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Norddeutschland Wie Träume zu Büchern werden
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15:00 11.08.2019
Ein BoD-Mitarbeiter überwacht die Buchproduktion. Quelle: Bildwert (hfr)
Norderstedt

Es duftet nach Papier, nach Kleber und Druckerfarbe. Riesige Maschinen rumpeln und rattern unaufhörlich und verbreiten ein dauerhaftes Dröhnen in der 6000 Quadratmeter großen Produktionshalle in Norderstedt. Aus einer Maschine, die wie ein überdimensionaler Kopierer aussieht, purzeln Träume in einen Auffangkorb. Träume, die in diesem Augenblick Realität werden. Es sind bunte Taschenbuchcover. Mal drei von dem einen Buch, dann vier von einem anderen. An der Rollendruckmaschine nebenan startet automatisch schon der Druck des Buchblocks, 100 Meter Papier rasen pro Minute durch den Drucker, in nur zwölf Stunden werden die Bücher eingeschweißt und versandfertig sein.

Dann sind wieder einige Träume wahr geworden, denn die Hälfte der Bücher, die bei Books on Demand (BoD) gedruckt werden, sind die Werke von Hobbyautoren. Das kann der Verkäufer aus Ratzeburg, die Lehrerin aus Bad Oldesloe oder die Hausfrau aus Eutin sein, rund 45 000 Autoren erfüllen sich bei dem Dienstleister für Selbstverleger, der zu dem Buchgroßhändler Libri gehört, ihren Traum vom eigenen Buch. Allein in Lübeck und den Kreisen Ostholstein, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg sind es derzeit 400 Autoren mit mehr als 1000 lieferbaren Titeln.

Self Publishing revolutionierte den Buchmarkt

Noch vor 20 Jahren verstaubten Tausende Manuskripte in den Schubladen. Ein richtiger Verlag, der einen unbekannten Autor unter Vertrag nimmt, war schon damals nur schwer zu finden. Und wer sein Buch selbst auf den Markt bringen wollte, hatte es schwer. Stefan Wahle (49) aus Travemünde erinnert sich noch gut daran. Rund 60 Bücher, vor allem zu den Themenbereichen Sport und Selbstverteidigung hat er schon veröffentlicht. „Früher musste ich das alles selbst vorfinanzieren und drucken lassen und dann stand plötzlich eine Palette mit 1000 Büchern vor meiner Haustür“, erinnert er sich und lacht. Heute sei das alles viel einfacher, 60 Bücher hat er schon mit BoD veröffentlicht.

Wenn das Buch eines Autoren in einer Buchhandlung bestellt wird, setzt sich automatisch eine Produktionskette in Gang. Nach zwölf Stunden ist das Buch dann versandfertig.

Tatsächlich hat das Segeberger Unternehmen Pionierarbeit geleistet und so die Verlagswelt nachhaltig verändert. Ende der 90er Jahre hatte ein Mitarbeiter des Buchgroßhändlers die Idee. Statt mit Druckplatten im Offsetdruckverfahren große Auflagen zu produzieren, setzte man auf das neue Digitaldruckverfahren und eine hochautomatisierte Maschinenkette mit der auch kleinste Stückzahlen schnell und spontan gedruckt werden konnten. Ein Autor schreibt also sein Buch, es wird digital auf einem Server hinterlegt und sobald ein Kunde es in der Buchhandlung bestellt oder der Schriftsteller selbst einige Exemplare ordert, wird das Buch produziert, und dass schon ab einer Auflage von einem Stück. So entstehen keine Kosten vorab. Die Idee setzte sich durch, mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Anbieter und auch der Internetriese Amazon ist mit Kindle Direct Publishing (KDP) in das „Self Publishing“-Geschäft eingestiegen.

Vielen Autoren geht es gar nicht um die Verkaufszahlen

Während das „Self Publishing“, also das „Selbstverlegen“, für die Unternehmen ein seit Jahren boomendes Geschäftsfeld ist, geht es für die Autoren häufig um etwas anderes. Reich wird ohnehin kaum ein Schriftsteller. Selbst viele Autoren, die bei renommierten Verlagen sind, haben noch zusätzlich einen festen Job. Es geht viel mehr um eine persönliche Erfüllung.

Wo bleibt die Kontrolle?

Während es beim klassischen Verlag ein Lektorat gibt und der Verleger sich bewusst für einen Text und Autor entscheidet und damit auch ein Qualitätsversprechen abgibt, fehlt diese Instanz beim Self-Publishing. Dienstleister wie BoD geben also keine Empfehlung ab, ob ein Buch gut ist, jeder Autor hat die Chance sich selbst am Markt zu beweisen. Der Buchmarkt für selbstverlegte Bücher ist daher urdemokratisch. „Letztlich entscheiden die Leser über den Erfolg“, sagt BoD-Sprecher Thorsten Simon.

