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Norddeutschland Wenn die Einschulung zum Luxus wird
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21:12 10.08.2019
Jorrit Conner Sarau (6) hat seinen Traumranzen gefunden. Mutter Yvonne Sarau (49) weiß, dass die Erstausstattung viel Geld kostet. Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Bald sieht man sie wieder überall: Die ABC-Schützen sind für den Schulstart bereit. Beladen mit Ranzen, Schultüte und allerlei Zubehör sind die Erstklässler bestens gewappnet. Doch eine Einschulung kann inzwischen sehr viel Geld kosten. Für die Erstausstattung werden oft mehrere Hundert Euro fällig.

Checkliste für die Eltern

Idealerweise bekommen die Eltern von den Lehrkräften im Voraus eine Liste, auf der die benötigten Materialien für den Unterricht stehen. „Da ist häufig sehr genau vorgeschrieben, welcher Tuschkasten oder welcher Füller es sein muss“ sagt die Pressesprecherin der Verbraucherzentrale, Vivien Rehder. Es sei sinnvoll, sich auf Dinge zu beschränken, die das Kind wirklich für die Schule braucht. Unnötige Extras seien nur eine Belastung, denn sie machen den Schulranzen schwer, lenken vom Wesentlichen ab und gehen leicht verloren: Diese Meinung vertritt Claudia Keul, die für die Kindernothilfe und Förderung beim Deutschen Kinderhilfswerk zuständig ist, ebenfalls. „Es

22 400 Kinder werden in Schleswig-Holstein eingeschult. Was brauchen sie für den Start? Die LN haben sich umgesehen.

müssen nicht immer Markenartikel sein, wenn es um Stifte und Hefte geht.“

Ohne Ranzen geht nichts

Eines der wichtigsten Utensilien bleibt jedoch der Schulranzen. Zwischen 90€ und 300 € muss man für ein neues Modell ausgeben. Es sei jedoch ein Hype zum neusten und schönsten Ranzen erkennbar, sagt Volker Nötzold vom Landeselternbeirat für Grundschulen in Schleswig-Holstein. „Da entsteht schnell eine Art Konkurrenz und finanzieller Selektionsdruck.“ Dabei sind die wichtigsten Funktionen eines Ranzen, dass er leicht, robust und gut zu tragen ist. Wenn der Ranzen der Träume zu teuer sein sollte, rät Vivien Rehder dazu, ihn schon zu Weihnachten oder zum Geburtstag zu schenken. „Oft legen auch mehrere Verwandte zusammen, dann tragen die Eltern die Last nicht alleine.“

Hohe Kosten für die Eltern

Für viele Eltern sind die Kosten für den Schulstart ihres Kindes eine enorme Belastung, die sie kaum tragen können. Aus diesem Grund hält es Nicola Leuschner, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Lübeck, für sinnvoll, dass die Anschaffung der Lernmittel nicht auf Kosten der Eltern geht. „Wir fordern für Schleswig-Holstein eine tatsächliche Lernmittelfreiheit, was alle Verbrauchsmaterialien, Arbeitshefte und Schreibutensilien betrifft.“ Da die Eltern zur Zeit jedoch noch selbst für das Schulmaterial aufkommen müssen, können Familien, die Sozialleistungen beziehen oder ein geringes Einkommen haben, unter bestimmten Voraussetzungen, Leistungen aus dem Bildungspakt beantragen. Dazu gehören auch Zuschüsse für die Schulausstattung.

Und dann kommt noch die Schultüte dazu. Bei dieser werde der Inhalt „auch immer verrückter, da sind teilweise schon die ersten Smartphones drin, berichtet Volker Nötzold. Nach Einschätzungen des Kinderschutzbundes Lübeck sei es vielen Kindern gar nicht so wichtig, was in der Schultüte ist, sondern vielmehr, dass es eine gibt. Wichtig sei nur, dass die Schultüte nicht den Wert der Schulmaterialien in den Schatten stellt, so Leuschner. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Tüte mit nützlichen Dingen wie zum Beispiel Stiften und Schreibwaren oder kleinen Geschenken wie Straßenkreide, Knete, Murmeln oder Erstlesebüchern zu füllen.

Die perfekte Erstausstattung

Die LN haben sich bei Fachgeschäften in Lübeck zu dem Thema umgehört und wollten wissen, wie sie dazu stehen. Franziska Boye, Mitarbeiterin im Papierhaus Groth, ist der Meinung, dass in die Erstausstattung eine Federtasche gehört. Hinzu kommen Hefte, Ordner oder ein Tuschkasten. „In die Schultüte sollte man auch auf jeden Fall etwas Süßes geben“, sagt sie. Die Kinder bräuchten auch ein bisschen Nervennahrung. Ansonsten hält sie kleine Geschenkartikel wie Radiergummis, kleine Lineale oder Knete für eine gute Idee. Für einen Ranzen würde sie nur entsprechend viel Geld ausgeben, wenn er auch gut für den Rücken des Kindes sei.

Birgit Mickeleit, Filialleiterin von Heinrich Hünicke im Citti Park, verteidigt den hohen Preis der Schulranzen. „Man muss bedenken, dass es oft Sets sind, der Ranzen ist ja nicht leer.“ Im Normalfall sind es vier Teile: Ranzen, Federmäppchen, Schlampermäppchen für Lineal und Schere und ein Turn- oder Sportbeutel. Das Federmäppchen sei außerdem schon mit Stiften gefüllt.

Auch Yvonne Sarau aus Bad Segeberg merkt, dass der Schulbedarf eines Erstklässlers sehr teuer werden kann. „Das läppert sich schon zusammen.“ Im Vergleich zu den Schulheften, die ihre ältere Tochter benötigt, seien die Anfängerschreibhefte für ihren sechsjährigen Sohn „nur halb so groß, aber doppelt so teuer.“

Eine Stichprobe der LN hat ergeben, dass eine durchschnittliche Erstausstattung eines Grundschülers 380€ kosten kann. Die Preise können jedoch anhand von Marke und Modell variieren.

Schulranzen (darin enthalten: Sporttasche, Federmäppchen und Schlamper): 260 €, Turnschuhe und Kleidung: 55€, Schreibhefte und Mappen: 15€, Zeichen- und Bastelmaterial: 20€, Schultüte (Preis kann variieren): 30€. Zwischensumme: 380€.

Lesen Sie auch: Teure Lern-Materialien: Kinderschutzbund übt Kritik

Von Jule Arista Runde

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