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Norddeutschland Ungewohnt leere Terminals am Flughafen
Nachrichten Norddeutschland Ungewohnt leere Terminals am Flughafen
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17:10 15.01.2019
Mitarbeiter des Sicherheitspersonals nehmen am Flughafen Hamburg mit Regenschirmen mit dem Aufdruck "Tarifverträge schützen"  an einem Warnstreik teil. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

Der eingeschränkte Flugplan habe jedoch abgewickelt werden können, berichtete eine Sprecherin. "Die Lage in den Terminals 1 und 2 sowie den Sicherheitskontrollen ist ruhig und entspannt", ergänzte sie. Mit dem Zuspruch zum Warnstreik, mit dem die Bediensteten deutlich höhere Löhne durchsetzen wollen, zeigte sich die Gewerkschaft Verdi sehr zufrieden.

Weil die Arbeitsniederlegungen seit Sonntag angekündigt waren, konnten sich die Airlines und Passagiere sowie der Flughafen darauf einstellen. "Viele Reisende konnten umplanen und reisten erst gar nicht zum Flughafen an", bilanzierte das Unternehmen. Daher war es in den Terminals, wo es sonst vor Passagieren wimmelt, ungewohnt leer. Unter anderem nach Lissabon, Zürich und Warschau hoben Flugzeuge ab. Es seien stets mehrere Kontrollspuren in der zentralen Sicherheitskontrolle geöffnet gewesen. 111 von 178 Abflügen wurden bis nachmittags aus dem Flugplan genommen, bei den Ankünften wurden laut Flughafen 94 von 179 Landungen gestrichen. Ursprünglich sollten mehr als 20 000 Passagiere abgefertigt werden.

Rund 90 Prozent der Beschäftigten nehmen teil am Ausstand

Der Flughafen war einer von acht Airports in Deutschland der von den Gewerkschaften bestreikt wurde. Die ersten 30 Beschäftigten hatten nach Verdi-Angaben um Mitternacht die Arbeit in Hamburg niedergelegt. Mit dem Beginn der Frühschicht waren rund 100 Sicherheitsbedienstete im Ausstand, wie Peter Bremme von Verdi Hamburg berichtete. Im Laufe des Tages sollten rund 90 Prozent der Beschäftigten am Ausstand teilnehmen. Im Sicherheitsbereich arbeiten nach Verdi-Angaben mehr als tausend Menschen. "Die Aktion ist gut angelaufen, und wir können damit ein Zeichen setzen."

Die Teilnehmer versammelten sich in einem Zelt auf dem Parkplatz vor dem Flughafen. Rund 300 von ihnen setzten sich mittags mit einer Demonstration für kräftige Lohnerhöhungen ein. "Die Stimmung ist gut, die Bediensteten sind motiviert", sagte Bremme zum Zuspruch. Bedienstete des Wachgewerbes und der Bodendienste sowie der benachbarten Lufthansa-Technikwerft hätten ihre Kollegen unterstützt.

Fünfte Verhandlungsrunde angesetzt

Ziel der Gewerkschaften ist es, mit dem bislang umfassendsten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit 23 000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle eine einheitliche Bezahlung. Verdi verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der Deutsche Beamtenbund (DBB) fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. In Hamburg erhielten Luftsicherheitsassistenten, die in der Regel angelernt werden, zuletzt einen Stundenlohn von 17,00 Euro (ohne Zuschläge). Er stieg nach Angaben der Arbeitgeberseite seit 2011 um fast 55 Prozent.

"Wir haben für Hamburg bereits im Dezember bis zu 3,4 Prozent Erhöhung pro Jahr angeboten", berichtete der BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. Die Forderungen der Gewerkschaft, alleine in Hamburg die Löhne um bis zu 40,85 Prozent anzuheben, seien absurd und wirtschaftlich nicht umsetzbar. Angesetzt ist die fünfte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt für 23./24. Januar in Berlin.

Von dpa