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20:10 23.02.2018
Das Urteil im Hamburger Prozess gegen die drei mutmaßlichen IS-Kämpfer aus Syrien soll im März gesprochen werden.
Das Urteil im Hamburger Prozess gegen die drei mutmaßlichen IS-Kämpfer aus Syrien soll im März gesprochen werden. Quelle: Foto: Bodo Marks/dpa
Hamburg

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder des Islamischen Staates hat die Bundesanwaltschaft in Hamburg gestern ihre Forderung nach mehrjährigen Haftstrafen bekräftigt. Das Geständnis des mit 27 Jahren ältesten Angeklagten habe nur das Ergebnis der Beweiserhebung bestätigt. Er sei am 10. November 2015 in Syrien aufgebrochen und über die Balkanroute nach Deutschland gereist, um sich für einen Anschlag bereitzuhalten, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft. Der Angeklagte habe zugegeben, es sei dabei auch darum gegangen, Menschen zu töten. Die Bundesanwaltschaft bleibe bei der Forderung nach acht Jahren Haft. Ein 19 Jahre alter Mitangeklagter soll zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt werden, der dritte Angeklagte (20) zu vier Jahren und drei Monaten Jugendstrafe. Allen drei Syrern wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Ursprünglich hatte der Staatsschutzsenat am Hanseatischen Oberlandesgericht gestern nach achtmonatiger Verhandlung sein Urteil verkünden wollen. Das überraschende Geständnis des 27-Jährigen warf jedoch neue Fragen auf. Dabei wurde deutlich, dass der Angeklagte ein Bild eines Paris-Attentäters auf seinem Handy hatte: Al-Mohammad. „Warum?“, hakte der Oberstaatsanwalt nach. „Weil er ein Irrer war und ein Mitglied des Islamischen Staates“, lautete die Antwort. Neben der Leiche eines der Selbstmordattentäter vom 13. November 2015 in Paris war ein Pass mit dem Namen Ahmad al-Mohammad gefunden worden. Ein Mann dieses Namens war wenige Wochen zuvor bei der Einreise in Griechenland registriert worden. Die drei Syrer sollen mit Hilfe desselben Schleusers wie mehrere der Paris-Attentäter vom türkischen Izmir nach Griechenland gebracht worden sein.

Die drei Angeklagten waren im September 2016 in Flüchtlingsunterkünften von Großhansdorf, Ahrensburg und Reinfeld (alle Kreis Stormarn) festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Die Verteidiger hatten in ihren ersten Plädoyers Freispruch beantragt. Sie äußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Verfassungsschutzinformationen, die ihre Mandanten belasten.

Die Verteidiger sollen nun am kommenden Dienstag erneut plädieren. Das Urteil soll am 12. März verkündet werden.

LN