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Norddeutschland Von wegen altes Eisen: Senioren stürmen die Fitness-Studios
Nachrichten Norddeutschland Von wegen altes Eisen: Senioren stürmen die Fitness-Studios
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20:10 11.04.2018
Asmus Doehring (64) geht drei Mal die Woche zum Training, um unter anderem seine Muskulatur im Nacken- und Armbereich zu stärken. Quelle: Fotos: O. Malzahn
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Lübeck

Joseph Bernard ist 85 Jahre alt. Das hält ihn aber trotzdem nicht davon ab, zwei Mal die Woche zu trainieren. An verschiedenen Geräten beim Kieser-Training in Lübeck stärkt er seine Muskulatur.

Ältere Menschen zieht es immer öfter ins Fitness-Studio. Auch in Norddeutschland will die Generation 60 plus fit bleiben. Sie trainieren im Zirkelkreis, stärken den Rücken und wollen sich bewegen. Die Branche sieht viel Potenzial und stellt ihre Angebote auf die „Best Ager“ ein.

Waschbrettbauch und dicke Oberarme sind aber nicht das Ziel von Bernard. „Ich möchte fit und beweglich bleiben“, sagt er.

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Mit diesem Ziel ist der Senior nicht alleine. Viele der Generation 60 plus arbeiten an den Geräten. „Ich habe schon immer Sport gemacht“, sagt Asmus Doehring. Der 64-Jährige ist seit einem Jahr im Ruhestand. Zurücklehnen will er sich aber nicht. Drei Mal die Woche geht er trainieren. Und die Trainingsstunden zeigen Wirkung: Doehring fühlt sich fitter, braucht „keine Massagen oder Fango-Packungen“. Carsten Wigger, Trainer bei Kieser-Training, fällt auf, dass ältere Menschen heute immer stärker auf ihren Körper achten. „Keiner kommt hier freiwillig her, weil es so viel Spaß

macht“, sagt er. Viele hätten Probleme, die sie mit gezieltem Training angehen und beheben wollen.

„Best Ager“ heißen die höheren Semester in der Fitness-Branche. Eine steigende Zielgruppe unter den 10,6 Millionen Mitgliedern der deutschen Fitness-Studios: 1,33 Millionen Frauen und Männer sind 60 Jahre oder älter, ermittelte der Arbeitgeberverband deutscher Fitnessanlagen DSSV Ende 2017. Innerhalb von vier Jahren ist das ein Plus von fast 20 Prozent.

„Es ist ein deutlicher Anstieg zu spüren“, sagt Rico Wolf, Trainer beim Studio FitX in Lübeck. „Wir haben auch eine Neuanmeldung vom Jahrgang 1942.“ Viele Senioren wollen dabei vor allem ihren Körper gesund halten. „Sie wollen sich besser, fitter und gesünder fühlen“, sagt Wolf. Das will Viktoria Fischer mit Radfahren, Zirkeltraining und Walken erreichen. „Ich bin zwei bis drei Mal die Woche hier, um wieder in die Gänge zu kommen“, sagt die 74-Jährige.

Viele Studios der Branche wollen die höhere Altersgruppe an sich binden. „Die Fitness-Industrie hat sich auf diese Zielgruppe bereits gut eingestellt und wird das auch in Zukunft verstärkt tun“, sagt ein DSSV-Sprecher. Heißt: Gesundheitscheck bei der Aufnahme, viel altersgerechtes Krafttraining und Rückenschule.

Das gibt es auch beim Fitness- Center Holmes Place in Lübeck. Der Personal-Trainer Thomas Reimers stimmt das Training für jeden Kunden persönlich ab. „Auch im Alter machst du Fortschritte“, betont er. „So bekommt man ein Stück mehr Lebensqualität.“

Das kann Reinhard Loppnow unterschreiben. Im Mai wird er 70. Er joggt, radelt, schwimmt und trainiert drei Mal die Woche im Studio. Seine „Altersvorsorge“ nennt der drahtige Senior sein Training.

„Die Bewegung ist wichtig“, sagt er. „Nicht die Ruhe.“

Fitnessmarkt in Bestform

Die Fitness-Branche boomt: Mit deutschlandweit 9000 Studios, 10 Millionen Mitgliedschaften und einem Gesamtumsatz von 5,2 Milliarden Euro erreichte sie 2017 einen neuen Spitzenwert. Damit steht Deutschland im Europavergleich vor Großbritannien und Frankreich auf Platz eins. Besonderen Auftrieb verzeichnen Formate wie Discountfitness und Mikrostudios, die von Fitness-Ketten gesteuert werden.

Der Grund für diesen Boom ist das steigende Interesse an Körper und Gesundheit. Im Schnitt zahlen die Deutschen 44 Euro im Monat für eine Mitgliedschaft.

 Saskia Hassink