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Norddeutschland Vermisster Student: Alles spricht für Mord
Nachrichten Norddeutschland Vermisster Student: Alles spricht für Mord
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20:53 29.07.2015
Die Polizei suchte gestern ein Areal bei Neumünster nach der Leiche des Studenten ab.
Die Polizei suchte gestern ein Areal bei Neumünster nach der Leiche des Studenten ab. Quelle: Daniel Friederichs/dpa
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Neumünster

Bisher war es nur eine Vermutung, jetzt hat die Staatsanwaltschaft offenbar konkrete Hinweise: Der seit Mitte Dezember vermisste Horst Georg Linnemann aus Neumünster ist das Opfer eines Mordes geworden. Gestern suchte die Polizei mit Spürhunden nach der Leiche des 28-jährigen Studenten, die, wie die Ermittler glauben, irgendwo im Raum Neumünster „vergraben und vor dem Bedecken mit Erdreich angezündet wurde“.

Der Fall von Horst Georg Linnemann sei überaus mysteriös, räumt die Leitende Oberstaatsanwältin Birgit Heß ein. Ein Motiv für den mutmaßlichen Mord sei bisher ebenso wenig bekannt wie die Umstände von Linnemanns Tod. Vermutet werde lediglich, dass die Tat mit Linnemanns kleinkrimineller Vergangenheit zu tun haben könnte. Woher das Wissen kommt, dass seine Leiche verbrannt worden sei, verrät Heß nicht. Zwar bestehe ein Tatverdacht gegen zwei 28 und 26 Jahre alte Männer, die gegenwärtig wegen eines anderen Deliktes in Untersuchungshaft säßen und „dem persönlichen Umfeld Linnemanns“

zugerechnet würden. Erhärtet habe sich der Verdacht bislang aber nicht. Beide schweigen.

Linnemann war zuletzt am 15. Dezember von seiner Freundin in deren Wohnung gesehen worden. Fünf Tage später wurde sein dunkelblauer Golf IV mit dem Kennzeichen NMS-ZX 88 in Hamburg entdeckt. „Wir gehen davon aus, dass dieses Auto in dem Fall eine wichtige Rolle spielt“, erklärt die Oberstaatsanwältin. Gleiches gelte für einen Leihanhänger mit gelber Plane der Firma Voss aus Neumünster. Dieser sei am 3. Januar umgestürzt an der Weberstraße in Neumünster gefunden worden. Nach Recherchen der LN soll sich Linnemann eine Zeit lang mit Diebstählen über Wasser gehalten haben. Auf dem sozialen Netzwerk Facebook war er zudem mit bekannten Größen aus der Neumünsteraner Neonazi-Szene befreundet. Wie weit die Verbindungen gingen, ist unklar.

Kurz bevor der junge Mann im Dezember spurlos von der Bildfläche verschwand, gab es jedoch einschneidende Veränderungen in seinem Leben. Im September trat der 28-Jährige ein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Kiel an. Etwa zur gleichen Zeit wurde seine Freundin schwanger. Die gemeinsame Tochter kam im vergangenen Monat zur Welt. Im November starb außerdem sein Vater, ein angesehener Arzt aus dem niedersächsischen Bremervörde. Zu ihm soll der Vermisste allerdings seit Jahren keinen Kontakt mehr gehabt haben. Ob all diese Umstände etwas mit Linnemanns Verschwinden zu tun haben, weiß derzeit aber niemand.

Bei Facebook, wo die Freundin des Studenten eine Vermisstenseite eingerichtet hat, spekulieren Freunde, dass Linnemann womöglich nur untergetaucht sein könnte. „Das hat er früher immer und immer wieder erwähnt“, behaupten Menschen, die ihn kannten. Oberstaatsanwältin Birgit Heß schließt diese Theorie jedoch aus: „Die Ermittlungen dauern bereits seit einigen Monaten an. Und nach derzeitigem Stand müssen wir davon ausgehen, dass Horst Georg Linnemann tot ist.“

Die Suche mit Spürhunden auf einem 4000-Quadratmeter-Areal bei Neumünster führte gestern zu keinem Ergebnis. Heute soll die Aktion fortgesetzt werden.

Belohnung für Hinweise
1500 Euro Belohnung hat die Staatsanwaltschaft für Hinweise ausgesetzt, die helfen, die Leiche von Horst Georg Linnemann aufzufinden und seine mutmaßlichen Mörder zu ergreifen. Gesucht werden Zeugen, die den Vermissten am 15. Dezember 2014 vor seinem Verschwinden gesehen haben oder weitere Angaben zum Sachverhalt sowie zum Pkw oder dem Anhänger machen können. Die Kriminalpolizei ist unter der Nummer 0431/1603333 zu erreichen.

Oliver Vogt