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Norddeutschland Unfall auf der Autobahn: Wolf in Stormarn überfahren
Nachrichten Norddeutschland Unfall auf der Autobahn: Wolf in Stormarn überfahren
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23:45 02.04.2013
Von Oliver Vogt
Wo der Wolf sein Revier hatte, ist bisher unklar. Quelle: Wildpark Eekholt
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StormKiel/Bargteheidearn

Herber Rückschlag für die Wolfspopulation im Norden: Auf der Autobahn 1 zwischen Ahrensburg und Stapelfeld (Stormarn) ist in der Nacht zu gestern ein Wolf überfahren worden. Seit 2007 ist es schon das zweite im Straßenverkehr verunglückte Tier in Schleswig-Holstein – von drei überhaupt erst im Land nachgewiesenen Wölfen.

„Es ist sehr schade, dass bereits zwei Wölfe in Schleswig-Holstein dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen sind“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Kiel. Denn der Verlust des Tieres wiege schwer. „Bei so einer kleinen Population wie in Schleswig-Holstein spielt jeder einzelne Wolf natürlich eine große Rolle“, erklärt Forstzoologe Norman Stier, der dem Umweltministerium als fachlicher Berater zur Seite steht.

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Der erste offiziell nachgewiesene Wolf im Land war im April 2007 bei Süsel im Kreis Ostholstein überfahren worden, ein zweites Tier wurde im Sommer vergangenen Jahres im Kreis Segeberg gesichtet. Eine dritte Sichtung gelang einem Landwirt erst an diesem Karfreitag in der Region Geesthacht. Rund 20 Kilometer vom späteren Unfallort entfernt konnte er einen Wolf fotografieren. Ob es sich um das verunglückte Tier handelt, steht noch nicht fest. „Die Fellfarbe des toten Wolfs stimmt nicht genau mit der des fotografierten Tieres überein“, sagt Wolf-Gunthram von Schenck, Leiter des Wolfs-Informationszentrums im Wildpark Eekholt (Kreis Segeberg). Genauen Aufschluss darüber werde erst eine Untersuchung im Leibnitz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin bringen.

Spekulationen über Wölfe im Lauenburgischen gibt es bereits seit Jahren, nachdem es dort immer wieder unbestätigte Sichtungen gegeben hatte. Im Januar konnte erstmals eine 1,5 Kilometer lange Wolfsspur gefunden werden.

Norman Stier zufolge seien Verkehrsunfälle neben illegalen Abschüssen durch Jäger die häufigste Todesursache für Wölfe. „Es sind vor allem junge Tiere, die auf ihren Streifzügen dem Verkehr zum Opfer fallen“, erklärt Stier. In dem Bereich der A 1 habe es auch keinen Schutzzaun gegeben, der das Tier womöglich gerettet hätte.

Wie viele Wölfe tatsächlich in Schleswig-Holstein leben, ist ungewiss. Zumindest der Segeberger Wolf soll sich laut Stier noch immer in der Region aufhalten. „Aber es gibt im Land durchaus noch andere Orte, wo sich ein Wolf verstecken kann, ohne von Menschen wahrgenommen zu werden“, sagt Stier.

In der Kieler Politik werden aber Bedenken laut. Hauke Göttsch von der CDU-Fraktion kritisiert, dass das Land zu viel Geld für Tiere ausgebe, deren Existenz keinesfalls sicher sei.

Oliver Vogt

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