Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Verschwand das Geld an der A 21 oder an einer Tankstelle?
Nachrichten Norddeutschland Verschwand das Geld an der A 21 oder an einer Tankstelle?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 26.01.2018
Auf dem kleinen Rastplatz Rehbrook-Ost an der A 21 (Bargteheide–Kiel) begann gestern die Spurensuche.
Auf dem kleinen Rastplatz Rehbrook-Ost an der A 21 (Bargteheide–Kiel) begann gestern die Spurensuche. Quelle: Foto: Jens Burmester
Tremsbüttel

Zwei Polizisten in Zivil haben den Rastplatz komplett im Blick. Eine Beamtin notiert die Kennzeichen aller Fahrzeuge, die auf den Parkplatz fahren. Vermutlich auch die der Pressevertreter, deren Zahl gestern Nachmittag schnell auf mehr als ein halbes Dutzend angewachsen ist. „Eigentlich soll die Autobahn gesperrt werden, weil hier gleich ein Einsatz mit Polizeihunden stattfindet“, sagt ein Beamter. „Man weiß ja nie, wohin die Hunde laufen.“ Bei dieser Einsilbigkeit der Ermittler bleibt es dann aber. Mehr wolle und dürfe er nicht sagen, erklärt der Polizist. Nicht einmal, warum dieser Einsatz laufe.

Es sind fast gespenstische Szenen, die sich auf dem Rastplatz Rehbrook-Ost an der A 21 bei Tremsbüttel (Stormarn) abspielen. Die Polizei ist mit Spürhunden im Einsatz – auf der Suche nach 2,3 Millionen Euro, die aus einem Geldtransporter verschwunden sind. Hier, oder doch woanders?

Das aber liegt auf der Hand. Der Einsatz läuft, weil hier am Mittwoch ein Geldtransporter für wenige Minuten anhielt, auf seiner Tour von Hamburg nach Kiel. Und in Kiel waren auf einmal drei Geldkassetten weg. Inhalt: 2,3 Millionen Euro in Scheinen.

Inzwischen ist es voll geworden in Rehbrook-Ost. Zwei Kripobeamte aus Rendsburg, ein Hundeführer aus Ostholstein, ein weiterer aus Ratzeburg sind eingetroffen, dazu der Revierführungsbeamte der Autobahnpolizei Bad Oldesloe. Sie alle stecken die Köpfe zusammen. Minuten später holt der erste Hundeführer seinen Diensthund, einen Coonhound, aus seinem Auto, legt ihm das Geschirr an, nimmt ihn an die lange blaue Leine. Dann muss das Tier seine Nase in eine braune Asservaten-Tüte mit einer Geruchsprobe stecken. Der Coonhound lenkt seinen Hundeführer direkt zu einem doppelflügeligen Tor im Wildschutzzaun. Das ist mit einer Eisenkette und Vorhängeschloss gesichert, am Boden schon komplett eingewachsen. Die Beamten lassen das Tor öffnen, suchen dahinter weiter. Dort, in einem kleinen Waldstück, verläuft parallel zum Rastplatz ein Weg. Nach einer guten Stunde ist die Polizeiaktion beendet. Zur selben Stunde verkündet Oberstaatsanwalt Axel Bieler in Kiel, dass die GPS-Auswertung ergeben habe, dass der Geldtransporter noch einen zweiten Stopp einlegte: „An der B 404 auf einem Parkplatz unweit der Tankstelle in Kirchbarkau.“ Beide Fahrer verließen dort das Fahrzeug.

Möglicherweise gingen sie zur Tankstelle. Eine neue Spur?

In Schleswig-Holstein war zuletzt am 16. Oktober 2006 in Travemünde ein Geldtransporter der Deutschen Bahn (DB) überfallen worden. Die Täter entkamen mit 160 000 Euro in Münzen und kleinen Scheinen. Vier Jahre später wurde einer der Täter überführt. Als Urkundenfälscher wurde ihm ein DNA-Abgleich zum Verhängnis.

Eine Rekordbeute von 3,6 Millionen Euro machten fünf Täter im März 1997 in Soltau (Niedersachsen). Eine Spur führte in die Kleiderkammer der Lübecker Polizei. Ein dort beschäftigter Beamter hatte den Tätern Hinweise auf die Fahndungsarbeit der Polizei gegeben.

„Mutter aller Überfälle“ bleibt der Postzugraub von 1963, an dem mindestens zwölf Täter beteiligt waren. Sie erbeuteten 2,6 Millionen Pfund Sterling. Heute entspräche das rund 56 Millionen Euro.

Von Jens Burmester und Curd Tönnemann