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Norddeutschland Wirtschaft warnt vor neuem Feiertag
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20:10 21.02.2018
Ein süßes Geschenk für Arbeitnehmer: Der Reformationstag (31. Oktober) soll arbeitsfrei werden.
Ein süßes Geschenk für Arbeitnehmer: Der Reformationstag (31. Oktober) soll arbeitsfrei werden. Quelle: Foto: C. Rehder/dpa
Kiel

„Die Entscheidung geht zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der norddeutschen Länder“, sagt Sebastian Schulze vom Unternehmerverband UV Nord. Mögliche Zugewinne der Gastronomie und der Tourismusbranche würden den Schaden für andere Wirtschaftsunternehmen nicht ausgleichen können. „Wir haben immer davor gewarnt“, sagt auch Can Özren, Sprecher der IHK, der Industrie- und Handelskammer, zu Lübeck. Man verfolge die Abstimmung heute im Landtag daher „mit Unbehagen“.

Die Rechnung bei der IHK ist ähnlich wie beim UV Nord. „Gastronomie und Tourismus in der Region dürften – je nach Witterungslage – etwas profitieren, weil der Reformationstag ja auch in Hamburg Feiertag wird und viele Besucher von dort Richtung Küste fahren werden“, sagt Can Özren. Der Einzelhandel hingegen werde unter dem Verlust eines Einkaufstages leiden. Und auch das produzierende Gewerbe müsse die Maschinen an diesem Tag zusätzlich herunterfahren oder Feiertagsarbeit bezahlen. Studien gingen davon aus, dass ein zusätzlicher freier Tag das Bruttoinlandsprodukt, also die Summe aller produzierten Waren, um 0,1 Prozentpunkte schrumpfen lasse, sagt Özren.

In diesem Jahr müssten sich die Unternehmen zudem ja auch noch sehr kurzfristig auf den neuen Feiertag einstellen, heißt es bei der IHK. Sebastian Schulze gibt zu bedenken, dass je nach Lage des Feiertages in der Woche zusätzliche Brücken-Wochenenden entstehen, an denen Arbeitnehmer gerne länger frei nehmen. Das mache die Personalplanung für die Unternehmen noch einmal schwieriger.

„Die Arbeitgeber jammern auf hohem Niveau“, kontert der Chef des DGB-Nord, Uwe Polkaehn. Denn: „Diesen freien Tag haben die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen längst erwirtschaftet.“ Die Einführung des Reformationstages als Feiertag sei auch ein Erfolg des Gewerkschaftsbundes – der DGB hatte den zusätzlichen Feiertag im Norden eingefordert. „Es muss in unserer hochverdichteten Arbeitswelt auch immer wieder Pausen und Tage des Innehaltens geben“, sagt Polkaehn. Und es sei gut, dass nun endlich ein gemeinsamer norddeutscher Feiertag gefunden wurde.

Die katholische Kirche bleibt skeptisch, wertet den Reformationstag als Symbol der Trennung. „Was mir fehlt, ist eine breite gesellschaftliche Debatte über den zusätzlichen Feiertag“, sagt die Leiterin des katholischen Büros in Kiel, Beate Bäumer. Eine solche Diskussion habe es doch gegeben, kontert der Sprecher der evangelischen Nordkirche, Stefan Döbler. Dabei habe sich ja gezeigt, dass der Reformationstag als Feiertag über Grenzen von Konfessionen und Weltanschauungen hinaus Chancen biete, um etwa über notwendige Erneuerungen in Gesellschaft und Kirche zu diskutieren. Darüber hinaus wäre ein arbeitsfreier Reformationstag natürlich auch eine Zeit der Besinnung und der Erholung und fördere soziales und familiäres Miteinander, sagt Döbler. Und ohne diese Lebensgrundlage sei eine Gesellschaft nicht leistungsfähig.

 Von Wolfram Hammer