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Norddeutschland Wasserbauer werden dringend gesucht
Nachrichten Norddeutschland Wasserbauer werden dringend gesucht
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08:11 20.10.2018
Die Wasserbaugesellen Nico Marquardt (l.) und Pascal Redder zurren Weidezweigen zu einem Bündel zusammen. Es wird für die Uferbefestigung benötigt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Sie halten die Wasserstraßen in Schuss: Wasserbauer. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lübeck beschäftigt rund 25 von ihnen. Jetzt werden wieder Bewerber gesucht.

Der Name verrät es schon – seefest muss man sein als Wasserbauer. Schließlich geht es um die Wartung und Pflege von Wasserstraßen mit den dazugehörigen Gebäuden und Anlagen. „Das ist ein ganz besonderer Beruf, den die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hier anbietet“, erklärt Henning Dierken, Amtsleiter in Lübeck.

Mit einem sogenannten Würgeholz zurren die Wasserbaugesellen Nico Marquardt (20) und Pascal Redder (24) die etwa drei Meter langen Weidezweige zu einem kompakten Bündel zusammen. Eng verschnürt werden sie später zwischen Holzpfählen am Ufersaum der Trave versenkt. „Das verhindert, dass der Boden vom Wellenschlag ausgespült wird“, erklärt Lehrgeselle Andreas Stutz. Der 54-Jährige hat vor fast 40 Jahren seine Lehre als Wasserbauer begonnen und gibt sein Wissen nun an die Auszubildenden weiter. „Der Beruf ist so vielseitig wie kaum ein anderer“, sagt Stutz. Denn auch Tischler-, Maurer-, Pflaster- und Vermessungsarbeiten müssen erledigt werden.

Bauwerksinspektion einmal im Jahr

Was der Straßenwärter an Land, ist der Wasserbauer auf Flüssen und an Küsten. Wasserwege, Schleusen, Ufer und Küsten müssen kontrolliert, instand gehalten, gepflegt und vermessen werden. So werden Leuchtpfähle im Wasser neu gerammt, Uferfeuer von Ästen und Buschwerk freigeschnitten und Ufertreppen gebaut. Die Wasserbauer des Außenbezirkes Lübeck sind für die Kanaltrave, die Trave sowie von Fehmarn bis zur Lübecker Bucht zuständig. Einmal im Jahr steht eine Bauwerksinspektion an. Dazu steigen Marquardt und Redder, die vor einem Jahr ihre Ausbildung in Lübeck erfolgreich abgeschlossen haben, in ein kleines Boot und gehen dem Meeresboden auf den Grund, beispielsweise an der Nordermole oder auch an Brückenpfeilern. Mit Peilstange und Peilkette wird der Untergrund vermessen. „Dabei wird geprüft, wie er sich an Bauwerken entwickelt, etwa durch die Strömungsverhältnisse“, so Stutz. Die Daten werden teils auch vom Bundesinstitut für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) genutzt, die diese in die offiziellen Seekarten einarbeiten.

Auch bei der Wartung der Tonnen helfen die Wasserbauer. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Auch bei der Kettenkontrolle sind die Wasserbauer mit dabei. Mit dem Tonnenleger „Seeadler“ geht es vom Werksgelände im Stadtteil Karlshof Richtung Travemünde. Nahe dem Lehmannkai muss die Kette einer Tonne geprüft werden. Mit dem Kran wird das 1,2 Tonnen schwere Teil aus dem Wasser gehoben. Die 15 Meter lange Kette muss von Muscheln und Algen befreit werden, um auf Schadstellen kontrolliert werden zu können. „Mir gefällt es vor allem, draußen zu arbeiten“, berichtet Marquardt. Er hatte nach genau so einem Beruf gesucht und sich schließlich daran erinnert, dass schon sein Großonkel als Wasserbauer in Lübeck tätig war. Bereits seit den 60er Jahren werden in Lübeck Wasserbauer ausgebildet. Redder erfuhr über einen Feuerwehrkollegen von dem Beruf, der kaum bekannt ist.

Handwerkliches Geschick gefragt

Gefragt sind handwerkliches Geschick, technisch-mathematisches Verständnis und eine Verbundenheit zur Natur. Denn Wasserbauer sind das ganze Jahr über draußen im Einsatz. Wichtig ist die Arbeit im Team. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Betrieb sowie in der Berufsschule statt. Die beiden überbetrieblichen Ausbildungsstätten liegen in Koblenz und im brandenburgischen Kleinmachnow. Wer etwa seine Lehrstelle an einem Fluss oder Kanal hat, lernt dort auch die Grundlagen im Insel- und Küstenschutz kennen – und umgekehrt. Dazu kommt Projektarbeit wie Renaturierung, Treppenbau und Schleusentrockenlegung.

Deutschlandweit sind rund 13 000 Wasserbauer beschäftigt. Sie kontrollieren und warten das 7350 Kilometer lange Wasserstraßennetz mit seinen Schleusen und Stauanlagen.

Weiterbildung möglich

Wasserbauer arbeiten meist in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes oder in den Wasserverbänden der Länder. Seltener sind es Unternehmen, die auf den Wasserbau spezialisiert sind.

Für die Lehre wird kein bestimmter Schulabschluss vorausgesetzt. Empfohlen ist aber ein guter bis sehr guter Erster Allgemeinbildender Schulabschluss (ESA). Außerdem sollte man schwimmen können und schwindelfrei sein. Die Stellenausschreibung für das kommende Jahr läuft noch bis zum 27. Oktober. Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung darf man sich Wasserbaugeselle nennen. Nach zwei weiteren Jahren ist eine Weiterbildung zum Meister möglich. Alternativ kann die Technikerschule besucht werden, auch ein Ingenieurstudium bietet sich an.

Die Arbeitszeit liegt bei 39 Stunden pro Woche. Das Gehalt bei etwa 2200 Euro brutto. Im ersten Lehrjahr werden monatlich knapp 1000 Euro gezahlt.

Julia Paulat

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