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Norddeutschland Bahn: 2,8 Milliarden Euro sind Worst-Case-Szenario
Nachrichten Norddeutschland Bahn: 2,8 Milliarden Euro sind Worst-Case-Szenario
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20:47 06.08.2019
Die Bahn hat in einem Workshop verschiedenste Bau-Risiken ermittelt und diese in die Prognose miteinbezogen. So kommen die 2,8 Milliarden Euro zustande, über die jetzt heftig debattiert wird. Quelle: Irene Burow
Lübeck

2,8 Milliarden Euro soll der Ausbau der Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung kosten, hat das Bundesverkehrsministerium jüngst verkündet. Kritiker sprechen von einer Kostenexplosion. Die Bahn ist über die Debatte unglücklich. Die Zahl sei vielmehr ein Höchstwert, in den zahlreiche Bau-Risiken mit eingepreist sind, heißt es jetzt.

Über eine Milliarde Euro Risikozuschlag

Es handle sich bei den 2,8 Milliarden Euro um eine „Gesamtwertprognose“ sagt Bahn-Risikomanager René Mohren. Würde man aktuell bauen, würde die Hinterlandanbindung nur 1,7 Milliarden Euro kosten. Man habe zusammen mit Fachleuten in einem mehrtägigen Workshop aber noch ermittelt, um wie viel Prozent sich andere Projekte etwa wegen plötzlicher Probleme mit dem Baugrund oder anderer technischer Schwierigkeiten verteuert hätten. 13 Positionen seien dabei berücksichtigt worden. Dieser Risikozuschlag betrage in der Prognose 614 Millionen Euro. Dazu kommen noch einmal 497 Millionen Euro erwarteter Preissteigerung durch die Inflation bis zur Fertigstellung des Projekts.

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„Die Kosten fallen aber nur an, wenn wirklich alle Risiko-Szenarien Wirklichkeit werden“, sagt Mohren. Allerdings: Auch die 1,7 Milliarden Euro sind bereits höher angesetzt als zu Beginn der Planungen – ursprünglich war mit 840 Millionen Euro kalkuliert worden. Und: Selbst in dem neuesten Risikozuschlag sind die Kosten für die vom Dialogforum eingeforderten umfangreichen Lärmschutzmaßnahmen an der Trasse noch gar nicht enthalten. Die summieren sich alleine auf 594 Millionen Euro. Gerade mal 60 Millionen sind in die Prognose eingerechnet worden – und das, obwohl am Workshop Bundestagsabgeordnete beteiligt waren, wie die Bahn bestätigt.

Wichtige LN-Berichte zum Belttunnel und der Hinterlandanbindung

Juli 2019: Kommentar: Ein Belttunnel nur für die Bahn wäre ein gutes Signal

Juli 2019: Darum klagt der Nabu gegen den Belttunnel

Mai 2019: Vorbereitung für den Bau des Belttunnels beginnt auf Fehmarn

Januar 2019: Besuch in Hamburger Zentrale: Diese Menschen planen Ostholsteins Bahn-Zukunft

Dezember 2018: EU-Gericht entscheidet, dass die Staatsbeihilfen für den Belttunnel überprüft werden müssen

Oktober 2018: Das sagt der Grüne-Umweltminister Jan Philipp Albrecht im LN-Interview zum Belttunnel

Oktober 2018: Zoff um Brandschutz im Tunnel – bei einem Feuer wäre die Stadt Fehmarn zuständig

Dezember 2017: So wollen die Wacken-Bosse am Belttunnel mitverdienen

Juli 2017: Wie gefährlich sind Minen aus dem Zweiten Weltkrieg für den Tunnelbau?

Juni 2017: So plant Femern A/S den Tunnelbau – Mit Video und Bildergalerie

Juni 2017: Dieses Riff wollen Meeresbiologen als Ausgleichsmaßnahme ertüchtigen

Dezember 2016: Zeit- und Kostenplan beim Belttunnel drohen aus dem Ruder zu laufen

Oktober 2016: 109 Millionen extra! So soll die Trasse zur Superschiene werden

September 2016: Kurswechsel: Die schleswig-holsteinischen Grünen sind jetzt nicht mehr gegen den Belttunnel

August 2016: Sechs Jahre voller Tests: Dieser Beton soll beim Belttunnel verwendet werden

November 2015: Pro und Kontra – das sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Bildergalerie: So plant Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel

Viele weitere Berichte über das gigantische Verkehrsprojekt sammeln wir auf dieser Themenseite

Macht Scheuer beim Lärmschutz einen Rückzieher?

Der Bundestag müsste am Ende die Extra-Lärmschutz-Gelder für Ostholstein bewilligen, hatte solche Zusatz-Zahlungen für überregional bedeutsame Verkehrsverbindungen schon 2016 in einem Beschluss zum Mehr-Lärmschutz im Rheintal festgelegt. Doch auch CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte den Extra-Lärmschutz an der Belttrasse in seinem jüngsten Projektbericht einfach weggelassen. In der Kieler Politik wächst deshalb die Sorge, Scheuer könnte beim Lärmschutz einen Rückzieher machen wollen, um Geld zu sparen. Schließlich drohten dem Ressort ja schon aus dem Maut-Fiasko hohe Kosten. Bundestagsabgeordnete aus der Region wollen jetzt im Haushaltsausschuss des Parlaments für die Gelder kämpfen. Der Ausgang allerdings ist ungewiss.

Käme dem Bundesminister dabei am Ende eine hohe Kostenprognose womöglich sogar gut zupass? Bei der Bahn ist man jedenfalls offenbar verstimmt, dass das Bundesverkehrsministerium die 2,8-Milliarden-Euro-Kostenprognose veröffentlicht hat, ohne die Zahl als Worst-Case-Szenario zu kennzeichnen. Dabei erlaube die völlig neue Gesamtwertprognose endlich eine realitätsnahe Kostenplanung.

Grüne: Noch nicht das Ende der Fahnenstange

Den Bundestagsabgeordneten und Beltquerungs-Kritiker Konstantin von Notz (Grüne) kann das alles nicht besänftigen. Ob die Prognose das Ende der Fahnenstange sei, könne derzeit doch niemand sagen, sagt von Notz. „Aufforderungen von Bundestag und Bundesrechnungshof, endlich eine vollständige Kostenkalkulation vorzulegen, verweigert sich die Bundesregierung seit Jahren.“ Die Summe liege längst über vier Milliarden Euro. Denn: Auch in den 2,8 Milliarden Euro seien etwa die Kosten für eine neue Sundquerung nicht enthalten. Und wegen der vielen Klagen gegen die Beltquerung könne auch noch niemand sagen, wann tatsächlich mit dem Bau begonnen werde.

Mehr zum Thema Fehmarnbeltquerung lesen Sie hier.

Von Wolfram Hammer

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