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Norddeutschland Erfolgreich mit guten Ideen
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12:50 25.12.2018
Nicole Sell beim Etikettieren der Saucen-Flaschen der eigenen Marke „Devils Eye“. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Lebensmittel, Papier, Verpackungsmaterial und Hausboote, aber auch Schallschutz-Konzepte und Ernährungsanalysen – Ideen für Existenzgründungen gibt es viele. Schon acht Mal haben die LN den Existenzgründerpreis vergeben. Wir haben nachgefragt, wie sich Sieger und Nominierte am Markt behaupten.

Mit Lebensmitteln erfolgreich ist die Sell Food GmbH, Mitte 2016 gegründet. Nicole und Bernd Sell kochen in ihrer kleinen Manufaktur in Sereetz (Kreis Ostholstein) ausgefallene Burger-Saucen. „Inzwischen beliefern wir 180 Filialen, darunter auch große Supermärkte wie Rewe und Citti“, berichtet Nicole Sell. Auch in Bremen, Hannover und Köln sind die Barbecue-Saucen der Marke „Devils Eye“ mit Bourbon und Honig oder Schokolade und Chili beliebt. „Wir fangen an, uns aus dem norddeutschen Raum herauszubewegen.“

Nicole Sell hat ihren bisherigen Arbeitsplatz im Mai aufgegeben und ist nun voll in der Manufaktur tätig. In der Saison sind bis zu fünf Mitarbeiter angestellt. Neben Saucen werden auch Würzmischungen zubereitet. Zudem arbeitet Sell Food auch als Lohnabfüller. Dafür werden Produkte nach Rezepten anderer Firmen zubereitet und abgefüllt. So ist die neue Abfüllanlage gut ausgelastet. Da stimmt dann auch der Umsatz. Er hat sich im Vergleich zum ersten Geschäftsjahr mindestens verdoppelt, verraten die Existenzgründer.

Existenzgründerin sieht viel Potenzial

Auch die Marzilade – eine Kombination von Marzipan und Marmelade – geht gut über den Ladentisch. Jetzt ist Hochsaison. „Zehn Leute stehen für uns auf dem Weihnachtsmarkt und verkaufen die Gläser“, sagt Existenzgründerin Gabriele Thiele. Die Grafikdesignerin hatte zusammen mit ihren Kindern die Idee für die süße Köstlichkeit, die in einer externen Küche produziert wird. „Ich sehe da noch unheimliches Potenzial drin“, meint Thiele, die den Vertrieb der Marzilade bisher nur nebenbei organisiert.

Die APN Acoustic Solutions GmbH steuert bereits auf ihr zehnjähriges Bestehen zu. „Wir erfreuen uns bester Gesundheit und wachsen sehr stark“, sagt Geschäftsführer Mirko Bruhn, der als Einzelkämpfer begonnen hat. Im Jahr 2012, als die Firma in Neustadt (Kreis Ostholstein) für den Existenzgründerpreis nominiert war, hatte sie drei Mitarbeiter. „Jetzt sind wir 25 Leute.“ Sie beraten Firmen in Sachen Akustik und Schallschutz.

Geschäftsführer Mirko Bruhn (l.) und Marvin Hausmann, Produktionsleiter Polsterei, präsentieren ein Schallschutzelement. Quelle: John Garve/Agentur 54°

„Die Industrie bietet meist Standardformate an. Es gibt in Deutschland kaum jemanden, der ein gesamtes Bauprojekt begleiten kann. Da setzen wir an“, sagt Bruhn. Entscheidend sei, was in dem Raum getan werden solle. Das Unternehmen berät Endkunden wie Kantinen, Großraumbüros sowie Kitas und Schulen. „Der Markt ist gigantisch groß, denn jeder braucht ein Stück Akustik.“ Inzwischen ist APN bundesweit tätig, betreut sogar Projekte in Österreich und in der Schweiz. Auch eine eigene Produktlinie gibt es. Dafür sucht Bruhn jetzt ein größeres Gewerbegrundstück. „Wir wollen gern bauen und weiter wachsen.“

Zahl der Kunden wächst

Das Ernährungsanalyse-Programm „MillionFriends“ ist erst seit dem Sommer zu haben; die aus der Uni Lübeck heraus gegründete Perfood GmbH hatte damit im Frühjahr den LN-Existenzgründerpreis gewonnen. Angeboten wird ein Programm, das sensorbasiert über einen Zeitraum von 14 Tagen Daten zum individuellen Blutzuckerverlauf in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme erhebt. Zusammen mit weiteren Parametern und Ernährungsexperten werden daraus individuelle Ernährungsempfehlungen abgeleitet.

