderem festgestellt worden, dass nicht normkonforme Reinigungs- und Desinfektionsgeräte in der Sterilgut-Abteilung verwendet wurden.

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Auch das Bepacken der Operationssiebe war in einigen Fällen „nicht nach den Standardanweisungen“ erfolgt. An einigen Sterilisatoreinschubwagen wurden Rost- ablagerungen gefunden. Das teilte das Kieler Gesundheitsministerium mit. Nach LN-Informationen sind auch vorgeschriebene Routinekontrollen nicht hinreichend dokumentiert gewesen.

UKSH-Vorstand Prof. Jens Scholz hatte nur wenige Stunden vor der Begehung erklärt, sein Klinikum habe die Probleme im Griff. Im Mai und Juni habe man Engpässe gehabt und in Folge dessen eine höhere Beanstandung von verschmutzten Sieben verzeichnet. Diese seien aber durch genauere Absprachen und die Aufstockung des Personals längst behoben.

Davon allerdings kann heute keine Rede mehr sein. „In Einzelfällen wurde beim Bepacken der Operationssiebe Optimierungsbedarf festgestellt und Verbesserungsmaßnahmen unverzüglich umgesetzt“, heißt es nun von Seiten des UKSH, „ebenso wurde die Entfernung von Rostspuren an einigen Schubwagen sofort vorgenommen.“

Ob die Sofortmaßnahmen wirklich umgesetzt werden, will das Ministerium selbst im Blick behalten. „Wir werden sehr engmaschig kontrollieren, damit die zu Recht hohen Qualitätsstandards eingehalten werden. Patientenschutz hat absolute Priorität“, sagte Kristin Alheit. Dazu gehöre, dass das Controlling im Sterilgutbereich höchste Anforderungen erfüllen müsse, Geräte den Normen entsprechend zu betreiben seien und jederzeit ausreichendes Fachpersonal vorhanden sein müsse.

Mitarbeiter der Sozialen Dienste ließen auch im Operationsbereich diverse Siebe mit OP- Besteck öffnen. Das Ergebnis: In keinem Fall wurden verschmutzte oder angerostete Instrumente vorgefunden. Eine Gefährdung von Patienten habe es nach vorliegenden Informationen nicht gegeben. Das betont auch das UKSH immer wieder.

Die Kontrolleure des Sozialen Dienstes waren am Donnerstagabend um 18 Uhr unangemeldet angerückt. Eine Begehung war ohnehin vom Ministerium anberaumt. Das UKSH wusste, dass es mit Auflagen rechnen muss, falls noch Defizite gefunden werden. Gestern machte sich Ministerin Alheit vor Ort ein Bild.

„Ich begrüße, dass die Ministerin so deutliche Worte findet“, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Steffen Kühhirt. Gewerkschaftsmitglieder berichteten ihm seit Jahren von Missständen auf dem Lübecker UKSH-Campus. „Die Abläufe in der 2009 ausgegliederten Service GmbH bleiben undurchsichtig.“ Am Ende seien die Fehler Ergebnis des Spardrucks. Insofern überrasche ihn das Ergebnis der jüngsten Überprüfung nicht. Er bedauere allerdings, dass durch das Fehlverhalten alle Mitarbeiter des UKSH in Misskredit gebracht würden.

Bereits am Mittwoch hatten die LN über möglicherweise verdrecktes OP-Besteck berichtet. Später wehrte sich die UKSH-Leitung gegen die Vorwürfe.

Von Maike Wegner und Curd Tönnemann