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Norddeutschland Von Lübeck nach Scharbeutz: Eine Fahrt mit Trabi „Gerda“ entlang der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Von Lübeck nach Scharbeutz: Eine Fahrt mit Trabi „Gerda“ entlang der Ostsee
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10:42 10.07.2019
Mit „Gerda“ hat Nils Bruse Gelassenheit gelernt: Bei den regelmäßigen Spritztouren mit seinem Trabi genießt der Lübecker die Landschaft in der Region. Quelle: FOTOS: Saskia Hassink
Lübeck/Scharbeutz

Felder und Wiesen fahren an der Scheibe vorbei, Bäume und Büsche verschmelzen zu einer grünen Wand. „Gerda“ nähert sich einer Kreuzung. Langsam kommt sie zum Stehen. „Reng-Teng-Teng“. Der Innenraum des Trabanten ruckelt im Rhythmus des Zweitaktmotors. Nils Bruse muss seine „Gerda“ zurückhalten, sie will weiter. „Reng-Teng-Teng“.

Bruse sitzt hinterm Steuer des Trabanten. Der 43-Jährige ist seit zwei Jahren mit „Gerda“ auf den Straßen von Schleswig-Holstein unterwegs. „Ich mache gerne Touren unter der Woche“, erzählt er, während er die Kupplung tritt und den ersten Gang einlegt. Der Motor dröhnt, „Gerda“ kommt wieder in Bewegung. „Einfach um zu Entschleunigen.“ Bruse arbeitet in einer Druckerei auf Marli in Lübeck – als Ausgleich zum Job setzt er sich auf die Kunstledersessel des alten Trabanten und fährt los. Bei Sonnenschein und blauem Himmel düst er mit „Gerda“ durch Wald und Wiesen, an Ostsee und Stränden vorbei.

Als „Papp-Autos“ bekannt sind Trabanten heute wahre Kult-Objekte. Kunstledersitze, Klappfenster und gerade einmal 26 PS: Auch Trabi „Gerda“ ist Beweis für den Komfort aus den 80er Jahren.

Der Trabant„Gerda“ ist ein Hingucker

Heute geht es Richtung Ahrensbök zum Hofcafé Steffens in Langendamm, um ein leckeres Bauernhof-Eis zu probieren. Kaum kommt „Gerda“ auf dem Parkplatz zum Stehen, da wird eine Passantin auf den Trabanten in der Farbe „Papyrus“ und seinem himmelblauen Dach aufmerksam. „Der ist ja süß“, sagt sie und schmunzelt. „Bei vielen kommen Erinnerungen an früher hoch, wenn sie den Trabi sehen“, erzählt Bruse. Oft kommt er dann mit den Leuten ins Gespräch.

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Nach der kurzen Pause und einem Buttermilch-Zitronen-Eis für Bruse ist „Gerda“ wieder auf der Landstraße. Maximal 100 km/h könnte Gerda auf die Straße bringen. Bruse lässt es aber gemächlich angehen: Mit Tempo 80 geht es in Richtung Scharbeutz, als ein Trecker vor ihm auftaucht. „Tja, da überlegt man: Überhol ich jetzt?“, sagt Bruse. Denn der Trabant aus dem Jahr 1986 hat gerade einmal 26 PS unter der Haube. „Aber da hier eh Überholverbot ist, hat sich das erledigt.“ Bruse hat mit „Gerda“ Gelassenheit gelernt. Während der Trabi gemächlich hinter dem Traktor her zuckelt, genießt der 43-jährige Lübecker die Aussicht. „Ich fahre gerne ans Wasser. Da ist immer ein bisschen was los“, sagt er.

Wartezeit für einen Trabanten lag in den 80er Jahren bei zehn Jahren –Kosten: 8500 DDR-Mark

Schon muss sich der kleine Trabant durch die Strandallee in Richtung Timmendorfer Strand schlängeln. Touristen tummeln sich an den Seiten der engen Straße. Vor ihm fährt ein Porsche. „Das ist Kontrastprogramm“, sagt Bruse und lacht. „Das Auto hat Zehntausende Euro gekostet und kommt trotzdem nicht schneller voran als wir.“

Das ist eine Route, die Nils Bruse gerne mit seiner "Gerda" abfährt. Quelle: Jochen Wenzel

Ein Trabi hat in der ehemaligen DDR etwa 8500 DDR-Mark gekostet – und jede Menge Geduld: Die Wartezeit für einen Trabanten lag in den 80er Jahren bei zehn Jahren. Nach der Wende sank dann aber das Interesse an dem wegen seiner Kunststoff-Karosserie als „Papp-Auto“ bezeichneten Wagen. Gebrauchtwagen aus dem Westen waren damals viel interessanter. Der Anfang vom Ende für die Trabis. Haufenweise haben Besitzer sie auf Feldwegen oder Wiesen abgestellt.

„Gerda“ wurde für fünf Mark erworben

„Gerda“ hatte dagegen noch Glück: Sie kam ins Autohaus eines Bekannten der Familie. „Meine Schwiegermutter hat ,Gerda’ für fünf Mark gekauft“, sagt Bruse. „Zwei Jahre hat sie sie gefahren.“ Danach stand der Trabi in der Scheune – 22 Jahre. 2017 musste entschieden werden: Bleibt der Trabant oder kommt er weg? Bruse fasste sich ein Herz, wechselte Bremsen, Dichtungen, Schläuche aus und machte „Gerda“ fahrtüchtig.

Geschichte erleben

Wer sich für dieinnerdeutsche Grenze zwischen Elbe und Ostsee interessiert, der sollte das Grenzhus in Schlagsdorf besuchen. Das Informationszentrum stellt den Alltag der Menschen auf beiden Seiten der Grenze in den Mittelpunkt. Das besondere an der Ausstellung ist der regionalisierte Blick auf die Geschichte.

Bei einem „Grenzparcour“, der entlang des ehemaligen Grenzbereichs verläuft, wird an 14 Stationen über historische Ereignisse und den Aufbau der Grenzsperranlagen erzählt.

Das Grenzhus ist montags bis freitags von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Weitere Infos unter www.grenzhus.de.

Zum letzten Stopp hält Bruse seine „Gerda“ am Niendorfer Hafen. Bei einer Limo genießt er den Blick auf die Schiffe, die hier fest vertäut sind. Dann setzt er sich wieder auf die Kunstledersitze, zündet den Motor. „Reng-Teng-Teng“ macht „Gerda“ und ruckelt los. Im gemütlichen Tempo geht es zurück nach Lübeck.

Saskia Hassink

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