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Norddeutschland Wird Hamburg Musical-Welthauptstadt?
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11:19 01.02.2014
Unmittelbar neben der Spielstätte von „Der König der Löwen“ entsteht im Hafen von Hamburg derzeit das neueste Musicaltheater von Stage Entertainment. Das Haus soll für rund 1800 Gäste Platz haben. Ab November wird hier „Das Wunder von Bern“ uraufgeführt.
Unmittelbar neben der Spielstätte von „Der König der Löwen“ entsteht im Hafen von Hamburg derzeit das neueste Musicaltheater von Stage Entertainment. Das Haus soll für rund 1800 Gäste Platz haben. Ab November wird hier „Das Wunder von Bern“ uraufgeführt. Quelle: dpa
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Hamburg

Draußen weht ein eisiger Wind von der Norderelbe herüber, drinnen schwitzen die Hanwerker: Im Hamburger Hafen baut Stage Entertainment zurzeit seine vierte Musicalbühne in der Hansestadt auf. 65 Millionen Euro investiert die Theatergesellschaft in das neue Haus. Die Gerüste rund um die große Glasfassade sind längst abgebaut, jetzt geht es nur noch um den Innenausbau. Bis November muss alles fertig sein, denn dann soll Helmut Rahn Deutschland hier täglich zum Weltmeister schießen: „Das Wunder von Bern“, frei nach dem gleichnamigen Kinofilm von Sönke Wortmann, heißt die neueste Musicalproduktion, die in Hamburg Weltpremiere feiern soll.

Lange wurde gerätselt, wer der unmittelbare Nachbar vom „König der Löwen“ im Hafen werden wird. Mit der Bühnenversion des Disney- Trickfilms löste Stage 2001 einen neuen Musical-Boom in der Hansestadt aus. 13 Jahre später ist Hamburg nach New York und London die wichtigste Musical-Metropole der Erde geworden. Experten sagen Hamburg sogar voraus, das Potenzial zu besitzen, in nächster Zeit an London vorbeizuziehen. Es sei schon etwas Besonderes, dass „Hamburg eine der Musical-Hauptstädte der Welt“ ist, sagt auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) — der sich neben dem positiven Image, den die Musicals der Stadt verpassen, auch über blendende Zahlen freut.

Längst sind Musicals für die Elbmetropole zu einem riesigen Wirtschaftsfaktor geworden. Insgesamt rund zwei Millionen Besucher zählen die großen Musical-Theater jedes Jahr. Knapp 500 Millionen Euro Umsatz sollen dabei für Hotels, Restaurants und Einzelhandel herausspringen.

Zurzeit laufen mit dem Dauerbrenner „König der Löwen“ im Theater am Hafen, „Rocky“ im Operettenhaus und dem zurückgekehrten „Phantom der Oper“ in der Neuen Flora drei große Produktionen. „Das Wunder von Bern“ wird die vierte sein — und sogar die fünfte ist schon im Anmarsch: Stage-Konkurrent „Mehr! Entertainment“ errichtet derzeit in den Hallen auf dem Großmarktgelände in Hammerbrook eine weitere neue Spielstätte mit knapp 2000 Sitzplätzen. Hier soll sich im Frühjahr 2015 erstmals der Vorhang öffnen. Mit welcher Produktion, das verraten die Verantwortlichen im Firmen-Hauptsitz Düsseldorf noch nicht. Großer Favorit für die Premierenproduktion ist laut Branchenkennern aber „King Kong“.

Bemerkenswert: Trotz der großen internationalen Produktionen feiern auch die kleineren Bühnen Besucherrekorde. Das „Schmidt Theater“ und das „Schmidts Tivoli“ lockten 2013 insgesamt 415 000 Gäste an — so viele wie noch nie. Die Renner dabei: Musicals mit lokalem Bezug wie die „Heiße Ecke“ oder „Die Königs vom Kiez“.

Von Cats bis Sister Act
1986 begann mit Cats im Operettenhaus die Zeit der großen Musicals in Hamburg. Das Stück lief bis 2001, genau wie Das Phantom der Oper (seit 1990) in der Neuen Flora. Für Buddy (1994-2000) wurde einst das Theater im Hafen gebaut. Außerdem liefen Tanz der Vampire (2003-2006), Dirty Dancing (2006- 2008), Mamma Mia (2002- 2007), Ich war noch niemals in New York (2007- 2010) und Sister Act (2010- 2012).

Jan Wulf