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Norddeutschland Whatsapp erst ab 16? Das finden Nutzer und Experten übertrieben
Nachrichten Norddeutschland Whatsapp erst ab 16? Das finden Nutzer und Experten übertrieben
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20:10 25.04.2018
Chatten per Whatsapp (v.r.): Tizia Anton, Joelina Wendtorff und Bente Miehe haben seit der vierten Klasse ein Smartphone.
Chatten per Whatsapp (v.r.): Tizia Anton, Joelina Wendtorff und Bente Miehe haben seit der vierten Klasse ein Smartphone. Quelle: Fotos: L. Roessler
Lübeck/Kiel

Die neue Whatsapp-Regelung verlangt keine harte Kontrolle der Altersgrenze – etwa durch das Hochladen eines Altersnachweises. Vielmehr werden neue und bestehende Nutzer demnächst in der App gefragt, ob sie älter als 16 sind. Bis zu diesem Alter müssen die Eltern der Datenverarbeitung zustimmen. Bisher war die App für Nutzer ab 13 Jahren frei. Hintergrund für die Anhebung ist die neue EU-Datenschutzverordnung.

Der Messaging- Dienst Whatsapp stuft sein Mindestalter für Nutzer auf 16 Jahre hoch. Viele Kinder in Norddeutschland haben schon mit zehn Jahren ihr erstes Handy bekommen und nutzen die App regelmäßig. Medienpädagogen glauben nicht, dass sich das nun ändern wird.

Medienpädagoge Andreas Langer glaubt nicht, dass unter 16-Jährige den Messaging-Dienst nun weniger oder nicht mehr nutzen werden. Dafür sei es zu spät. Der Pädagoge arbeitet bei der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein und weiß, dass Whatsapp bei 87 Prozent der Jugendlichen die beliebteste App ist. „Ich vermute, dass wenige Eltern ihren Kindern jetzt sagen werden, ,du musst Whatsapp wieder deinstallieren’“, sagt Lange. „Viele Eltern stehen mit ihren Kindern auch in direktem Kontakt über Whatsapp – das ist in vielen Fällen auch sehr praktisch.“ Wie bei der zehnjährigen Nora Lyssewski. „Sie fährt oft mit der Bahn zu ihrem Papa nach Kassel“, sagt Mutter Katrin (50). „Da muss man in Verbindung bleiben.“ Den Massaging-Dienst jetzt wieder zu deinstallieren, fände die Mutter schwierig.

Auch Christopher Melichar (16) nutzt Whatsapp seit einigen Jahren. Er findet, die Altersgrenze von Whatsapp hochzuschrauben, sei sinnlos. „Die meisten Eltern stimmen der App trotzdem zu. Die wollen ja wissen, wo ihre Kinder sind.“

Was das richtige Alter für ein Smartphone ist, müssen Eltern selber entscheiden, sagt Medienpädagoge Langer. „Die kennen ihre Kinder am besten und wissen, ab wann ihr Kind fähig ist, sich selbst zu regulieren.“ Das sehen viele Eltern im Norden ähnlich. Beispielsweise haben auch die beiden zehn und fast 13 Jahre alten Kinder von Luisa Schulmann schon ein Handy bekommen. „Sie durften eine Stunde am Tag ran, am Wochenende sogar mal zwei Stunden. Dann haben wir es weggepackt“, sagt Schulmann. „Facebook und Instagram dürfen meine Kinder beide nicht haben, Whatsapp schon.“

Medienpädagoge Langer empfiehlt Eltern immer, mit den Kindern gemeinsam das Smartphone zu erkunden. Beide lernen so Gerät und Möglichkeiten kennen. „Außerdem ist es immer sinnvoll, Interesse zu zeigen und aufmerksam zu sein“, sagt er. Dann können Eltern leicht erfahren, was ihre Kinder mit ihrem Smartphone anstellen.

Auch Tizia Anton (13) und ihre Freundinnen Joelina Wendtorff (15) und Bente Miehe (14) sprechen sich mit ihren Eltern ab, wofür sie ihre Handys nutzen. „Meine Eltern fänden es nicht gut, wenn ich Facebook nutzen würde“, sagt Joelina. „Da hat man nicht so wirklich Privatsphäre.“ Die drei haben dafür andere soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und natürlich Whatsapp auf den Geräten.

„Whatsapp würden mir meine Eltern nicht verbieten“, sagt Bente. „Da kann man mit jedem schreiben.“ Die Mädchen sagen auch, dass sie gut aufpassen, was sie über die App verbreiten.

Die Lieblings-Apps

97 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen besaßen im Jahr 2017 ein Smartphone. Das sagt die Jim-Studie zum Umgang von Jugendlichen mit Medien. Am häufigsten nutzen die Jugendlichen Kommunikations-Apps: Whatsapp ist bei allen Altersklassen die beliebteste. 86 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen nutzen die App regelmäßig. Danach folgen Snapchat und Instagram. Facebook spielt bei Heranwachsenden fast keine Rolle mehr. Minderjährige nutzen das Netzwerk kaum.

Saskia Hassink