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Norddeutschland Verhindern Tierschützer den Abschuss des Problemwolfs?
Nachrichten Norddeutschland Verhindern Tierschützer den Abschuss des Problemwolfs?
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21:58 27.02.2019
Seit vier Wochen schon suchen Jäger rund um Pinneberg vergeblich nach „GW924m“, einem Wolf wie auf diesem Bild. Er soll erschossen werden. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Kiel

Der Problemwolf GW924m lebt immer noch. Dabei sollte er längst erschossen sein. Kiels Grüner Umweltminister Jan Philipp Albrecht hatte es angeordnet. Doch bislang haben die Jäger den Wolfsrüden nicht erwischt. Dabei haben offenbar auch Tierschützer ihre Finger im Spiel.

Fristverlängerung für erfolglose Jäger

Seit Ende Januar schon sind die Jäger im Raum Pinneberg-Steinburg auf der Pirsch. GW924m, den Wolfsschützer „Dani“ nennen, hatte dort zuvor immer wieder Schafe gerissen, auch hinter sogenannten Wolfsschutzzäunen. Jetzt musste die Abschuss-Genehmigung um weitere vier Wochen verlängert werden.

Schleswig-Holsteins Grüner Umweltminister Jan Philipp Albrecht erteilte die Abschuss-Genehmigung für den Wolf GW924m. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Das Ministerium liefert auch gleich eine Erklärung hinterher. Dass die Jäger so erfolglos sind, sei „der erheblichen öffentlichen Aufmerksamkeit an dem Vorgang geschuldet“. Die Chance, „ein bestimmtes, scheues und intelligentes Tier zu erlegen“, werde nun mal „durch die Aktivität von unterschiedlichsten Personen an den Sichtungsorten des Wolfs nicht unbedingt gesteigert“.

Unterschiedlichste Personen? Auf LN-Nachfrage spricht ein Mitarbeiter des Ministeriums Klartext: Tierschützer hätten etwa auf Facebook zu Störaktionen aufgerufen, um den Wolf nicht vor die Flinten der Jäger laufen zu lassen. Außerdem fürchteten die Jäger selber, dass sie bei der Jagd erkannt werden könnten, wenn sich andere Personen im Wald aufhielten – und dass sie dann später womöglich Belästigungen durch Tierschützer erdulden müssten.

Wolfsschützerin: „Der Widerstand wächst“

Von organisierten Störaktionen durch Vereine oder Verbände wisse sie zwar nichts, sagt Brigitte Sommer, die Vorsitzende des Vereins „Wolfsschutz-Deutschland“. Ihr Verein habe kürzlich nur einmal zufällig parallel zu einer Jagd eine Müllsammel-Aktion in einem Wald der Region durchgeführt. Aber ganz sicher gebe es „viele Leute, die da was von sich aus machen“. Immer mehr Menschen nämlich könnten es einfach nicht mehr nachvollziehen, weshalb der Wolf GW924m sterben solle. „Der Widerstand wächst.“ Verantwortlich für die Risse seien schließlich ja wohl eher die Schafhalter in der Region, die ihre Herden oftmals viel zu schlecht gesichert hätten.

Der Wolf, der über den Schutzzaun kam

Vier Wölfe halten sich derzeit regelmäßig in Schleswig-Holstein auf. Der von einem Rudel in Dänemark abstammende Rüde GW924m gilt als Problemwolf, weil er immer wieder auch Herdenschutzzäune überwunden und dahinter Schafe gerissen haben soll. Seit Ende November 2018 soll ihm das in mindestens sechs Fällen nachgewiesen worden sein. Der Kieler Umweltminister erteilte die Abschuss-Genehmigung. Man fürchte, der Wolf könne dieses gelernte Verhalten an mögliche Nachfahren weitergeben. Eigentlich sind Wölfe laut EU-Gesetz streng geschützt.

Die Abschuss-Genehmigung für „Dani“ sei daher skandalös, sagt Brigitte Sommer. Sie verstoße gegen EU-Recht. Und: Vielleicht finde man „Dani“ ja auch deshalb nicht, weil er sich gar nicht mehr in der Gegend aufhalte – und für viele der Risse, auch die jüngsten am letzten Wochenende, in Wirklichkeit streunende Hunde verantwortlich seien. Albrecht solle jedenfalls zurücktreten. Er hätte viel früher den Bau von Schutzzäunen fördern müssen.

Grünen-Minister Albrecht will die Jäger aufrüsten

Im Kieler Umweltministerium glaubt man nicht, dass der Problemwolf die Gegend verlassen hat. Albrecht will nun die Jäger aufrüsten, wenn sie bis Donnerstagabend keinen Erfolg melden. Sie sollen den Problemwolf dann mit Nachtsichtgeräten aufspüren. „Wir werden technisch alles zur Verfügung stellen, was geht“, sagt ein Ministeriumssprecher. Man werde „in die nächste Phase dieses Vorgangs eintreten und die Bemühungen zum Abschuss weiter verstärken“, sagt Albrecht selber.

Und wenn GW924m trotz alledem auch nach weiteren vier Wochen nicht zur Strecke gebracht worden ist? Dann, sagt Albrecht, werden eben noch mehr Jäger angeheuert, auch Spezialisten von außen, und das „Bejagungsgebiet“ werde bei Bedarf dann auch erweitert.

Wolfram Hammer

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