Wegen Corona: Viele Firmen in Schleswig-Holstein streichen Weihnachtsfeiern
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Wegen Corona: Viele Firmen in Schleswig-Holstein streichen Weihnachtsfeiern

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07:26 12.10.2020
Weihnachtsfeiern haben in Unternehmen Tradition – 2020 werden die meisten wohl ausfallen. Quelle: dpa
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Lübeck

„Wir haben bereits von einigen Firmen gehört, dass sie die Weihnachtsfeiern abgesagt haben oder ins Frühjahr legen wollen“, sagt Sebastian Schulze, Geschäftsführer des Unternehmerverbands Nord (UVN), der nach eigenen Angaben über 65 000 Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg vertritt. Die aktuellen Infektionszahlen und die allgemeinen Hygieneanforderungen würden für Unsicherheiten bei der Umsetzung einer Weihnachtsfeier sorgen, da der gesundheitliche Schutz der Arbeitnehmer stets im Vordergrund stehe. „Mit Weihnachtsfeiern wollen die Unternehmen sich bei Ihrer Belegschaft in der Regel für die geleistete Arbeit, den Einsatz für das Unternehmen im ablaufenden Jahr bedanken und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter untereinander stärken“, weiß Schulze.

Dehoga: Einnahmen brechen Gastro-Branche weg

Damit wird es dieses Jahr aller Voraussicht nach aber bei den meisten Betrieben nichts. Denn auch Stefan Scholties, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Schleswig-Holstein, betont: „Weihnachtsfeiern werden in diesem Jahr massiv zurückgefahren, weil weder Auftraggeber noch Gastronom sagen können, unter welchen Bedingungen sie tatsächlich stattfinden könnten.“ Veranstaltungen mit mehr als zehn Gästen seien praktisch unplanbar.

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Für die Gastro-Betriebe in Schleswig-Holstein sei dies der nächste schwere Schlag ins Kontor. „Das Geschäft mit Weihnachtsfeiern ist kein unerhebliches. Einige Betriebe können normalerweise zwei oder drei Feiern an einem Tag ausrichten – und das über mehrere Wochen“, sagt Scholties. „Das fällt alles weg.“ Gerade Gastro-Unternehmen die keine 1A-Lagen hätten und denen wegen Corona massiv Einnahmen weggebrochen seien, hätten gehofft, zumindest einen Teil durch Weihnachtsfeiern im Winter wieder aufzufangen. „Zumal die Gäste auch hier in der Weihnachtszeit immer etwas großzügiger sind“, sagt Scholties. Der Verbandschef macht für die Verunsicherung auch die Landespolitik verantwortlich: „Gefühlt wird hier tageweise nach Infektionszahlen entschieden. Es ist kein System zu erkennen. Eine mittelfristige Planung ist so nicht möglich“, schimpft Scholties.

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Unternehmen planen keine Weihnachtsfeiern

Knapp drei Monate vor Weihnachten rechnet auch die deutsche Veranstaltungsbranche mit massiven Einbußen. „In diesem Jahr geht die Zahl der Weihnachtsfeiern in den meisten Unternehmen gegen Null“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Veranstaltungsorganisatoren (VDVO), Bernd Fritzges. Weihnachtsfeiern hätten in der Regel einen langen Vorlauf. In größeren Unternehmen begönnen die Planungen dafür im Frühjahr oder Sommer. Viele Unternehmen hätten sich daher gar nicht erst an die Planungen gesetzt.

Wo Feiern schon gebucht oder geplant wurden, liefen nun meist Gespräche mit Caterern und Locations über Stornierungen oder Umbuchungen. Das beobachtet auch der Caterer-Verband LECA. „Die Nachfrage für Weihnachtsfeiern ist fast nicht vorhanden“, sagte LECA-Sprecher Georg Broich. Rund 90 Prozent der Buchungen für Weihnachtsfeiern seien bei den Verbandsmitgliedern bereits storniert. „Die Auswirkungen sind für unsere Branche dramatisch“, sagte Broich. Üblicherweise mache das Jahresendgeschäft – je nach Betriebsgröße – fünf bis 20 Prozent des Jahresumsatzes aus.

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Dr. Klein und Sparkasse planen um

Und so wird es unter anderem auch beim Lübecker Finanzdienstleister Dr. Klein in diesem Jahr keine zentrale Weihnachtsfeier geben. „Innerhalb der einzelnen Abteilungen wird gerade noch geprüft, was für Alternativen in welchem Umfang möglich und vertretbar sind“, sagt Kim Katharina Runge. Bei der Sparkasse zu Lübeck gibt es bereits eine klare Linie: „In unserem Hause werden Weihnachtsfeiern nur im privaten Rahmen unter den Verordnungen des Landes Schleswig-Holstein stattfinden. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen das aktuelle Infektionsgeschehen in ihren Überlegungen, eine Weihnachtsfeier zu planen, angemessen berücksichtigen“, sagt Jörn Sanftleben, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit.

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Keine Weihnachtsfeier bei Niederegger

Bei der Firma Niederegger stellt sich die Frage dagegen erst gar nicht. Der Marzipanhersteller veranstaltet traditionell gar keine Weihnachtsfeier, dafür im Mai aber stets ein großes Betriebsfest. „In der Weihnachtszeit ist bei uns zu viel zu tun; unser Geschäftsjahr endet im April, dann wird es ein bisschen ruhiger“, begründet Sprecherin Eva Mura. Allerdings fiel das Fest in diesem Jahr aus – ob es 2021 wieder eines geben wird, ist angesichts der Lage noch unklar.

Von Jan Wulf