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Norddeutschland Wolf noch nicht erlegt: Grünen-Minister in der Kritik
Nachrichten Norddeutschland Wolf noch nicht erlegt: Grünen-Minister in der Kritik
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06:00 17.03.2019
Schön und gefährlich: ein Wolf (Canis lupus), fotografiert im Tier-Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Rethwisch/Lübeck

„Bei uns ist bisher niemand zu sehen gewesen“, berichtet Landwirt Klaus Otto Magnussen aus Rethwisch (Kreis Steinburg). „Glauben Sie wirklich, dass ein Grünen-Minister den Wolf schießen lässt?“ Magnussen hat bereits mehrere Schafe und ein Rind an den Wolf verloren, noch vor drei Wochen kam das Raubtier fast täglich an seinen Hof. (die LN berichteten.) Harm Kölling, der 200 Meter entfernt wohnt, hat nicht den Eindruck, dass ernsthaft etwas gegen den Wolf unternommen wird. „Bei uns im Revier hat sich niemand gemeldet“, berichtet der Jäger. Unter Jägern und Bauern ist man sich weitgehend einig: Ein Fremder im Revier müsste sich ankündigen – und würde auffallen.

Schafhalter warten dringend auf Hilfe

„Um den Wolf zu kriegen, müsste man mit vielen Leuten Tag und Nacht ansitzen“, meint Schafhalter Volker Kruse aus Westerhorn (Kreis Pinneberg). Das Tier lege schließlich viele Kilometer zurück. „Man hört und man sieht nichts von den Wolfsjägern“, erklärt Gabriele Belch, Mitbegründerin der Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer. Unterdessen sei der Wolf, den Wolfsfreunde inzwischen „Dani“ nennen, weiter auf Beutezug. In zwei benachbarten Dörfern seien erneut Schafe gerissen worden. Fünf Mal war er schon bei Familie Belch, die in Heede (Kreis Pinneberg) 1000 Schafe hält. „Es ist frustrierend. Wir warten dringend auf Hilfe“, sagt Belch. In drei Wochen sollen die Tiere wieder auf die Weiden. Der Bürgerinitiative, die im Herbst gegründet wurde, haben sich inzwischen rund 500 Menschen angeschlossen.

Anonymität der Jäger soll gewahrt werden

Tatsächlich läuft die Jagd auf den Problemwolf im Geheimen. „Wir wollen die Anonymität der Jäger wahren“, erklärt Joschka Touré, Sprecher von Umweltminister Jan Philipp Albrecht. Es ist nicht einmal bekannt, wie viele Personen mit der Entnahme beauftragt sind. Für Dienstag hat der Kreis Steinburg zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Territorien, Vorkommen, Nutztierschäden: Klicken Sie hier, um die LN-Infografiken zum Wolf in Deutschland zu sehen!

Der aus Dänemark nach Schleswig-Holstein gekommene Rüde hat bereits mehrfach Schafe außerhalb von wolfssicheren Zäunen gerissen. Er hält sich seit Juni 2018 nachweislich in der Region auf. Laut Ministerium liegen von dem Tier 17 genetische Einzelnachweise vor. Der Wolf wird von Ortskundigen in einem bis zu 20 000 Hektar großen Gebiet vermutet, das eine Handvoll Jagdreviere umfasst.

Abschussgenehmigung noch einmal verlängern?

„Wir kriegen keine Informationen“, sagt auch der CDU-Landtagsabgeordnete Hauke Göttsch. Er rechnet damit, dass die Abschussgenehmigung noch ein weiteres Mal verlängert wird, wenn der Wolf bis Ende des Monats nicht erlegt worden ist. „Da müsste man dann darüber nachdenken, die Jäger vor Ort mehr einzubeziehen.“ Überlegt wird schon jetzt, ob Nachtsichtgeräte eingesetzt werden sollen. „Wir sind im Gespräch mit den zuständigen Behörden des Innenministeriums. Das müsste die Erlaubnis geben“, sagt Ministeriumssprecher Touré.

In Niedersachsen und Sachsen wurden bereits Wölfe getötet

In Niedersachsen ist die Situation ähnlich. Seit Ende Januar ist auch dort ein Wolf zum Abschuss freigegeben, der nachweislich mehr als 40 Nutztiere gerissen hatte. Die Genehmigung gilt zunächst bis zum 31. März. Das Nachbarland hatte schon einmal Jagd auf einen Wolf gemacht. 2016 war Wolf „Kurti“, der wenig Scheu vor Menschen gezeigt hatte, erlegt worden. Nach knapp Woche. „Das war einfacher, weil das Tier besendert war“, sagt Lotta Cordes, Sprecherin im niedersächsischen Umweltministerium von Olaf Lies (SPD).

Anfang 2018 war in Sachsen ein auffälliger Wolf erschossen worden, der zwei Hunde getötet und sich auch mehrfach Grundstücken genähert haben soll. Die Jagd auf ihn hatte mehrere Monate gedauert.

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Julia Paulat

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