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Norddeutschland Unglück in Marne: Feuerwehrleute sind geschockt
Nachrichten Norddeutschland Unglück in Marne: Feuerwehrleute sind geschockt
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19:53 07.12.2015
Feuerwehrleute der freiwilligen Feuerwehr Marne löschen am Sonntag den brennenden Dachstuhl eines Wohn- und Geschäftsgebäudes in der Innenstadt von Marne (Kreis Dithmarschen). Quelle: dpa
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Marne

Die Flaggen in Marne wehen auf Halbmast: Die Gemeinde im Kreis Dithmarschen trauert um einen 31-jährigen Feuerwehrmann, der am Sonntag bei einem Einsatz in der Marner Innenstadt ums Leben gekommen ist. Zwei weitere Feuermänner wurden bei dem Brand leicht verletzt. Sie kamen ins Krankenhaus. Der 31-Jährige hatte für die Löscharbeiten in das brennende Haus gemusst. Die genaue Todesursache stand gestern noch nicht fest. Es war der erste tödliche Unfall bei der Feuerwehr im Land seit neun Jahren. Die Kriminalpolizei ermittelt. Die Ausrüstung des Feuerwehrmannes wurde von der Polizei beschlagnahmt. Seine Kameraden werden seelsorgerisch betreut.

„Das ist ein Alptraum für jede Feuerwehr“, sagt Bad Segebergs Gemeindewehrführer Mark Zielinski. „Wir sind ganz, ganz betroffen und in Gedanken bei der Familie und den Kameraden.“ Als Zeichen der Anteilnahme wehen die drei Fahnen vor dem Feuerwehrhaus auf Halbmast. Einen Todesfall bei einem Einsatz gab es bei ihnen bislang zum Glück noch nicht. Doch der 45-jährige Wehrführer erinnert sich an eine dramatische Situation vor elf Jahren. Bei einem Großbrand im Einkaufszentrum Christiansfelde kamen die Feuerwehrleute erst kurz vor der Durchzündung und dem Einsturz der Decke aus dem Gebäude. Die Gefahr gehört zum Alltag. „Man weiß, dass so etwas immer passieren kann“, sagt Ahrensböks Gemeindewehrführer Jörg Stendorf.

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Innenminister Stefan Studt will den Untersuchungsergebnissen entsprechend alles veranlassen, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden. „Es ist für mich bedrückend und beklemmend, dass ein Feuerwehrmann seine Bereitschaft, sich für das Wohl seiner Mitmenschen einzusetzen, mit dem Leben bezahlt hat“, sagt der Kieler Minister. Stephan Muuss, Gemeindewehrführer in Timmendorfer Strand, ist auch mit seinen Gedanken bei den Einsatzkräften in Marne. „So ein Unglück ist das Schlimmste für jeden Einsatzleiter“, sagt er. „Ich möchte nicht der Familie eines verstorbenen Kameraden so eine Nachricht überbringen müssen.“ In Timmendorfer Strand sei man zutiefst betroffen. „Wir hoffen, dass die Familie Hilfe und Unterstützung bekommt.“

Auch in Lübeck ist die Anteilnahme groß. „Wir sind bemüht, die Situation vor Ort bei einem Einsatz richtig einzuschätzen, damit so was nicht passiert“, sagt Matthias Schäfer von der Berufsfeuerwehr Lübeck. „Trotzdem bedeutet die Arbeit immer ein Risiko.“ Bei jedem Einsatz fahre ein bisschen Angst mit. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass ein großer Teil der Feuerwehrarbeit von Ehrenamtlern ausgeführt wird.“ Ihr Einsatz werde oft verkannt. Auch der verstorbene Feuerwehrmann war Ehrenamtlicher. Insgesamt 48211 Mitglieder engagieren sich in den Freiwilligen Feuerwehren Schleswig-Holsteins.

„Ich habe höchsten Respekt davor, dass die Ehrenamtlichen nicht nur ihre Zeit für die Gesellschaft geben, sondern gleichzeitig auch Risiko auf sich nehmen“, sagt Landesbrandmeister Detlef Radtke. Es sei wichtig, dass alle Feuerwehrleute gut ausgebildet und ausgerüstet seien. „Es geht aber nicht nur um körperlichen Schutz, sondern auch um seelische Betreuung.“
Das kann Stefan Kuhn nur bestätigen. Der Feuerwehrmann gehörte zu den zehn Einsatzkräften, die im Jahr 2014 bei der Explosion eines Gasautos auf der Kreisstraße 56 schwer verletzt wurden. Der Tod in Marne war natürlich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Rohlstorf Thema. Doch die Bilder von damals kamen bei Gemeindewehrführer Stefan Kuhn nicht wieder hoch. „Das ist abgehakt“, sagt der 36-Jährige, der am schwersten verletzt worden war, inzwischen aber wieder vollkommen gesund ist. „Der Blick geht nach vorne.“

Wie wichtig die Arbeit der Feuerwehr ist, hat Daniel Döding am eigenen Leib gespürt. Der 22-Jährige wurde vor drei Monaten bei einem Brand in der Lübecker Innenstadt im Schlaf von Flammen überrascht. Die Feuerwehr musste ihn über eine Leiter aus dem Haus retten. „Es ist ein mulmiges Gefühl, gefangen zu sein“, sagt Döding. „Alleine kommt man nicht mehr raus.“ Da könne man nur froh sein, dass es die Feuerwehr gibt. „Es ist hart von so einem Unglück zu hören – denn es hätte auch meinen Retter treffen können.“

Julia Konerding/Kim Meyer