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Norddeutschland Lange kandidiert erneut: So reagiert der Norden
Nachrichten Norddeutschland Lange kandidiert erneut: So reagiert der Norden
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16:37 02.08.2019
Simone Lange tritt zusammen mit Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens an. Die 42-Jährige ist derzeit Oberbürgermeisterin in Flensburg, saß zuvor im Kieler Landtag. Quelle: Fabian Sommer/dpa
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Flensburg/Berlin

Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will’s noch einmal wissen. Zum zweiten Mal tritt die 42-Jährige bei der Wahl zum SPD-Bundesvorsitz an. Zusammen mit dem 53-jährigen Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, will sie die Sozialdemokraten aus der Krise führen.

Scheer und Lange: Gleich zwei Nordlichter wollen an die Spitze

Die SPD sucht nach dem Rücktritt von Parteichefin Andrea Nahles und angesichts katastrophaler Umfragewerte von rund 13 Prozent derzeit dringend ein Führungs-Duo für einen Neuanfang. Die Basis soll es bestimmen. Die Bewerbungsfrist läuft am 31. August aus. Dann sollen die 438 000 SPD-Mitglieder per Brief entscheiden. Das Ergebnis soll am 26. Oktober feststehen. Endgültig wählt dann ein Parteitag am 6. Dezember in Berlin das Duo ins Amt.

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Zuvor hatte schon eine Schleswig-Holsteinerin ihren Hut in den Ring geworfen: Nina Scheer aus dem Herzogtum Lauenburg tritt zusammen mit dem Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach an. Die beiden sind bereits Bundestagsabgeordnete.

Duo Lange/Ahrens wirbt mit Kommunal-Erfahrung

Alexander Ahrens (53) ist Bürgermeister in der ostsächsischen Stadt Bautzen. Quelle: Jens Meyer/dpa

Lange und Ahrens wollen hingegen mehr kommunale Kompetenz in die Partei einbringen. „Wir wollen der Partei Glaubwürdigkeit zurückbringen und ein unverwechselbares Profil verleihen, mit dem sie wieder Wahlen gewinnt“, sagt Simone Lange. Bürgermeister und ehrenamtliche Kommunalpolitiker leisteten Basisarbeit, betont Alexander Ahrens. Umso wichtiger sei es nun, „aus diesen Kommunen heraus Verantwortung für unsere Partei zu übernehmen, sie zu erneuern und die drängenden und wichtigen Themen unserer Zeit auf die Tagesordnung zu setzen.“ Und das seien die soziale Sicherheit, eine menschzentrierte Klimapolitik und die Demokratie.

Simone Lange trat am 22. April 2018 auf einem Bundesparteitag schon einmal als Parteichefin an. Sie unterlag damals Andrea Nahles, holte mit 27,6 Prozent aber einen Achtungserfolg. „Ich fühle mich bestärkt durch das Ergebnis meiner Kandidatur des vergangenen Jahres und trete deshalb erneut an“, sagt Simone Lange heute.

Beide Kandidaten haben schon Direktwahlen gewonnen

Lange wurde am 24. Oktober 1976 im thüringischen Rudolstadt geboren. Nach dem Abitur dort wurde sie in Schleswig-Holstein Kriminalpolizistin und arbeitete in Flensburg. 2003 trat sie in die SPD ein, 2012 zog sie in den Landtag ein. Am 5. Juni 2016 wurde sie mit 51,4 Prozent zur Flensburger Oberbürgermeisterin gewählt. Auch die CDU und die Grünen hatten sie zuvor unterstützt. Lange lebt getrennt und hat zwei Töchter.

Stegner: Jeder muss selbst wissen, ob er sich für geeignet hält

Die Landeschefin der Nord-Sozialdemokraten, Serpil Midyatli, reagierte zurückhaltend auf Langes Ankündigung: „Wir haben uns bewusst dafür ausgesprochen, dass die Mitglieder darüber entscheiden, wer die SPD zukünftig führt.“ Sie begrüße eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten. Langes alter Gegenspieler, SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner, kann seine Abneigung gegen die Flensburgerin hingegen kaum verhehlen. „Jeder muss selbst wissen, ob er sich für geeignet hält“, kommentiert Stegner ihre Kandidatur. Am Ende würden dann die Mitglieder entscheiden, wen sie für den Richtigen halten.

Der Weg zur Wahl des Führungs-Duos

Die Bundes-SPD hat sich nach dem Nahles-Rücktritt im Juni für einen Mitgliederentscheid über ein Führungs-Duo entschieden. Im September und Oktober sollen dazu bis zu 30 Regionalkonferenzen stattfinden, auf denen sich die Bewerber der Basis vorstellen können. Dann wird per Briefwahl entschieden. Formell muss die Wahl dann auf dem Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin erfolgen. Dort soll auch erst beschlossen werden, dass die Partei künftig von einem Duo geführt werden muss.

Ahrens wurde 1966 in West-Berlin geboren, studierte dort Sinologie (chinesische Sprache und Kultur) und Jura, arbeitete in Hongkong und Shanghai als Firmenjurist, wurde später Fachanwalt für Steuerrecht. Von 1992 bis 2001 war er in der SPD, seit 2017 ist er es wieder. Er zog nach Bautzen. Am 28. Juni 2015 gewann er dort den zweiten Wahlgang der Oberbürgermeister-Wahl. Ahrens ist verheiratet und hat vier Kinder.

Neben den Duos Lange/Ahrens und Scheer/Lauterbach haben bislang auch schon Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Ex-Familienministerin Christina Kampmann ihre Kandidatur angekündigt.

Wolfram Hammer

02.08.2019
01.08.2019