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Norddeutschland Verkehrswacht will „Elterntaxis“ verbannen
Nachrichten Norddeutschland Verkehrswacht will „Elterntaxis“ verbannen
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20:10 22.08.2018
Lübeck

„Wir schlagen vor, dass Schüler zumindest die letzten zwei- oder dreihundert Meter zur Schule zu Fuß gehen“, erklärt Elisabeth Pier, Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht. Um zu vermeiden, dass es zu Staus und gefährlichen Situationen vor den Schulen kommt, schlägt der Verein eine Art Bannkreis um die Schulen vor. Denn das Chaos, das vor allem in den ersten Wochen nach der Einschulung zu beobachten sei, gefährde nicht zuletzt die Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kämen. Außerdem, so Pier, tue „etwas Bewegung und frische Luft vor dem Unterrichtsbeginn gut“.

7.15 Uhr vor der Albert-Schweitzer-Grund- und Gemeinschaftsschule in Lübeck. Erst um acht Uhr beginnt der Unterricht. Schon jetzt rollen erste „Elterntaxis“ an – Mütter und Väter, die ihre Kinder absetzen. Für die Verkehrswacht ist der starke Verkehr ein Missstand.

Viele Eltern sehen das etwas anders – sie haben oft gute Gründe, ihre Kinder mit dem Auto vorzufahren. Wie an diesem Morgen vor der Albert-Schweitzer-Schule in Lübeck. „Wir bringen heute eine Kiste Äpfel aus unserem Garten für die Schulbetreuung“, sagt Stefanie Ehmsen (43), die ihre Töchter Lilly (9) und Leonie (7) hergefahren hat. Beide gehen in die vierte Klasse. Aber auch sonst sei es ihr nicht recht, wenn die Kinder zu Fuß gingen oder mit dem Fahrrad führen, sagt die Mutter. „Dann müssen sie alleine durch den Park. Das sollen sie nicht.“

Auch Marion Zimmermann (42) fährt mit dem Auto vor. „Meine Tochter ist gerade erst in die dritte Klasse gekommen“, argumentiert sie. „Und erst in diesem Schuljahr bekommen die Schüler hier Fahrrad-Verkehrsunterricht. So lange sie den nicht gehabt hat, bringe ich sie lieber.“ Das Kind mit dem Rad zur Schule zu schicken, sei ihr auch zu gefährlich. „Viele Autofahrer rasen und nehmen überhaupt keine Rücksicht.“

Neben der Grundschule, die in die Albert-Schweitzer-Schule integriert ist, befindet sich auf dem Areal auch eine Kindertagesstätte. Dorthin bringt Sarah Malner (29) ihre Tochter Hermine (4), ebenfalls mit dem Wagen. „Ich begleite sie jeden Morgen“, sagt die Mutter. „Sonst hätte ich Angst.“ Erst in zwei Jahren komme Hermine in die Grundschule. „So lange bringe ich sie auf jeden Fall noch.“

Es ist inzwischen 7.40 Uhr. Ein Auto kommt nach dem anderen, die Straße ist verstopft. Viele Eltern lassen ihr Kind auf der Straße nur kurz aussteigen und fahren dann gleich weiter.

Justin (13) aus der 7c hat ein Blech mit Kuchen dabei, seine Oma Johanna Kühne (68) hilft ihm beim Aussteigen. „Sonst fährt er immer mit dem Bus“, versichert sie. Aber mit dem Kuchen sei das nicht so gut. „Der ist für die Erstklässler, zu ihrer Einschulung.“

Der nächste, der aus seinem Wagen steigt, ist Frank Schmidt (63). Er bringe seine Nichte Soe (7) nur, weil sie bei ihm übernachtet habe. „Sonst geht sie immer zu Fuß.“

Marco Kind (49) öffnet seiner Tochter Cindy (14) die Wagentür. „Das ist eine Ausnahme, weil die Schule heute auf dem Weg zu einem Kunden liegt“, meint Kind, der einen Hausmeister-Service hat. „Sonst geht sie immer zu Fuß oder fährt Bus.“

Und Nagib Maatok (59) findet, für seinen kleinen Pascal (8) sei der Weg zu Fuß zu weit. „Mit dem Rad wäre es mir auch zu unsicher, es ist zu viel Verkehr.“

Um acht Uhr ist es wieder deutlich ruhiger geworden in der Straße. Anwohner Waldemar Rosmait (52) zuckt gleichmütig die Achseln. „Das ist hier jeden Morgen so. Vor acht Uhr gibt es ein Parkplatz-Problem. Aber es dauert ja nur ein paar Minuten, dann ist alles wieder vorbei.“

Neue Verbotsschilder wolle sie übrigens auch nicht, sagt Verkehrswächterin Elisabeth Pier. „Mir geht es um das Handeln der Eltern aus eigener Einsicht und Verantwortung.“ Schulen und Kommunen könnten die Bannmeilen-Idee unterstützen, indem sie mit Besitzern geeigneter Parkflächen in Reichweite der Schule ins Gespräch kämen. Dann können die Eltern dort anhalten und die Kinder sicher aussteigen.

Von Marcus Stöcklin

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