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Norddeutschland Zensus 2021 kostet Schleswig-Holstein 35 Millionen Euro
Nachrichten Norddeutschland Zensus 2021 kostet Schleswig-Holstein 35 Millionen Euro
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08:00 24.11.2019
Nach zehn Jahren soll im Mai 2021 erneut erhoben werden, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und wo sie arbeiten. Quelle: dpa
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Lübeck/Kiel

Auch wenn die Befragung erst zwischen Mai und August 2021 erfolgt – die Vorbereitungen für den Zensus laufen schon auf Hochtouren. Die Hauptarbeit liegt bei den Kreisen und den kreisfreien Städten. Sie organisieren die sogenannten Erhebungsstellen, für die insgesamt 120 Mitarbeiter benötigt werden. Dazu sollen nach Auskunft des Innenministeriums in Kiel 4300 ehrenamtliche Interviewer stichprobenartige Haushaltsbefragungen in Schleswig-Holstein machen. Die Kosten dafür sind mit 14,2 Millionen Euro veranschlagt. Weitere 21 Millionen Euro gehen an das Statistikamt Nord, wo etwa 60 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden, die nur für den Zensus in Schleswig-Holstein arbeiten. Bundesweit soll der Zensus rund eine Milliarde Euro kosten.

Kreise vor großen Herausforderungen

„Ein Wahnsinn“, so hatte Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU), zugleich Präsident des Deutschen Landkreistages, das riesige Statistik-Projekt jüngst im Hauptausschuss kommentiert. „Wir sehen das kritisch“, bekräftigte Carsten Schreiber vom Landkreistag Schleswig-Holstein. „Wir bezweifeln, dass der finanzielle Aufwand im Verhältnis zum Nutzen steht.“ Der Zensus stelle die Kreise vor große Herausforderungen: So müssten geeignete, von der übrigen Verwaltung abgeteilte Räumlichkeiten gefunden werden. Auch gelte es, die nötige Anzahl von Mitarbeitern für einige Monate befristet zu bekommen. „Der Fachkräftemangel ist auch in der Verwaltung spürbar“, sagt Schreiber.

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In Stormarn müssen 30 Prozent mehr befragt werden

Beim Bund der Steuerzahler fragt man sich: „Für welche wichtigen gesellschaftlichen Fragestellungen und Entscheidungen braucht man diese Daten?“, sagt Geschäftsführer Rainer Kersten. Im kommunalen Bereich gebe es viel Unbehagen. „Der Zensus ist teuer und leider auch sehr aufwendig“, meint Segebergs Landrat Peter Schröder (parteilos). Es sei schwierig, die Kosten dem umfassenden Nutzen gegenüberzustellen. Der Kreis benötigt elf Stellen für die Erhebungsstelle sowie 409 Interviewer. Im benachbarten Stormarn müssen sieben bis neun Stellen befristet geschaffen werden, vom Frühjahr an werden 350 Interviewer gesucht. Denn 35 000 Bürger sollen in Stormarn befragt werden. „Das sind rund 30 Prozent mehr als wir 2011 hatten“, berichtet Fachbereichsleiter Andreas Rehberg.

Auch Gebäude- und Wohnungsbestand wird erfasst

Der Zensus geht auf EU-Recht zurück. Danach sollen europäische Staaten ihre Einwohnerstatistiken alle zehn Jahre auf den neuesten Stand bringen. Es geht um die Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahl für jede Gemeinde. Außerdem soll der aktuelle Gebäude- und Wohnungsbestand erfasst werden. Darüber hinaus sollen regionale Daten zu demografischen Grundmerkmalen wie Bildung, Erwerbstätigkeit, Migrationshintergrund und Religionszugehörigkeit erhoben werden. Dabei wird zum Teil auf vorhandene Daten aus der Verwaltung zurückgegriffen. Zusätzlich wird ein Teil der Bevölkerung direkt befragt, so auch Bürger, die in Wohnheimen oder Gemeinschaftsunterkünften leben.

Bestandteil des Zensus 2021 ist auch eine Gebäude- und Wohnungszählung. Ziel ist es, alle Gebäude mit Wohnraum und bewohnte Unterkünfte zu erfassen. Auskunftspflicht besteht für alle Eigentümer und Verwalter. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für wohnungspolitische Entscheidungen und Maßnahmen in der Raumplanung genutzt werden.

Registergestützte Bevölkerungszählung

Als Zensus wird eine registergestützte Bevölkerungszählung bezeichnet, die durch eine Stichprobe ergänzt und 2021 außerdem mit einer Gebäude- und Wohnungszählung kombiniert wird. Der Zensus ist eine moderne Form der Volkszählung, wie sie zuletzt 1987 vor der deutschen Wiedervereinigung stattfand. Der erste EU-weite Zensus wurde 2011 organisiert.

Die Ergebnisse sollen aktuelle Bevölkerungszahlen liefern und Auskunft geben über Alter, Geschlecht und Staatsbürgerschaft der Einwohner. Die Daten werden anonymisiert ausgewertet.

Die amtliche Einwohnerzahl ist eine wichtige Grundlage für zahlreiche rechtliche Regelungen: Zum Beispiel werden auf dieser Basis Wahlkreise eingeteilt; auch die Stimmenverteilung im Bundesrat orientiert sich an den Einwohnerzahlen. Zudem werden Ausgleichszahlungen wie der Länderfinanzausgleich und der kommunale Finanzausgleich sowie EU-Fördermittel pro Kopf berechnet.

Von Julia Paulat

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