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Norddeutschland Innenminister fordert Pflichtnachschulung für Handy-Sünder
Nachrichten Norddeutschland Innenminister fordert Pflichtnachschulung für Handy-Sünder
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21:35 04.03.2019
Radverkehr neu denken (im Foto: Ein Radschnellweg in Berlin): Kiels CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote fordert die Städte im Land auf, das Radeln jetzt auch endlich sicherer zu machen. Quelle: imago
Lübeck/Kiel

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote fordert von den Städten größere Anstrengungen ein, das Fahrradfahren sicherer zu machen. Mehr und bessere Radwege, Radschnellwege und vor allem für Radler entschärfte Kreuzungen seien der Schlüssel dazu, sagt der CDU-Politiker. Hintergrund sind die rapide steigenden Unfallzahlen in den Städten.

Jeder vierte im Verkehr Verunglückte war per Rad unterwegs

Der jüngste Verkehrssicherheitsbericht der Landespolizei weise es aus: „Jeder vierte Verunglückte im Straßenverkehr war 2018 ein Radfahrer“, sagt Grote. Und: Die Zahl der Unfälle in den Städten steigt. Grund sei, dass gerade dort immer mehr Menschen aufs Rad umsteigen und die Rad-Verkaufszahlen in die Höhe schnellen würden.

4493 Unfälle mit Radlern musste die Landespolizei ausweislich des Berichts 2018 aufnehmen. Das ist eine Steigerung von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Lübeck lag die Steigerung sogar bei 13 Prozent. Die 4493 Unfälle waren 22,7 Prozent aller aufgenommenen Verkehrsunfälle im Land. 3784 Radler wurden dabei leicht, 549 schwer verletzt. Zwölf Radfahrer starben.

Vor allem ältere Radler stürzten zu Tode, oft mit E-Bikes

Auch in Lübeck wird es für Radler öfter eng, wie hier in der Königstraße. Quelle: ws

Neun dieser tödlichen Unfälle verursachten die Radler selber. In sieben Fällen davon missachteten sie die Vorfahrt eines Autos oder machten Fehler beim Abbiegen. Dabei trifft es vor allem die ältere Generation: Zehn der getöteten Radfahrer waren über 70 Jahre alt. Drei davon waren mit bis zu 25 km/h schnellen Elektrofahrrädern, sogenannten Pedelecs, unterwegs.

598 Radler-Unfälle allein in Lübeck

In Lübeck gab es im vergangenen Jahr 598 Unfälle mit Radlern, das sind 69 (13 Prozent) mehr als 2017. In Ostholstein waren es 337 Unfälle (plus 45 oder 15,4 Prozent), im Herzogtum Lauenburg 222 (plus 46 oder 26,1 Prozent), in Stormarn 330 (plus 35 oder 11,9 Prozent), im Kreis Segeberg 303 Unfälle (plus sieben oder 2,4 Prozent). Insgesamt starben in Lübeck, Ostholstein, im Herzogtum Lauenburg, in Stormarn und im Kreis Segeberg 38 Menschen.

Die Polizei will Fahrradfahrer, die sich nicht an die Straßenverkehrsregeln halten und etwa falsch abbiegen oder Gehwege oder Radwege verkehrt herum nutzen, künftig besonders ins Visier nehmen. Grote nimmt zudem die Kommunen in die Pflicht. Das Mobilitätsverhalten habe sich geändert. „Früher haben wir Städte baulich auf den Autoverkehr hin ausgerichtet. Das müssen wir jetzt anders machen“, sagt der Minister.

Länder wie Holland und Dänemark zeigten mit ihren Velorouten und Schnellwegen, in welche Richtung die Entwicklung auch in Deutschland gehen müsse. In Hamburg würden bereits ganze Fahrstreifen als Radweg umgewidmet werden. Die Regionalpläne des Landes würden den Kommunen auch hierzulande solche Möglichkeiten öffnen.

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Die Städte sollen neue und bessere Radwege bauen

Das Land unterstütze die Kommunen dabei auch mit Städtebaumitteln. Manchmal würden schon kleine Umbaumaßnahmen viel verbessern. So hätten viele Städte bislang aus Spargründen oft nur Radwege auf einer Straßenseite angelegt. An den Kreuzungen kämen für einige Autos dann immer Radfahrer auch „von links“. Das sei sehr unfallträchtig. Ein neuer beidseitiger Radwege sorge sofort für mehr Sicherheit.

Insgesamt stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Norden im Vergleich zu 2017 um 0,7 Prozent auf 90 711. Die Zahl der Verletzten sank dennoch um 1,6 Prozent auf 15 903. Die Zahl der Toten stieg allerdings von 100 auf 122. 13 Menschen starben auf den Autobahnen, 29 in den Städten, 80 auf Bundes- und Landstraßen. Hauptunfallursachen waren wieder Fehler beim Abbiegen und Vorfahrtsmissachtungen.

Schleswig-Holsteins CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote fordert sicherere Radwege, Nachschulungen für ertappte Handy-Sündern und mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Quelle: Christian Charisius/dpa

Ein immer drängenderes Problem werde dabei auch, dass viele Autofahrer während der Fahrt verbotenerweise Handy oder Tablets nutzen würden, sagt Grote. Die Unfallursache „Ablenkung“ durch elektronische Geräte wurde daher auf Drängen Schleswig-Holsteins jetzt auch ganz offiziell in die Verkehrsunfallstatistik aufgenommen. Anders könne man sich eine Vielzahl von Unfällen nicht erklären, heißt es von der Polizei. So habe etwa bei einer jungen Frau, die auf gerader Strecke von der Fahrbahn abkam, gegen einen Baum fuhr und starb, das Handy noch auf dem Beifahrersitz gelegen. Ein Lkw-Fahrer, der plötzlich in den Gegenverkehr steuerte und einen tödlichen Unfall verursachte, hatte kurz zuvor noch eine SMS verschickt.

Grote fordert Pflicht-Nachschulungen für Handy-Sünder

Die Polizei ertappte im vergangenen Jahr allein 16 509 Autofahrer mit Handy am Ohr – oder in der Hand. Vor allem junge Leute würden zunehmend Nachrichten schreiben anstatt etwa über eine Freisprecheinrichtung zu telefonieren, sagt Grote. Er will das nicht länger hinnehmen. Die Geldstrafen seien bereits erhöht worden. Über den Geldbeutel allein sei solchen Fahrerinnen und Fahrern aber offenbar nicht beizukommen, sagt der Innenminister. Er fordert daher eine Pflicht-Nachschulung für ertappte Handy-Sünder. „Sie sollten dazu ein Wochenende in einem Seminar zur Verkehrserziehung verbringen müssen“, sagt Grote.

Minister: Erziehung zu gegenseitiger Rücksichtnahme täte Not

In der Verkehrsministerkonferenz will er sich dafür jetzt starkmachen. Man habe ja ohnehin den Eindruck, dass es vielen erwachsenen Verkehrsteilnehmern guttun würde, auch noch einmal Verkehrserziehung genießen zu können, so wie die Schulkinder bei der Polizei-Puppenbühne durch den Verkehrskasper – Erziehung zu gegenseitiger Rücksichtnahme, zum Beispiel.

Wolfram Hammer

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