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Norddeutschland Digitales Lernen: Die Zeit drängt
Nachrichten Norddeutschland Digitales Lernen: Die Zeit drängt
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06:00 11.11.2018
Mit den Finanzen allein ist es nicht getan. Beim Thema Digitalisierung sind auch medienpädagogische Konzepte gefragt. Quelle: dpa
Lübeck

Digitalisierung an Schulen ist derzeit ein großes Thema. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien will diesen Prozess vorantreiben. In den Städten und an den Schulen hapert es jedoch vor allem an der Infrastruktur. Während im Landtag debattiert wird, ist man an der Basis vielerorts ratlos. Ein einheitliches Konzept? Fehlanzeige.

Die Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule in Bad Schwartau ist 2015 Modellschule für die Arbeit mit digitalen Medien geworden. „Das ist Luxus, bei uns wird viel ausprobiert, was dann vielleicht auf andere Schulen übertragen werden kann“, sagt Stephanie Thieß, Koordinatorin für digitales Lernen. Trotzdem ist man hier vom Idealzustand weit entfernt. Das Hauptproblem ist nicht die Hardware. „Es liegt nach wie vor an der Infrastruktur. Das Internet fehlt entweder oder ist nicht leistungsfähig genug“, sagt Thieß. In den Klassenstufen 5 bis 7 gibt es jeweils eine Tablet-Klasse, die mit elternfinanzierten Geräten in jeder Stunde arbeiten kann. Zusätzlich stehen zwei Klassensätze Tablets zur Verfügung, die alle Lehrer im Unterricht nutzen können, sowie zwei PC-Räume.

Mit schnellem WLan, wie es die Ministerin bis 2021 für alle 830 öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein verspricht, wäre es längst nicht getan. „Schulen brauchen nicht nur ein Netzwerk in der Größe eines mittelständischen Unternehmens, sondern vor allem entsprechenden technischen Support. Da hinken alle wahnsinnig hinterher“, sagt Thieß. „Fast jedes Unternehmen hat mittlerweile eine IT-Abteilung, an Schulen gibt es nur mit Glück diesen einen idealistischen Kollegen, der aushilft. Wer das nicht hat, guckt in die Röhre.“ Eine einzige Person könne das ohnehin nicht leisten. „Das ist einfach zu wenig Manpower!“

Die meisten Schulen warten weiterhin auf schnelles Internet. Quelle: picture alliance

„Der Teufel steckt im Detail“

Auch Andrea Westensee unterrichtet an einer Schule, an der Engagement und eine gute EDV-Ausstattung vorhanden sind. Trotzdem wünscht man sich an der Schule am Masurenweg in Bad Oldesloe mehr Unterstützung, vor allem in Sachen Wartung und Personal. „Wir haben zwar zwei Computerräume und in allen Klassenräumen schon seit einigen Jahren Smartboards, aber die sind zum Teil schon veraltet und funktionieren nicht immer richtig.“

In Sachen Personal sieht Stephan Hartung, Amtsleiter Bildung in der Bad Segeberger Stadtverwaltung, die Schulträger in der Pflicht. „Es ist ihre Aufgabe, entsprechende Unterstützungsleistungen mit anzubieten.“ Die genauen Förderrichtlinien kenne er noch nicht. Nur so viel sei klar: „Der Teufel steckt im Detail.“ Während in seiner Stadt extra Stellen geschaffen wurden, und sich laut Stephanie Thieß auch in Bad Schwartau einiges tut, vermisst die Pädagogin eine einheitliche Linie: „Jeder doktert jeder so vor sich hin.“

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Lindenau: „Eine andauernde Herausforderung“

Das kritisiert auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau: „Hätte man landesweit Standards definiert, wie die Digitalisierung an Schulen vorangebracht werden soll, wären viele dezentrale Test und Konzeptentwicklungen und damit Zeit erspart geblieben.“ Die Koordinierung von Landesnetz, für das das Land zuständig ist, und technischer Ausstattung, die in der Zuständigkeit der Schulträger und Kommunen liegt, sei eine andauernde Herausforderung. „Aktuell ist eine Medienentwicklungsplanung für alle Schulstandorte in Arbeit, damit wir, wenn das Geld des Bundes kommt, unmittelbar mit der stufenweisen Ausstattung beginnen können“, sagt Lindenau. Zudem entwickle man gerade eine Medienwerkstatt, um Lehrern und städtischen Mitarbeitern den Umgang mit digitalen Medien näher zu bringen.

Denn die Bereitschaft bei den Pädagogen zur Nutzung derselben ist durchaus groß. Gerade weil dieser Bereich so schnelllebig ist, drängt die Zeit. „Noch länger mit der Förderung zu warten, wäre fatal“, sagt auch Bernd Schauer von der Lehrergewerkschaft GEW.

Trauriges Fazit

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Stephanie Thieß hat den Eindruck, vieles sei nicht zu Ende gedacht. „Es tun sich immer weitere Felder auf und dann stellt sich die Frage: ,Wer klärt das jetzt?’“ Es reiche eben nicht, ein paar Tablets zu verteilen.

In Bad Schwartau steht das Netzwerk inzwischen. Doch es gebe immer noch zu viel Unsicherheit: „Wie genau funktioniert es jetzt, welche Strukturen müssen geschaffen werden, und was ist mit den Datenschutzrichtlinien?“, fragt sie. Trauriges Fazit: „Wir nutzen es also immer noch nicht in vollem Umfang.“

Und dabei sei es laut Bernd Schauer „unumgänglich, dass die Schüler auf die digitale Welt, die sie umgibt, entsprechend vorbereitet werden.“

MADS – jetzt noch anmelden

Das Projekt „Medien an der Schule“ (MADS) wendet sich an Schüler aller Schulformen der Klassenstufen 7 bis 12. Die Schüler bekommen die LN in einem oder zwei Intensivzeiträumen täglich als Klassensatz in die Schule geliefert. Zusätzlich können während des gesamten Zeitraumes e-Paper und App einbezogen werden. Die Jugendlichen üben sich im kritischen Umgang mit Medien – auch den digitalen. Sie schlüpfen selbst in die Rolle von Reportern, recherchieren, schreiben, fotografieren oder filmen für die gedruckten MADS-Seiten sowie das Online-Portal mads.de. Ein Lehrermedientag am 27. November informiert interessierte Pädagogen über Einsatzmöglichkeiten von MADS und bereitet die Teilnehmer vor. Die Agentur Raufeld Medien begleitet und unterstützt Lehrer und Schüler mit Unterrichtsmaterial, Tipps und Newslettern. Eine Anmeldung für Medien an der Schule ist unter info@mads.de möglich.

Nina Gottschalk

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