Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Von Skandinavien bis Afrika: Honorarkonsuln stellen sich in Lübeck vor
Nachrichten Norddeutschland Von Skandinavien bis Afrika: Honorarkonsuln stellen sich in Lübeck vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:28 14.10.2019
Die schwedische Honorarkonsulin Vivian Paesler Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck/Kiel

Nicht nur in großen Städten wie Berlin unterhalten Staaten Interessenvertretungen. Auch im beschaulichen Schleswig-Holstein gibt es einen kleinen Kreis von Honorarkonsuln, der für andere Länder im Einsatz ist. Genau 16 Außenposten gibt es aktuell im Land. Die meisten vertreten unsere Nachbarstaaten in Skandinavien, aber auch baltische Länder haben Konsuln bestellt. Außerdem Island, Italien, Österreich und sogar Südafrika.

600 Schweden im südlichen Schleswig-Holstein

Für rund 600 in südlichen Schleswig-Holstein ansässige Schweden ist Vivian Paesler seit fünf Jahren die Ansprechpartnerin. Eine Kollegin in Kiel betreut den nördlichen Landesteil. Zu den typischen konsularischen Angelegenheiten gehören Pass-, Visum- und Aufenthaltsfragen sowie Rechtshilfe. Zudem bemüht sie sich, kulturelle und wirtschaftliche Kontakte herzustellen. So sprach das schwedische Einrichtungshaus Rusta zunächst bei ihr vor, ebenso das Start-up Voi, das E-Roller verleiht.

Honorarkonsuln sind Partner vor Ort

In der Hochzeit der Flüchtlingskrise standen oft kleine Gruppen von Ausländern vor den Büroräumen der Steuerberaterin am Pferdemarkt in Lübeck. „Viele wollten ja weiter nach Schweden“, erzählt Paesler. Das ging aber natürlich nur, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt waren. „Auch wir müssen natürlich den offiziellen Weg über die Botschaft in Berlin gehen. Aber wir sind die Partner vor Ort.“

Ehrenamt führt auch mal ins Gefängnis

Gleich zu Beginn ihrer Exequatur, also der Zulassung als Honorarkonsulin, traf sie das schwedische Königspaar in Stockholm, wo sie drei Tage lang gebrieft wurde, um mehr über das Land, ihre Aufgaben und ihr neues Amt zu lernen. „Da haben wir auch erfahren, was in Notfällen oder bei Unfällen zu tun ist, welche Notruf-Nummern wir anwählen könne.“

Sie ist überall erreichbar. „Wenn ich Urlaub mache, muss ich mich abmelden“, berichtet Paesler. Kurze Zeit später führte sie das Ehrenamt ins Gefängnis. „Denn Schweden, die hier ins Gefängnis kommen, haben Anspruch auf einen Besuch von der Konsulin“, erklärt sie. Und so landete sie erstmals in der JVA Lübeck, um mit einem Drogenschmuggler zu sprechen. „Das Amt bietet ein kleines Abbild der großen Welt.“

Hilfe in Notfällen und bei der Kontaktsuche

„Vieles ist Bürokratie“, sagt Jochen Brüggen. Der Mitgesellschafter des gleichnamigen Konzerns ist schon seit zwölf Jahren österreichischer Honorarkonsul für das südliche Schleswig-Holstein. „Wir sind Ansprechpartner für die etwa 2000 Österreicher vor Ort, damit sie nicht für jeden Behördengang nach Berlin oder in ihre Heimatland fahren müssen.“ So müssten Studenten Beglaubigungen einreichen.

Österreicher, die in der Gastronomie tätig waren, bekämen nicht selten Renten aus beiden Ländern. Dafür müsse regelmäßig bescheinigt werden, dass sie noch lebten. Zugleich hilft Brüggen Österreichern, die im Norden unverschuldet in Not geraten, und unterstützt Künstler aus dem Alpenstaat, die Kontakte brauchen.

Auslands-Österreicher treffen sich in Lübeck

Umgekehrt erreichen sein Konsulat auch Anfragen von Unternehmen, die nach Österreich expandieren wollen. „Das ist eine schöne Aufgabe“, sagt Brüggen, der als begeisterter Skifahrer seinen Urlaub regelmäßig in Österreich verbringt. Auch Wien und die österreichische Küche schätzt er sehr. „Das Amt bereichert mein Leben, weil man einen Teil der Welt kennen lernt, den man sonst nicht erfahren würde.“ Die Auslands-Österreicher treffen sich regelmäßig in Lübeck. „Da versuche ich, oft dabei zu sein, um zu erfahren, welche Themen gerade aktuell sind oder wo es Probleme gibt.“

Tätigkeitsfeld ist unterschiedlich definiert

Mit Pässen und Aufenthaltsgenehmigungen hat Ekkehart Eymer, der Honorarkonsul für Südafrika, nichts zu tun. Seine Aufgabe besteht vor allem in der Kontaktpflege – wirtschaftlich und kulturell. „Das ist eine interessante Sache, die Spaß macht“, sagt er. So hätten sich schon wiederholt Minister aus dem afrikanischen Land angekündigt, um sich über Landwirtschaft zu informieren. Eymer verabredete Termine mit dem Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp und begleitete die südafrikanische Delegation dorthin. Zudem sei Schleswig-Holstein auch im touristischen Bereich führend und könne Anregungen geben. Das Tätigkeitsfeld eines Honorarkonsuls kann also ganz unterschiedlich definiert sein.

