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Norddeutschland Verwöhnt vom Arbeitsmarkt: Viele Azubis schmeißen hin
Nachrichten Norddeutschland Verwöhnt vom Arbeitsmarkt: Viele Azubis schmeißen hin
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19:00 08.12.2019
Die Lage ist für Azubis derzeit gut wie selten zuvor. Viele wechseln die Stelle. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Lübeck/Berlin

Experten bezweifeln, dass sich mit einer Reform, womit Azubis ab 1. Januar 2020 im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro erhalten sollen, irgendetwas an der Situation bessert.

„Natürlich spielen die momentane wirtschaftliche Situation und die Lage auf dem Ausbildungsmarkt eine Rolle”, sagt Anja Schomakers, Sprecherin der Handwerkskammer Lübeck. Das Ausbildungsangebot sei momentan sehr gut und groß. Das erleichtere einen Wechsel. Gründe für die Auflösung eines Ausbildungsvertrags könnten falsche Vorstellungen des Azubis über seinen Lehrberuf sein. Manchmal stimme auch einfach die Chemie zwischen Ausbildungsbetrieb und Auszubildendem nicht.

Lübeck besser als der Durchschnitt

Laut Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) liegt die Region Lübeck immerhin noch besser als der schleswig-holsteinische Mittelwert.

Von 10 404 Lehrlingen im Handwerk brachen nach Angaben der Lübecker Kammer im vergangenen Jahr 1690 junge Leute ihre Ausbildung ab. Landesweit lag die Quote der von Azubis gelösten Verträge sogar bei 27,7 Prozent (25,5 Prozent Industrie und Handel/33,7 Prozent Handel). Dabei schmeißen Azubis in einigen Branchen besonders schnell hin: Die meisten Lehrverträge werden bundesweit von Restaurant-Fachkräften (51,5 Prozent), Bodenlegern (48,9), Gerüstbauern (48,8) sowie angehenden Friseuren und Koch-Azubis (je 48,2) gelöst. Ihrem Lehrherren am treuesten sind Verwaltungsfachangestellte (4,1 Prozent Vertragslösungen).

Der Großteil wechselt die Stelle

Die Handwerkskammer Lübeck legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass ein Großteil dieser jungen Leute die Ausbildung nicht wirklich abbreche, sondern in einem anderen Betrieb fortsetze. Viele Vertragslösungen fänden eben auch einvernehmlich in der Probezeit statt – und dafür sei sie schließlich da – „um möglicherweise falsche Entscheidungen zu korrigieren”. Nur etwa jeder vierzehnte (7,4 Prozent) Ausbildungsanfänger in Schleswig-Holstein erreicht bis zum Alter von Mitte Zwanzig keinen Berufsabschluss, so eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die jungen Leute seien besser als ihr Ruf.

Was ändert der Mindestlohn?

Dass sich die Abbrecherquote von Lehrlingen mit Einführung des Mindestlohns für Azubis ab 2020 verringert, hält die Kammer für unwahrscheinlich. „Die Ausbildungsvergütung ist selten der Grund für den Abbruch einer Ausbildung”, erklärt Kammersprecherin Schomakers. Nach einer Prognose der BIBB-Experten könnten allerdings gerade kleine Betriebe ihr Ausbildungsangebot verknappen.

„Das Thema Ausbildungsabbrüche ist für die Arbeitsagenturen und Jobcenter besonders wichtig, da wir häufig mit diesem Thema konfrontiert werden”, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Denn die Gefahr, arbeitslos zu werden oder gar längere Zeit arbeitslos zu bleiben, besteht gerade für junge Frauen und Männer mit gelösten Ausbildungsverträgen.” Haupt-Koopmann setzt deshalb auf Präventionsarbeit, exemplarisch die Intensivierung der Berufsorientierung an den Schulen. „Jeder Ausbildungsabbrecher ist einer zu viel.”

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Von Curd Tönnemann

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