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Norddeutschland Unwetter wirbelte den Norden durch
Nachrichten Norddeutschland Unwetter wirbelte den Norden durch
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20:10 10.08.2018
Noch gestern staute es sich im Reisezentrum am Hamburger Hauptbahnhof. Das Unwetter hatte den Zugverkehr erneut ausgebremst. Quelle: Foto: Bodo Marks/dpa
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Lübeck/Kiel

Das Unwetter kam mit orkanartigen Böen. Vor allem an der Nordsee fegte in der Nacht zu gestern der Wind. Spitzenreiter war Büsum mit einer Windgeschwindigkeit von 140 Kilometer pro Stunde. In Elpersbüttel, etwas weiter im Binnenland, wurden noch 126 gemessen, in Hamburg mehr als 100 Kilometer pro Stunde. Allein in der Hansestadt rückte die Feuerwehr zu mehr als 300 Einsätzen aus. Zwei Jugendliche wurden von einem entwurzelten Baum getroffen. Sie kamen ins Krankenhaus, seien aber nicht lebensgefährlich verletzt worden, hieß es.

Endlich Regen! Der lang ersehnte Niederschlag kam jedoch mit Gewitter und Sturm, an der Nordsee sogar mit Orkanstärke. Bäume stürzten um, Zelte wehten davon, Veranstaltungen wurden abgebrochen. Die Bahn stellte den Fernverkehr nördlich von Hannover größtenteils ein.

Auf einem Campingplatz in Dithmarschen wehte der Wind mehrere Zelte davon, in Tönning drohten Bäume auf die Bundesstraße zu stürzen. „Viele Einwohner haben die Warnung vor dem Unwetter wahrgenommen und im Garten Sommermöbel, Sonnenschirme und Markisen gesichert. Wir hätten sonst bestimmt mehr zu tun gehabt“, sagte Christian Albertsen, Kreiswehrführer in Nordfriesland.

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Auch an der Ostsee wütete der Wind. Pelzerhaken meldete Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometer pro Stunde (Windstärke 9). Immer wieder mussten umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste beseitigt werden. In Dahme wurde ein DLRG-Turm von der Seebrücke in die Ostsee geschleudert. „Wir vermuten, dass der Container Richtung Fehmarn getrieben und schließlich untergegangen ist“, erläutert Klaus Holger Hecken, DLRG-Einsatzleiter Küste. Der Seebrückenkopf wurde wegen weiterer Schäden gesperrt. Die Eutiner Festspiele wurden nach der Pause abgebrochen, auch beim Duckstein-Festival in Lübeck war gegen 20 Uhr Schluss – erstmals in 20 Jahren. Das Gelände wurde geräumt.

Auf vielen Bahnstrecken sorgte Gewittertief „Oriana“ für Chaos. Die Deutsche Bahn stellte am Donnerstagabend den Verkehr auf der ICE-Strecke HannoverHamburg–Kiel ein. Auch die Strecken des Konkurrenten Metronom waren von umgestürzten Bäumen blockiert. Viele Reisende mussten stundenlang auf die nächstmögliche Verbindung warten. In mehreren Bahnhöfen wurden sogenannte Aufenthaltszüge bereitgestellt. Vor dem Service-Center der Bahn im Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich auch gestern Vormittag noch lange Schlangen. Erst am Nachmittag gegen 14 Uhr wurde der Zugverkehr auf der ICE-Strecke wieder aufgenommen. „Man muss aber weiterhin mit Ausfällen und Einschränkungen rechnen“, sagte eine Bahn-Sprecherin.

Insgesamt wurden in und um Deutschland nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mehr als 330000 Blitze registriert, der Großteil davon im Westen und Norden des Landes. In Mecklenburg-Vorpommern wurden zwei Gebäude in Brand gesetzt. Die Bewohner konnten sich retten. Beim Waldbrand in der Lübtheener Heide (Kreis Ludwigslust-Parchim) half der Regen beim Löschen. Denn der Feuerwehr gelang es, die Flammen durch den Guss von oben unter Kontrolle zu bringen. Die Bewohner zweier Dörfer, die ihre Häuser verlassen mussten, konnten wieder zurückkehren.

Die Niederschlagsmengen hielten sich allerdings in Grenzen. Während an der Nordsee und an der Elbe bis zu 30 Liter pro Quadratmeter gemessen wurden, fielen in Lübeck laut WetterWelt GmbH in Kiel nur acht Liter, in Neustadt 13 Liter auf den Quadratmeter. jup, sr

LN

10.08.2018
10.08.2018