Christoph Twesten von der Perfood GmbH mit dem Sensor, der den Blutzuckerspiegel misst. Quelle: Perfood GmbH, Lübeck

„Die Zahl unserer Kunden liegt im oberen dreistelligen Bereich“, berichtet Geschäftsführer Dominik Burziwoda, der mit dem Ernährungsmediziner Christoph Twesten zusammenarbeitet . 70 Prozent seien Frauen. Das Alter der Kunden liege zwischen 18 und 78. Aktuell wird daran gearbeitet, die App, die das System unterstützt, sowie den Report, den der Kunde nach der Analyse bekommt, zu verbessern. „Unsere Kunden sollen den Guide für Ernährung in der Hosentasche tragen“, sagt Burziwoda. Ziel sei es zudem, das Verfahren auch in der medizinischen Therapie etwa bei Diabetes und Adipositas zu etablieren. Erste Gespräche mit Unternehmen und Krankenkasse habe es schon gegeben.

Die Homeoffice-Zeit ist vorbei

Hannes Füting zeigt die umweltfreundliche Folie der Superseven GmbH, im Hintergrund Sven und Katja Seevers. Quelle: LUTZ ROESSLER

Positiv schließen auch die Macher von Improving Earth GmbH das Jahr ab, die mit einem chinesischen Partner Taschentücher und Toilettenpapier namens Smooth Panda aus schnell nachwachsendem Bambus produzieren und von Reinfeld (Kreis Stormarn) aus an Endverbraucher und den Handel versenden. „Es läuft gut. Jedes Quartal erfreuen wir uns an höheren Umsätzen und vielen Neukunden“, berichtet Geschäftsführer Simon Jost. Die Produkte würden nicht nur an deutsche Kunden, sondern auch nach Österreich, Spanien und in die Schweiz geliefert. Inzwischen beschäftigen er und sein Kompagnon Karsten Lutz auch noch einen Vollzeitangestellten und seit August dieses Jahres bilden sie eine Kauffrau im E-Commerce aus. Als größte Hürde bezeichnet Jost die Beschaffung des notwendigen Kapitals für eine Display-Platzierung in fast 900 Drogeriemärkten. „Als kleines Start-up hat man es sehr schwer, an finanzielle Mittel zu gelangen.“ Banken hätten keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit gehabt. Das Geld sei am Ende über eine Crowdinvesting-Plattform für nachhaltige Unternehmen zusammengekommen. „Über 200 Investoren haben mehr als eine Viertelmillion Euro in uns investiert.“ Im neuen Jahr soll als drittes Produkt Haushaltspapier auf den Markt kommen.

Karsten Lutz (l.) und Simon Jost von der Improving Earth GmbH verkaufen von Reinfeld aus ihre Papierprodukte aus Bambus. Quelle: Lutz Roeßler

Jetzt bewerben!

Zum neunten Mal loben die Lübecker Nachrichten einen Preis für mutige Firmengründer aus. Für die Verleihung des LN-Existenzgründerpreises am 8. Mai 2019 können Sie sich schon jetzt bewerben.

Teilnahmeberechtigt sind volljährige Existenzgründer mit Unternehmen, die nach dem 1. Januar 2015 gegründet wurden und ihren Sitz im LN-Verbreitungsgebiet haben.

5000Euro gibt es für den Existenzgründerpreis, gestiftet von Juwelier Mahlberg, 3000 Euro für den LN-Innovations- und Mutpreis für eine ungewöhnliche Geschäftsidee. Der LN-Nachfolgepreis (ebenfalls 3000 Euro, gestiftet von der Bockholdt KG) soll einem Unternehmen zugute kommen, das den Generationswechsel auf besonders gelungene Weise bewältigt hat.

Die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Informationen sind im Internet erhältlich unter www.LN-existenzgruenderpreis.de

Weiterhin auf Erfolgskurs ist Stefan Bode, der auf Fehmarn moderne Hausboote in verschiedenen Größen baut. Im vergangenen Jahr habe die Stern Hausboot GmbH eine Million Euro Umsatz gemacht. „Das kann sich schon sehen lassen. Da bin ich stolz drauf.“ Seine Hausboote liegen inzwischen in Burgtiefe, Heiligenhafen und Großenbrode, und werden auch vermietet. „Mit unseren 14 Booten generieren wir pro Saison weit mehr als 6000 Übernachtungen“, berichtet Bode. Neue Aufträge gibt es genug. „Bis Ende 2019 können wir schon Boote bauen.“ Um die Baukapazität zu erweitern will das Unternehmen im Herbst des nächsten Jahres eine dritte Baustraße in Betrieb nehmen.

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