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Norddeutschland Vorsorge-Untersuchung beim Hausarzt künftig nur noch alle drei Jahre
Nachrichten Norddeutschland Vorsorge-Untersuchung beim Hausarzt künftig nur noch alle drei Jahre
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20:49 09.03.2019
Eine vollständige körperliche Untersuchung ist elementarer Bestandteil des „Check-up 35“. Quelle: BERND WEISSBROD/DPA
Lübeck/Kiel

Denn für Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, ist die Leistungserhöhung „eher marginal“. So soll unter anderem zukünftig eine Impfanamnese fest verankert werden. „Bei den Vorsorgeuntersuchungen untersuchen wir in der Regel aber bereits jetzt immer mehr als vorgeschrieben – das macht man als Hausarzt einfach automatisch so.“

Neue Krankheiten werden selten entdeckt

Er stört sich an den längeren Zyklen der Vorsorge-Untersuchungen. „Oftmals wird von uns eine Krebsvorsorge sogar noch zusätzlich eingestreut, damit wir einen jährlichen Kontakt zu den Patienten haben“, sagt Maurer. Eben dieser regelmäßige Kontakt begründe den Erfolg der Vorsorge. „Nach unseren Erfahrungen wird bei den Checks nämlich eher selten eine neue Krankheit entdeckt. Viel mehr geht es darum, bestimmte Entwicklungen zu beobachten“, so Maurer. Ein Abstand von drei Jahren zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen ist seiner Ansicht nach zu lang.

Mehr Arbeit für Hausärzte?

Auf die Hausärzte sieht er durch die neue Richtlinie insgesamt mehr Arbeit zukommen. Denn bislang würden Patienten oftmals Fragen zu bestimmten Probleme sammeln – und diese zusammen mit dem Check dann abklären. „Nun werden die Patienten eher jedes halbes Jahr – auch wegen Kleinigkeiten – in die Praxen kommen“, vermutet Maurer.

Das wird gemacht und das ist neu

Beim „Check-up 35“ befragt der Arzt den Patienten zunächst zu Vorerkrankungen und Krankheiten von Familienmitgliedern sowie zu eventuellen Beschwerden. Danach folgt eine vollständige körperliche Untersuchung, unter anderem von Herz, Lunge, Bauch und Wirbelsäule. Blut und Urin werden untersucht, auch der Blutdruck wird gemessen. Abschließend informiert der Arzt über die Ergebnisse und erstellt ein individuelles Risikoprofil.

Zukünftig wird die Untersuchung neben einer Impfanamnese auch um eine vollständiges Blutuntersuchung (Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceriden – bisher nur Gesamtcholesterin) ergänzt. Mittels Risk-Charts sollen außerdem kardiovaskuläre Risiken systematisch erfasst werden.

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung

Krankenkassen loben Neuerungen

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH) hatte der Gesetzgeber dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Berlin eine Anpassung der Vorsorge-Untersuchung aufgetragen. Das im Juli 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz sah vor, dass der Ausschuss den Check-up unter die Lupe nimmt und nachjustiert. „Grundsätzlich möchte der Gesetzgeber durch die Änderung erreichen, dass individuelle Risiken von Herz-Kreislauf-, Krebs- und chronischen Atemwegserkrankungen früher erfasst und später auch zielgerichteter überwacht werden“, teilt die KVSH mit.

Zukünftig haben nämlich bereits auch Versicherte ab einem Alter von 18 Jahren einen ersten Anspruch auf die ärztliche Gesundheitsuntersuchung – allerdings bis zu ihrem 35. Geburtstag nur einmal. „Auch die Beratung des Patienten erhält künftig mehr Gewicht. Patienten sollen dadurch motiviert werden, mehr für ihre Gesundheit zu tun. Aus medizinischer Sicht ist dies zu begrüßen“, lobt die KVSH.

Ärztekammer rät: Expertise befolgen

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein (AEKSH) hält den „Check-up 35“ grundsätzlich für sinnvoll. Vizepräsidentin Gisa Andresen betont aber: „Dabei ist es entscheidend, dass der Patient das Beratungsgespräch im Anschluss auch nutzt und der Expertise des Arztes folgt.“ Ob der Check alle zwei oder drei Jahre stattfindet, hält Andresen dabei für nicht entscheidend. „In der Regel handelt es sich um gesunde Patienten, die die Vorsorge aufsuchen. Sollten bei denen in der Zwischenzeit Probleme auftreten, suchen sie ohnehin einen Arzt auf.“

Bei der AOK Nordwest und der Techniker Krankenkasse nutzt pro Jahr etwa jeder vierte Versicherte den Check-up. In Summe nehmen damit also etwa 50 Prozent der Versicherten bei den Kassen die (noch) zweijährige Vorsorge-Untersuchung in Anspruch. Bei der Barmer sind es nur 33 Prozent der Versicherten.

Jan Wulf

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