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Norddeutschland Wasserstoff: Revolution bei den Triebwagen
Nachrichten Norddeutschland Wasserstoff: Revolution bei den Triebwagen
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19:22 17.09.2018
Dieser neue Brennstoffzellenzug steuert ab sofort Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude an. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Berlin/Bremervörde

Im Norden hat eine technische Revolution auf der Schiene begonnen. Ohne großes Tamtam – wie etwa bei der Jungfernfahrt der neuen ICE 4 – gingen die nagelneuen Triebwagen iLint auf Fahrt zwischen Bremervörde nach Cuxhaven. Sie wurden in den Salzgitter-Werkhallen des französischen Lokherstellers Alstom gefertigt. Das Revolutionäre an den Fahrzeugen ist der Antrieb: Wasserstoff-Brennstoffzellen auf dem Dach, Batterien im Fahrzeugboden und leise surrende Elektromotoren. Geht es nach dem Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP), dann sollen derartige Triebwagen nach und nach die bisher eingesetzten Dieseltriebwagen ablösen. Buchholz sieht die Zukunft des Schienen-Verkehrs in alternativen Antrieben, die den Ausstoß von CO2 im Vergleich zu den aktuellen Diesel-Fahrzeugen „deutlich mindern“, sagte er den LN. Der Diesel ist wegen der hohen Feinstaub- sowie Stickoxid-Belastung in Verruf geraten. Zudem verursachen selbst moderne Diesel-Loks noch ordentlich Lärm.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) will die Dieselzüge nach und nach ablösen. Quelle: dpa

50 Fahrzeuge ausgeschrieben

Bereits vor knapp zwei Jahren wurde im Auftrag des Landes die Beschaffung einer neuen Flotte von 50 Fahrzeugen für die beiden nicht elektrifizierten Streckennetze (Netz Nord und Ost) ausgeschrieben. Derjenige Anbieter soll den Zuschlag bekommen, dessen Angebot den größten Gesamtnutzen bietet, etwa die geringsten Anschaffungs- und Betriebskosten über eine Einsatzdauer von 30 Jahren hat. Schleswig-Holstein war das erste Land, dass Triebzüge mit innovativem Antrieb in einem solch großen Umfang ausgeschrieben hat. Vor allem aber ist die Bahnindustrie mittlerweile so weit, die Wünsche ihrer Kunden nach umweltfreundlichen Fahrzeugen zu erfüllen. Neben Alstom stellen auf der Transportmesse Innotrans in Berlin auch Siemens mit dem „Mireo“ einen Brennstoffzellenantrieb und der kanadische Eisenbahnhersteller Bombardier Triebwagen der neuesten Generation vor. Dennis Fiedel vom Nahverkehrsverbund SH rechnet damit, dass in diesem Jahr die ersten Angebote von Herstellern eingehen werden. Ab etwa 2021 könnte dann die Triebwagenflotte im Norden nach und nach erneuert werden.

Bundesweiter Elektrifizierungsplan gefordert

Auf Alternativen zu herkömmlichen Dieselantrieben für Loks setzt auch Frank Zerban, Hauptgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV). Die Industrie biete Triebzüge an, die mindestens 40 Kilometer komplett nur mit Batterie fahren können. Und er erwartet weitere technologische Entwicklungen. Zerban plädierte im Gespräch mit den LN dafür, dass der Bund zuerst einen deutschlandweiten Elektrifizierungsplan vorlegen müsse. Wenn klar sei, wann welche Strecke „unter Strom“ genommen werde, müsse man im Umkehrschluss für die verbleibenden nichtelektrifizierten und weniger befahrenen Strecken Konzepte für nachhaltige und umweltfreundliche Lösungen entwickeln. „Wenn wirtschaftliche Angebote für diese Fahrzeuge möglich sind und deren Zuverlässigkeit nachgewiesen wurde, werden alternativ angetriebene Fahrzeuge den Diesel nach und nach verdrängen“, meinte Zerban.

Unterstützung signalisierte der Bad Segeberger CDU-Verkehrspolitiker Gero Storjohann aus dem Bundestag. Er will sich dafür einsetzen, dass „auf Strecken, die absehbar nicht elektrifiziert werden können, modernste Technik eingesetzt wird“.

Bahn setzt auf Digitalisierung

Am Mittwoch will die Deutsche Bahn die Ergebnisse einer Studie zur Digitalisierung des Eisenbahnverkehrs vorstellen. Im bundeseigenen Konzern erhofft man sich durch digitalisierte Stellwerke und entsprechend ausgerüstete Züge bis zu 20 Prozent mehr Kapazität für Züge, ohne neue Gleise verlegen zu müssen. Bahn-Vorstand Ronald Pofalla hofft auf einen „Entwicklungsschub“, durch den nicht nur deutlich mehr Passagiere transportiert, sondern auch viel mehr Güter von der Straße auf die Schiene umgeleitet werden sollen. Kern des milliardenschweren Innovationsprogramms ist das digitale Zugsteuerungssystem ETCS. In Schleswig-Holstein dürfte ETCS allerdings erst auf der künftigen Trasse zum Fehmarnbeltttunnel zum Einsatz kommen. Also frühestens im Jahr 2028. rz

Reinhard Zweigler

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