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Norddeutschland 60.000 Menschen fordern Pfand auf Zigarettenstummel – so soll es gehen
Nachrichten Norddeutschland 60.000 Menschen fordern Pfand auf Zigarettenstummel – so soll es gehen
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21:10 17.08.2019
Zigarettenstummel im Sand sollen dank eines Pfandsystems künftig der Vergangenheit angehören. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Der Berliner Stephan von Orlow fordert die Einführung eines Pfandsystems für Zigaretten und Schachteln – und mehr als 58.000 Menschen unterstützen bereits seine Online-Petition. Diese will er Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) übergeben. Der Gedanke: „20 Cent pro Kippe an Pfand, das heißt etwa vier Euro Pfand pro Packung – zu bezahlen beim Zigarettenkauf, zurück zu erhalten bei der Abgabe“, heißt es auf dem Internetauftritt der Petition.

+++ Hier geht es zur Petition +++

Von Orlow argumentiert: „Täglich werden in Deutschland über 200 Millionen Zigaretten geraucht. Der allergrößte Teil von ihnen landet danach auf Straßen, im Grün und früher oder später in unseren Gewässern.“ Wissenschaftliche Studien würden zeigen, dass aus Zigaretten gelöste Giftstoffe und der zerfallende Kunststoff der Filter erhebliche Gefahren für Tiere und Pflanzen darstellen. „Die Folgen reichen von Verhaltensstörungen über Missbildungen und DNA-Veränderungen bis hin zum Tod. Über die Nahrungskette erreichen die Gifte letztlich auch wieder den Menschen.“ Ein Pfandsystem werde das „Kippenproblem“ schnell und umfassend lösen, ist sich von Orlow sicher.

BUND spricht sich für die Vermeidung von Müll und Plastik aus

Der schleswig-holsteinische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt es, wenn innovative Ansätze wichtige Themen in der politischen Landschaft auf die Tagesordnung bringen, sagt Pressesprecherin Ann Kristin Montano. „Zigarettenstummel können gefährliche Waldbrände auslösen oder werden von Kindern, zum Beispiel am Strand oder im Sandkasten, in den Mund genommen oder verschluckt.“

Die Reduzierung von Müll und Kunststoff sei dem BUND ein wichtiges Anliegen. „Das Problem besteht seit Langem und gehört daher unverzüglich und ambitioniert angegangen. Neben der grundsätzlichen Vermeidung von Plastik sind unter anderem stärkere Kontrollen zur Einhaltung der bereits bestehenden Regelungen notwendig“, sagt die Sprecherin. Zigarettenstummel wegzuwerfen, sei bereits eine Ordnungswidrigkeit. „Bußgelder werden von Städten und Kommunen aber selbst festgelegt. Auch in der Stärke der Kontrolle und Ahndung bestehen also zusätzliche Handhabungsoptionen“, sagt Montano. Die Herausforderungen bei Pfandsystemen seien oft die Kontrolle und Rückgabe, fügt sie an – die Petition gehe hierauf nur teilweise ein.

Zigarettenstummel verschmutzen die Lübecker Altstadt

Auch die Entsorgungsbetriebe der Stadt Lübeck stehen Pfandsystemen grundsätzlich positiv gegenüber: „Sie haben sich bewährt“, sagt Pressesprecherin Cornelia Tews. „Wir begrüßen alles, das die Umwelt sauberer macht.“ Tews kann bestätigen, dass achtlos weggeworfene Zigarettenstummel in Lübeck ein großes Problem seien – vor allem in der Altstadt, wo die Reinigung intensiver sei. „Unsere Mitarbeiter kämpfen damit jeden Tag.“ Welchen Anteil die Zigarettenstummel am täglichen Abfall in Lübeck haben, werde gerade im Ramen einer Abfallanalyse untersucht – Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen.

Zigarettenverband sieht Vorstoß kritisch

Der Geschäftsführer des Zigarettenverbands, Jan Mücke, sieht den Vorstoß kritisch: „Pfandsysteme sind sinnvoll, um ein Produkt oder eine Verpackung oder seinen Rohstoff wiederzuverwerten oder zurück in den Wertstoffzyklus zuführen. Für weggeworfene Zigarettenkippen gilt dies aus heutiger Sicht nicht.“ Achtlos weggeworfene Zigarettenkippen verschmutzten zwar die Umwelt, seien aber im Wesentlichen auf das Fehlverhalten einzelner Verbraucher zurückzuführen, sagte Mücke.

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