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Norddeutschland Wann Schnarcher sich untersuchen lassen sollten!
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21:50 23.03.2019
Wenn Schnarchen den Schlaf raubt, weiß er eine Lösung: Dr. Armin Steffen, der Leiter des UKSH-Schlaflabors. Quelle: Fabian Boerger
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Lübeck

Dr. Armin Steffen ist der Leiter des Schlaflabors am Universitätsklinikum (UKSH) in Lübeck. Hier werden Patienten untersucht, die an einer Schlafapnoe – also an Atmungsstörungen während des Schlafes – leiden.

Herr Dr. Steffen, Schnarchen ist ein Beziehungskiller. Nicht nur der Schnarcher, sondern auch der Bettpartner schläft meist schlecht. Das sorgt für dicke Luft in der Beziehung. Fühlen Sie sich manchmal wie ein Paar-Therapeut?

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Während der Zeit bei der Marine hatte ich einen extrem schnarchenden Kameraden - ich kann daher die vielen Schilderungen der Patienten gut nachvollziehen! Für den Schnarchenden, der sich verantwortlich für den schlechten Schlaf des Partners fühlt, ist es einfach sehr belastend. Der Bettpartner schwankt meist zwischen Verärgerung über den störenden Lärm und der Sorge über die Atemaussetzer. Wenn dann bei der Behandlung einiges gut funktioniert und der Zustand sich verbessert, gibt es mindestens zwei zufriedene Gesichter.

Wenn ich schnarche, merke ich das nicht unbedingt. Schließlich schlafe ich. Wann weiß ich denn, dass ich zu einer Untersuchung zu Ihnen ins Labor muss?

Sowohl das Schnarchen als auch die Atemaussetzer werden natürlich durch Beobachtungen von außen erkannt. Manchmal wachen die Betroffenen selbst auf oder der Mund ist sehr trocken. Zu einem Schlafmediziner sollte man gehen, wenn der Schlaf nicht erholsam ist oder die Augen in ruhigen Momenten ständig zufallen. Dann gibt es viele Hals-, Nasen- und Ohrenärzte oder Lungenärzte, die mit Schlafrekordern für zu Hause bereits die gefährliche Schlafapnoe gut eingrenzen können. Sollte das nicht möglich sein, ist der Weg ins Schlaflabor ratsam.

Mehr zum Thema: Hier lesen Sie weitere Beiträge aus unserer Gesundheitsserie.

Viele scheuen diesen Schritt, denn sie befürchten, in einem Krankenbett mit all den Kabeln nicht schlafen zu können. Ist das begründet?

Ein Schlaflabor ist bei allen Versuchen immer noch ein „Labor“. Die Kabel sind ungewohnt und im ersten Moment sicherlich störend für einige Patienten. Ich bin mir aber sicher, dass der technische Fortschritt, im Sinne von Telemedizin und kabellosen Übertragungen, in naher Zukunft im Schlaflabor Einzug halten und dieses Problem lösen wird.

Mit einer Atemmaske kann Schlafapnoe-Patienten geholfen werden. Aber nicht jeder möchte das klobige Ding in der Nacht tragen. Gibt es Alternativen?

Die Atemmaske (CPAP-Gerät) ist gerade bei Schläfrigkeit am Tag, deutlichem Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen die erste Wahl. Falls es aber nicht funktioniert, können verschiedene Wege wie der Gaumensegeloperationen, der spezielle Zahnschienen und der Zungenschrittmacher helfen. Gerade bei deutlichen Atemaussetzern und wenn die Zunge als Ursache einer Kurznarkose erkannt wird, können wir mithilfe dieser Maßnahmen die nächtliche Atmung der Betroffenen verbessern.

Gibt es ein Hausrezept, das Sie Schnarchern empfehlen, die nicht unbedingt an einer Schlafapnoe leiden?

Das ist nicht ganz einfach. Wenn zum Beispiel in Rückenlage geschnarcht wird, halte ich wenig von den berühmten Tennisbällen im Pyjama. Sie werden an die Rückenseite des Schlafanzuges genäht, und führen zu einem unangenehmen Gefühl beim Liegen auf dem Rücken. Oft ist die Ursache aber das ein oder andere Kilo zu viel, dass nicht nur am Bauch, sondern auch am Hals sitzt und den Atemweg einengt. Kommt das Übergewicht runter, wird es bei vielen Schnarchern leiser.

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Fabian Boerger