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Norddeutschland Gefängnisstrafe für heimliches Fotografieren unter den Rock gefordert
Nachrichten Norddeutschland Gefängnisstrafe für heimliches Fotografieren unter den Rock gefordert
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13:46 12.06.2019
Zwei Frauen gehen in Edinburgh in Großbritannien in kurzen Röcken auf einem Weg. Wer Frauen unter Röcke fotografiert, muss dort künftig mit bis zu zwei Jahren Gefängnis rechnen und wird als Sexualstraftäter registriert. Dieses „Upskirting“ soll jetzt auch in Deutschland strafbar werden, fordern CDU, Grüne und FDP in Kiel. Quelle: Jane Barlow/PA Wire/dpa
Kiel

Es ist eine besonders niederträchtige Masche, Frauen sexuell zu belästigen: Das „Upskirting“, das heimliche Fotografieren unter den Rock. Immer kleinere Kameras, im Handy oder auf einem Schuh befestigt, machen es möglich. Und oft verbreiten Spanner die Bilder dann ohne Wissen der betroffenen Frauen im Internet. Bitter: Strafbar ist das in Deutschland in den meisten Fällen bislang nicht. Die Jamaika-Koalitionäre in Kiel wollen das schleunigst ändern.

CDU-Politikerin: „Da klafft eine Regelungslücke“

Die Landesregierung wird dazu in Kürze eine Bundesratsinitiative für eine entsprechende Gesetzesänderung starten. CDU, Grüne und FDP wollen das schon in der nächsten Landtagssitzung beschließen. „Da klafft bislang eine Regelungslücke im Gesetz“, sagt die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann, die die Initiative maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat. Die wolle man schnell schließen.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann hat die Initiative für die Strafverschärfung angestoßen. Quelle: Lutz Roeßler

Vorbild sei Großbritannien, sagt Katja Rathje-Hoffmann. Dort hatte die Publizistin Gina Martin eine Petition gegen das Upskirting gestartet. Kürzlich wurde es vom Parlament tatsächlich im „Voyeurism Offences Act 2019“ unter Strafe gestellt. Bis zu zwei Jahre Haft drohen den Tätern jetzt, außerdem werden sie als Sexualstraftäter registriert. In Deutschland haben zwei junge Frauen Ende April ebenfalls schon eine solche Petition auf den Weg gebracht. Innerhalb eines Monats kamen über 45 000 Unterschriften zusammen.

Das Strafgesetzbuch greift bei „Upskirting“ noch nicht

Tatsächlich rutschen Täter, die solche Aufnahmen etwa in größeren Menschenansammlungen auf Volksfesten oder Konzerten machen, hierzulande bislang meist durch das Netz der Justiz. So steht zwar sexuelle Belästigung seit 2016 ausdrücklich unter Strafe, setzt aber eine Berührung der Person voraus. Heimliche Aufnahmen sind im privaten und in Intimbereichen wie Toiletten und Umkleidekabinen strafbar – die Polizei in Nordrhein-Westfalen, wo das Thema ebenfalls schon diskutiert wird, registrierte im Jahr 2018 allein darunter 2023 Fälle –, nicht aber im öffentlichen Raum, auf Straßen oder Plätzen also.

Upskirting: Diese Form sexueller Belästigung bleibt häufig ungesühnt

„Upskirting“ oder „Up-skirt“ (vom englischen „up“ für „nach oben“ und „skirt“ für „Rock“) bezeichnet voyeuristische Fotos, mit denen einer Frau unter den Rock geblickt wird. Oft werden solche Aufnahmen gezielt und heimlich gemacht. Bislang ist es in Deutschland schwierig, die Täter juristisch zu belangen. Die Gesetze erfassen solche Taten oftmals nicht genau genug.

Das „Upskirting“ solle daher jetzt als eigener Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden, fordert die Kieler Jamaika-Koalition. Es solle „sichergestellt werden, dass heimliches Fotografieren, Filmen oder eine andere elektronische Überwachung intimer beziehungsweise sexueller Bereiche einer anderen Person zukünftig strafrechtlich sanktioniert werden kann“, heißt es in dem Antrag.

Die Chancen auf eine Gesetzesänderung stehen gut

Das Problem sei offenkundig, sagt Katja Rathje-Hoffmann. Auch wenn es schwer in Zahlen zu fassen ist. In Schleswig-Holstein etwa kann die Polizei aus ihrer Kriminalitäts-Statistik noch nicht ablesen, wie viele Fälle von Upskirting angezeigt werden, von der Dunkelziffer nicht gemeldeter Taten ganz abgesehen. Sie könnten sich hier in der Statistik hinter Straftatbeständen wie „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches“, „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ oder „sexuelle Belästigung“ verstecken, heißt es aus dem Landespolizeiamt.

Schon die im Internet kursierenden Fotos würden die Größe des Problems aber belegen, sagt Katja Rathje-Hoffmann – auch wenn viele Frauen von ihrer Belästigung und ihrem Missbrauch zunächst nicht einmal etwas bemerken würden. Die Chancen auf eine Gesetzesänderung stehen gut. Neben Nordrhein-Westfalen spricht sich auch das Land Baden-Württemberg bereits für eine entsprechende Reform des Strafgesetzbuches aus.

Wolfram Hammer

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