Bewerben kann man sich für das Ehrenamt nicht

Der Honorarkonsul ist Ehrenbeamter. Voraussetzung für seine Ernennung ist, dass der Bewerber nach seiner Persönlichkeit, seiner beruflichen Erfahrung, seiner Stellung im Empfangsstaat, seiner Vertrautheit mit den Verhältnissen in dem für ihn vorgesehenen Zuständigkeitsbereich und seinen Sprachkenntnissen für das Amt geeignet erscheint. Bewerben kann man sich nicht. Zu Honorarkonsuln der Bundesrepublik Deutschland können sowohl Deutsche als auch Ausländer ernannt werden. Er ist jedoch zumeist ein Bürger des Empfangsstaates, also des Staates, in dem die Interessen des Entsendestaates vertreten werden. Seine Arbeit wird nicht vergütet.

Honorar- und Handelskonsuln

Der Konsul (lateinisch von consul, Berater) ist eine Amtsperson, die offiziell von einem Staat zur Wahrung der Interessen seiner Angehörigen und seines Handels in einem fremden Land bestellt ist wird. Man unterscheidet zwischen Berufskonsuln und Honorarkonsuln. Konsulate gelten anders als Botschaften nicht als diplomatische Vertretungen eines Staates, sie werden als Vertretungen eigener Art betrachtet, sogenannte konsularische Vertretungen. Die ebenfalls noch gebräuchliche Bezeichnung Handelskonsul rührt daher, dass ursprünglich vor allem Kaufleute zu ehrenamtlichen Konsuln ernannt wurden, da ihre Tätigkeit vornehmlich der Erleichterung von Handelsbeziehungen diente.

Die Kraftfahrzeuge von Honorarkonsuln erhalten in Deutschland die üblichen Zivilkennzeichen. Es kann aber das Zusatzschild „CC“ (für französisch corps consulaire, Konsularisches Korps) am Auto geführt werden.

Zu den 16 Honorarkonsulaten in Schleswig-Holstein kommen 96 Generalkonsulate, die Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen betreuen. Vakant sind nach Auskunft der Staatskanzlei derzeit die Konsulate von Indonesien und Burkina Faso. „Auch wenn ein Bundesland keine Außenpolitik betreibt, sind auswärtige Beziehungen in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung“, erklärt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Darüber hinaus erfüllten die Konsulate für die Bürger ihrer Heimatländer wichtige Dienstleistungen. Am 25. Oktober stellen sich die 16 Konsulate aus zehn Ländern in den Lübecker Media Docks vor.

Ministerpräsident kommt zur Eröffnung

Der „Abend der Konsulate“ findet am Freitag, 25. Oktober 2019, statt. Zwischen 18 und 22 Uhr können Besucher sich in den Media Docks über die Aufgaben der Honorarkonsuln und über die Besonderheiten ihrer Entsendeländer informieren. Einlass ist bereits ab 17.30 Uhr. Nach der Begrüßung durch den Doyen des Konsularkorps Götz Bormann wird Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Veranstaltung eröffnen. Anschließend bietet sich die Gelegenheit zu einem Messerundgang.

Zehn verschiedene Länder stellen sich vor – mit Musik, Tänzen, Kurzfilmen und kleinen kulinarischen Besonderheiten. Darunter sind die skandinavischen Länder wie Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, die baltischen Staaten Estland und Lettland sowie Italien, Österreich, Island und Südafrika, die alle mindestens ein Honorarkonsulat in Schleswig-Holstein unterhalten.

Der Eintritt ist frei.

Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Auswärtigen Amtes etwa 475 Honorarkonsuln. Die meisten davon stellen Frankreich, die Niederlande und Schweden mit jeweils zwölf. Sie werden in der Regel immer dann ernannt, wenn die Einrichtung einer berufskonsularischen Vertretung zu aufwendig, eine örtliche Anlaufstelle aber sinnvoll ist – etwa wegen der Zahl der ansässigen oder durchreisenden Personen aus dem Land.

Diplomatische Beziehungen zu 195 Staaten

Im Zuge der Europäischen Integration wurden inzwischen zahlreiche Berufskonsulate europäischer Staaten geschlossen und zu Honorarkonsulaten umgeordnet. So hat sich die frühere Mehrheit der Berufsdiplomaten zu einer der Ehrenamtlichen gewandelt. Frankfurt, München und Hamburg zählen neben Berlin zu den größten Konsularstandorten in Deutschland. Deutschland unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 195 Staaten der Erde. Zusätzlich zu den diplomatischen und konsularischen Vertretungen sind aber an vielen Orten Honorarkonsuln tätig.

Lesen Sie auch:
Acht Lübecker Konsuln stellen sich vor:
Gestatten, wir sind Honorarkonsuln

Ein kleiner Kreis von Ehrenbeamten ist in Lübeck für die Bürger anderer Länder im Einsatz. Wir stellen sie kurz vor.

Von Julia Paulat

Das Land will künftig alle dieselbetriebenen Nahverkehrszüge auf elektrische Antriebe umstellen. Am Montag wurde dazu in Kiel ein Vertrag über 55 Züge mit Akkus unterzeichnet. Die sollen von 2022 an fahren.

14.10.2019

Eine Mutter und ihr Sohn (8) werden in Brunsbüttel vermisst. Sonntagnacht wurde eine große Suchaktion an der Elbe gestartet. Im Einsatz war auch die Seenotretter, Taucher und ein Hubschrauber. Die Einsatzkräfte fanden Kleidungsstücke der Vermissten – mussten die Suche jedoch abbrechen.

14.10.2019

Kluge Ideen müssen viel öfter zu Unternehmensgründungen führen, sagt die Nord-FDP in Schleswig-Holstein. Sie schlägt dazu einen 20-Punkte-Plan vor. Dieser setzt schon bei den ganz Kleinen an.

17.10.2019