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Norddeutschland „Wir sind stärker als der Terror“ - Trauer und Bestürzung im Norden
Nachrichten Norddeutschland „Wir sind stärker als der Terror“ - Trauer und Bestürzung im Norden
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13:26 15.11.2015
Hamburg ttrauert vor dem französischen Generalkonsulat in Hamburg im Rahmen einer Schweigeminute. Bei einer Serie von Terroranschlägen in Paris wurden mindestens 120 Menschen getötet. Quelle: Bodo Marks/dpa
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Hamburg

Die blutige Terrorserie in Paris hat auch in Hamburg und Schleswig-Holstein für Bestürzung gesorgt. Vor dem Generalkonsulat der Französischen Republik in der Hansestadt liegen am Wochenende weiße Rosen in einem Kranz mit blau-weiß-roten Bändern. Die Eingangstreppe ist mit Kerzen und Blumen übersät, am Zaun des Konsulats hängen Karten. „Wir sind stärker als der Terror“ steht da etwa, oder „Frankreich, Du bist nicht allein“. Vor dem Gebäude verharren Menschen in Stille, um der Opfer der Anschläge in Paris zu gedenken. Mehrere hundert Hamburger kommen am Samstagabend zu einer Mahnwache zusammen. Viele wirken fassungslos.

„Warum?“, twittert auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Die Anschläge seien „Anschläge auf das Herz der freien und zivilisierten Gesellschaft“, erklärt sie: „Aber dieses Herz schlägt dadurch nur noch lauter, und heute schlägt es auch bei uns in Hamburg nur für Paris.“ Es sei ein „barbarischer Terrorakt“, sagt Fegebank, als sie mit Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit Blumen vor dem Konsulat niederlegt und eine Kerze anzündet. Der französische Generalkonsul in Hamburg, Serge Lavroff, findet klare Worte: „Das, was wir in Paris erlebt haben, ist ein Krieg ohne Grenze, ein Krieg ohne Gnade.“

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) betont: „Wir werden Demokratie, Freiheit und unsere Art zu leben verteidigen und stehen fest an der Seite unserer französischen Freunde.“ Der SPD-Vize ist seit Anfang des Jahres auch Bevollmächtigter für die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich.

Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist die Anschlagsserie „unfassbar“. „Ich bin tief erschüttert über die Anschläge in Paris, bei denen ganz offensichtlich einige Wahnsinnige so viele unschuldige Menschen getötet haben. Mir fehlt die Vorstellungskraft, warum einige wenige so etwas tun und uns ihren Weg des Grauens und des Mordens aufzwingen wollen.“ Albig warnt davor, die Ereignisse für die Flüchtlingsdebatte zu instrumentalisieren. Flüchtlinge dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden: „Die Menschen, die zu uns kommen, sind nicht die, die töten. Diejenigen, die zu uns kommen, fliehen vor diesen Mördern.“

Die Nordkirche mahnt ebenfalls: Die Anschläge dürften nicht missbraucht werden, um Hass auf Flüchtlinge und Muslime zu schüren. In Hamburg gehen am Samstag mehrere tausend Menschen unter dem Motto „Refugees welcome - heißt gleiche Rechte für alle“ für die Rechte von Flüchtlingen auf die Straße. Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) spricht sich für eine „Jetzt-erst-recht-Haltung“ aus: „Jetzt erst recht Freiheit, jetzt erst recht Demokratie.“

Trotz der beispiellosen Anschläge von Paris sieht Neumann zunächst keine veränderte Sicherheitslage für die Hansestadt. „Unsere Sicherheitslage aktuell verändert sich nicht“, heißt es auch am Sonntag in der Innenbehörde. Die Bundespolizei allerdings verstärkt bundesweit ihre Einsatzkräfte auf Bahnhöfen und Flughäfen, etwa auch am Hamburger Hauptbahnhof.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs ruft dazu auf, zum Gedenken an die Opfer der Anschläge am Sonntagabend (18.00 Uhr) und an den nächsten Abenden eine Kerze ins Fenster zu stellen. „Lasst uns Kerzen entzünden als Zeichen der Trauer, aber auch als Symbol für das Leben.“

Fehrs erklärt: „Diese Anschläge sind Ausdruck hasserfüllter Brutalität, sie sind menschenverachtend und zutiefst böse. Unsere ganze Gesellschaft muss diesem Hass entgegentreten.“ Auch der Rat der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein (Schura) teilt mit: „Religion kennt keinen Terror. Wir müssen gemeinsam gegen den Terror vorgehen.“

Das Entsetzen über die Anschläge überschattet am Samstag auch den FDP-Landesparteitag in Neumünster, der mit einem stillen Gedenken an die Opfer beginnt. „Es ist ein Verbrechen, das uns bis in das Mark erschüttert“, sagt FDP-Landeschef Heiner Garg. FDP-Bundes-Vize Wolfgang Kubicki kritisiert: „Das hat nichts mehr mit Glauben zu tun, das ist einfach krank.“ Auch Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Ingbert Liebing verurteilt die „grauenhaften Anschläge“ - und versichert: „Wir stehen an der Seite des französischen Volkes.“

Die Freiheit müsse verteidigt werden, twittert Ralf Stegner, SPD-Vize und Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef: „Furchtbare Terroranschläge von Paris mahnen dazu, dass es absolute Sicherheit nicht gibt.“ Und Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Veit ruft dazu auf, sich dem Terrorismus niemals zu beugen, sondern Freiheit und Demokratie zu verteidigen: „Sorgen wir dafür, dass Menschlichkeit siegt.“

Am Rathaus der Hansestadt wehen die Flaggen auf halbmast - das hängt allerdings mit dem Tod von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) zusammen. In Schleswig-Holstein ordnet Innenminister Stefan Studt (SPD) am Samstag Trauerbeflaggung an.

Unter dem Motto „Nous sommes Paris“ wollen Menschen in Hamburg an diesem Mittwoch Solidarität mit Frankreich zeigen. Bei der Kundgebung in der Innenstadt seien etwa Reden von Bischöfin Fehrs, Bürgerschaftspräsidentin Veit und Generalkonsul Lavroff geplant, teilen die Fraktionschefs von SPD und Grünen, Andreas Dressel und Anjes Tjarks, mit. Die Initiative geht auf ein überparteiliches Bündnis zurück, das auch nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar zu einer Kundgebung aufgerufen hatte.