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Norddeutschland Verbissener Streit ums neue Hundegesetz
Nachrichten Norddeutschland Verbissener Streit ums neue Hundegesetz
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22:27 26.02.2015
Quelle: dpa
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Kiel

Am Dienstag wollen FDP, SPD, Grüne und SSW das neue Hundegesetz auf den Weg bringen. Für heftige Debatten sorgt es jetzt schon. Während Hundefreunde fürchten, ihre Tiere könnten zu schnell als gefährlich gebrandmarkt werden, geht Kritikern die neue Regelung nicht weit genug.

„Wer bitte urteilt darüber, wer sich falsch verhalten hat, wenn es zu einem Beißvorfall kommt“, schreibt zum Beispiel eine Facebook-Nutzerin. Oft fühlten sich die Tiere auch von Menschen bedroht.

„Es ist künftig so: Erst wenn ein Kind gebissen worden ist, muss der Hundehalter den Umgang mit seinem Tier erlernen“, klagt hingegen Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes.

Hintergrund: Koalition und FDP wollen die Rasseliste, die zum Beispiel Pittbulls per se als gefährlich einstuft, abschaffen. Die Ursprungs-Idee der FDP, allen Haltern einen Sachkundenachweis („Hundeführerschein“) zur Pflicht zu machen, wurde hingegen aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Den Hundeführerschein müssen Halter künftig erst dann machen, wenn ihr Tier, gleich welcher Rasse, in eine Beißerei verwickelt war.

Der Grünen-Abgeordnete und Tierarzt Detlef Matthiessen hält diese neue Regelung für „alternativlos“. Pittbulls und andere Hunde auf der Liste seien laut Statistik nun einmal nur an den allerwenigsten Vorfällen beteiligt. Die Schwelle, ab wann ein jeder Hund als gefährlich eingestuft werden kann, solle jetzt sogar gesenkt werden. Laut Gesetzentwurf liegt der Verdacht nah, wenn er einen Menschen gebissen hat „sofern dies nicht zur Verteidigung anlässlich einer strafbaren Handlung oder aus dem elementaren Selbsterhaltungstrieb des Hundes geschah“, er außerhalb seines Grundstücks „wiederholt in gefahrdrohender Weise Menschen angesprungen hat oder ein anderes aggressives Verhalten zeigt, das nicht dem elementaren Selbsterhaltungstrieb des Hundes entspringt“, ein anderes Tier „durch Biss geschädigt hat, ohne selbst angegriffen worden zu sein, oder einen anderen Hund trotz dessen erkennbaren artüblichen Unterwerfungsgestik gebissen hat“ oder „durch sein Verhalten gezeigt hat, dass er unkontrolliert Tiere hetzt oder reißt“. Das Ordnungsamt muss solche Hinweise sofort prüfen, kann den Hund vom Tierarzt untersuchen lassen.

Irene Johns reicht das nicht: „Wir brauchen einen präventiven Ansatz.“ Der könne darin bestehen, dass alle Halter „starker Hunde“ einen Führerschein besitzen müssen. Es mache nun mal einen Unterschied, ob ein großer oder ein kleiner Hund zubeiße. Die Union sieht das genauso und will dem Gesetz nicht zustimmen. „Es sieht die komplette Abkehr vom Vorsorgeprinzip vor. Das ist falsch“, sagt Heiner Rickers (CDU). Sandra Redmann (SPD) bleibt dabei: „Die Rasseliste hat sich als nicht geeignet erwiesen.“ Den Piraten regelt der Entwurf immer noch zu viel, sie lehnen die Pflicht-Haftpflichtversicherung ab und warnen vor einer zentralen Registrierung der Halterdaten als Folge der Chip-Pflicht. Oliver Kumbartzky (FDP) hingegen spricht vom „modernsten Hundegesetz Deutschlands“. Anreize, den Führerschein mit dem eigenem Hund abzulegen, solle es geben — durch Ermäßigung bei der Hundesteuer.

Viel Zustimmung bei Facebook
Auch auf der LN-Online-Seite bei Facebook wird über das neue Gesetz diskutiert. Hier eine Auswahl der Stimmen.


Finde ich gut, man muss jeden Einzelfall betrachten und darf nicht pauschalisieren. In den meisten Fällen sind es die Hundehalter, die ihr Tier nicht im Griff haben, und nicht das Tier, das gestört ist! Jenny Jule


Theoretisch nicht schlecht, doch der klassische Denunziant kann hier aus dem Vollen schöpfen und aus einer Kleinigkeit eine kostspielige Nummer machen! Das Ganze könnte sich zu einer Hexenjagd ausweiten. Michael Hahn

Die Gefährlichkeit eines Hundes von einer Rasse abhängig zu machen, war ja ein Unding. Jeder Hund kann, in den falschen Händen, zur Bestie werden. Diese neue Regelung greift nach auffälligen Hunden Das ist völlig in Ordnung. Rosemarie Maamri


Hunde, die Menschen angreifen, gehören aus dem Verkehr gezogen. Da kann es gar keine zwei Meinungen geben.Kai Bojens

Wolfram Hammer