Dennoch gibt es Regeln und Kontrollen. Jedes Buch wird bei BoD auf rechtliche Verstöße wie Plagiatsvergehen und auf formelle Korrektheit wie das richtige Impressum geprüft. Zudem gibt es eine grobe Qualitätskontrolle. „Jedes Buch wird von einem Mitarbeiter vor der Veröffentlichung angeschaut, und wenn da schon drei Fehler auf dem Cover sind, rufen wir den Autoren natürlich an“, sagt Geschäftsführer Gerd Robertz. Komplett gelesen wird ein Buch jedoch nicht, dafür gibt es aber ein automatischen Scan auf bestimmte Schlagwörter. Kommen also beispielsweise besonders viele Begriffe aus der NS-Zeit vor, warnt das System und ein Mitarbeiter prüft, ob es sich einfach nur um ein Geschichtsbuch handelt oder eben vielleicht um ein politisch motiviertes Buch, das gegen das Gesetz verstößt. Dann wird die Veröffentlichung gestoppt.

Als BoD-Geschäftsführer Dr. Gerd Robertz an seinem ersten Arbeitstag den Kundenservice besuchte, rief gerade ein Schreiner an, der einen Gedichtband verlegt hatte. „Der Mann war überglücklich. Da habe ich gemerkt, was wir hier eigentlich tun. Menschen, die früher im Leben nicht in der Lage gewesen wären ein Buch zu verlegen, aber diese lyrische Seite in sich haben, können jetzt ihr Buch veröffentlichen.“ Dabei ging es für den Schreiner nicht um Verkaufszahlen, vielleicht hat er am Ende sogar nur einige Exemplare im Familien- und Bekanntenkreis verschenkt oder verkauft. „Aber allein dass das Buch erschienen ist und bestellbar war, war für diesen Mann ein Meilenstein in seinem Leben. Das hat mich schon berührt“, sagt Robertz.

Die Bestseller aus der Region

Welches sind die erfolgreichsten Autoren des Selfpublisher-Verlages BoD in der Region? Unsere Bestsellerliste zeigt, dass es zwischen Fehmarn und Büchen und von Kaltenkirchen bis Grevesmühlen einige erfolgreiche Selbstverleger gibt. In die Wertung kamen dabei nur die Autoren, die auch einer Veröffentlichung zugestimmt haben.

Auflage zwischen 10 000 bis 25 000

1. „Wunder kommen leise“, Romane & Erzählungen, Paula Roose

2. „Tu was Du liebst – und Du musst nie wieder arbeiten!“, Selbsthilfe & Recht, Samuel Woitinski

Auflage 5000 bis 10 000

3. „Strickmich!3“, Freizeit & Hobbys, Martina Behm

4. „Lernkartenbuch Projektmanagement“, Wirtschaft & Management, Marc Hensel

Auflage 1000 bis 5000

5. „Machtkämpfe der Kinder – wie gehe ich damit um?“, Selbsthilfe & Recht, Thomas Rupf

6. „33 Geheimnisse, die Ihnen Ihre Bank zum Thema Geldanlage nicht verrät“, Wirtschaft & Management, Norman Argubi

7. „Selbstverteidigung mit dem Kubotan“, Sport, Wellness & Beauty, Stefan Wahle

8. „Als Michel in den Himmel ging“, Sachbücher für Kinder und Jugendliche, Katja Herzog

9. „Seefahrt 1966 pur und ohne Schnörkel“, Romane & Erzählungen, Friedrich Heinrich Synold

10. „Tagebuch der Emotionen“, Selbsthilfe und Recht, Alexander Kaminski

Einige Selbstverleger werden zu Bestsellerautoren

Trotzdem verkaufen nicht alle Selbstverleger nur Mini-Auflagen, manche sind sehr erfolgreich. Wie die gebürtige Lübeckerin Paula Roose, die mittlerweile in Reinbek in Stormarn wohnt. Ihr Buch „Wunder kommen leise“, ein Adventskalender für Erwachsene, hat sich bereits über 25 000 Mal verkauft. „Ich habe mich darüber sehr gefreut, es ist eine tolle Bestätigung“, sagt Roose, die mittlerweile schon zehn Bücher veröffentlicht hat. Trotzdem bleibe das Schreiben ein Hobby, auch wenn sie dieses Hobby mittlerweile professionell betreibe. So arbeitet sie mit einer Lektorin und einer Grafikerin zusammen. Wahrscheinlich würde sie auch einen klassischen Verlag finden, doch Paula Roose hat das nie versucht.

Self Publishing ist für viele Autoren eben nicht nur die zweite Wahl, weil sie keinen Verlag finden, sondern eine bewusste Entscheidung. „Ich schreibe nicht für Verkaufszahlen oder weil der Markt oder ein Lektor etwas verlangt. Ich schreibe, was ich möchte, und ich gestalte mein Buch so wie ich es möchte.“ Denn es geht auch ihr in erster Linie nicht um Geld. „Nein“, sagt Paula Roose, „ich schreibe Romane, weil es mich glücklich macht.“

Andere Anbieter

Neben Books on Demand (BoD) gibt es noch weitere Dienstleister für Self Publisher. Zu den wichtigsten gehören unter anderem Kindle Direct Publishing (KDP), das zu Amazon gehört, so dass die Bücher auch über deren Websites vertrieben werden. Weitere Anbieter sind zum Beispiel epubli, neobooks oder der reine E.Book-Anbieter BookRix. Die Veröffentlichungen sind in der Regel je nach Modell und Produkt weitgehend kostenlos.

Von Sven Wehde

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Frank Behling 11.08.2019