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Norddeutschland Von der Aushilfe zur Chefin: Diese Frau füttert Pferde fit
Nachrichten Norddeutschland Von der Aushilfe zur Chefin: Diese Frau füttert Pferde fit
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10:00 16.02.2020
Yvonne Hahn (37) ist Inhaberin der Futterkiste in Todendorf (Kreis Stormarn). Das Geschäft hat sich auf Nahrung für Pferde und Nutztiere spezialisiert. Quelle: Jan Wulf
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Todendorf/Lübeck

Schlüsselbein, Schulterblatt, Daumengelenk, Lendenwirbel. Alles kaputt. Es war das Ergebnis einer „ganz blöden Situation“ vor etwas mehr als zehn Jahren, wie es Hahn heute beschreibt. Die Ahrensburgerin war gerade dabei, ein drei Jahre altes Pferd anzureiten, als der schlimme Unfall geschah. Die Heilung dauerte, die Ärzte rieten ihr zu warten, nicht zu früh wieder mit der Arbeit anzufangen. Vergeblich. „Ich bin ein ungeduldiger Mensch“, sagt die 37-Jährige.

Arbeit als Pferdewirtin unmöglich

Sie begann nur wenige Monate später wieder im Stall zu arbeiten. Doch das sollte sich rächen. Der Lendenwirbel flog immer wieder raus. Die Arbeit als Pferdewirtin: sie war unmöglich geworden. Über Kontakte kam die gebürtige Lübeckerin damals als Aushilfe bei der Futterkiste in Todendorf (Kreis Stormarn) unter. Seit Dezember 2019 ist sie nun selbst die Inhaberin des Futtermittelgeschäfts unmittelbar an der A 1.

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Ein alter Kuhstall wurde umgebaut, in dem Lager wurden früher Bullen gezüchtet. Das ist die Futterkiste im stormarnischen Todendorf.

Sechs Tage geöffnet pro Woche

Dabei war sie eigentlich schon von Beginn an die heimliche Chefin, sagten ihre Freunde, als Hahn ihnen erstmals von der Idee erzählte, den Laden zu übernehmen. Tatsächlich entwickelte sich das Geschäft, dass der frühere Inhaber nur nebenbei führte, rasant, als Hahn an Bord kam. Aus einem einzelnen unbeheiztem Raum ist ein schmucker Hofladen in einem ehemaligen Kuhstall mit rund 100 Quadratmeter Verkaufsfläche geworden. Aus drei Verkaufsnachmittagen hat sich ein ganztägiger, sechstägiger Geschäftsbetrieb entwickelt. Rund zehn Tonnen Futtermittel werden pro Woche umgesetzt. Drei Mitarbeiter betreuen die Kunden inzwischen.

Existenzgründerpreis: So bewerben Sie sich

Sie können sich jetzt bewerben: Die Bewerbungsfrist für den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft 2020 läuft. Den Preis schreiben die LN gemeinsam mit der Kaufmannschaft zu Lübeck , der IHK zu Lübeck und dem Technikzentrum Lübeck aus. Der Wettbewerb richtet sich an Unternehmer, die ihren Betrieb nach dem 1. Januar 2016 in Lübeck, in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn, Segeberg, Ostholstein oder Nordwestmecklenburg gegründet haben. Der mit 5000 Euro dotierte Existenzgründerpreis soll innovative Unternehmen aus der Region in der Startphase unterstützen, hinzu kommt ein Mediapaket der Lübecker Nachrichten im Wert von 2000 Euro. Zudem wird ein Innovations- und Mutpreis vergeben, der mit 3000 Euro dotiert ist und ebenfalls durch ein LN-Mediapaket im Wert von 2000 Euro ergänzt wird. Dieser Preis wird, nach Vorarbeit durch die Jury, durch das Publikum vergeben. Die feierliche Verleihung findet am 3. Juni in den Media Docks statt. Unterlagen und Infos zum Bewerbungsablauf finden Sie im Internet unter www.LN-Existenzgruenderpreis.de

Kennen Sie einen Existenzgründer, der eine preisverdächtige Idee verwirklicht, aber selbst keine Bewerbung abgibt? Dann schlagen Sie uns diese Firma vor! Wir wenden uns dann an die Unternehmerin oder den Unternehmer. Wenden Sie sich einfach per E-Mail an existenzgruenderpreis@LN-Luebeck.de

Großer Kundenstamm

Es sind private Pferdehalter aus dem Freizeit- und Sportbereich, Züchter, Landwirte, aber auch kleine Hühner- und Kaninchenhalter. Sie kommen aus dem gesamten Kreis Stormarn und sogar auch aus Lübeck. Hahn vertreibt überwiegend Nahrungsmittel und Spezialfutter für die Tiere, dazu aber auch Einstreuware, Tierpflegeprodukte und Mittel zur Schädlingsbekämpfung. „Ich habe die Kunden gerne vor mir stehen“, sagt Hahn. „Ich will verhindern, dass Tiere falsch gefüttert werden. Es kann deshalb auch schon mal passieren, dass ich einen Kunden ohne Ware nach Hause schicke, weil der etwas kaufen wollte, was für sein Tier ungeeignet ist“, erzählt die 37-Jährige. „,Wir füttern Pferde fit’ unser Firmenmotto.“

Sortiment soll ausgebaut werden

Und der Laden soll weiter wachsen. Ihr schwebt die Renaissance eines alten Raiffeisen-Markts vor. „Wo Landwirte auch mal vernünftige Arbeitskleidung kaufen könne“, sagt Hahn. Selbst Jungbauern würden nämlich nicht gerne online kaufen, sondern die Klamotten gerne vorher einmal prüfen, ist die Stormarnerin sicher. Den einstigen Hof-Lieferservice hat sie inzwischen eingestellt, weil er nicht wirtschaftlich genug ist. Der Onlineshop geht bald vom Netz, er wird durch eine schicke neue Homepage ersetzt. Aus der früheren Aushilfe ist schnell eine echte Chefin geworden.

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Von Jan Wulf